Tourismuswelt

Der teure Flug der olympischen Pferde

Linda von Euw

Insgesamt 200 Pferde müssen von überall auf der Welt für die Olympischen Spiele nach Rio de Janeiro geflogen werden.

200 Pferde aus 43 Ländern müssen derzeit die teils lange Reise nach Rio de Janeiro unter die Hufe nehmen. Damit die Vierbeiner möglichst schnell und stressfrei zu den Olympischen Spielen gelangen, dürfen sie das Flugzeug nehmen. Nebst der Lufthansa führt beispielsweise auch Emirates Skycargo solche Spezialtransporte durch. Die Pferde reisen in speziellen Transportboxen, die jeweils per Gabelstapler in den Bauch des Flugzeugs gehievt werden.

Pro Nation begleitet meist ein Pferdepfleger eines Reiters die Pferde wie auch ein Tierarzt, der im Notfall eingreifen könnte. Grundsätzlich reisen die Pferde ohne medikamentöse Ruhigstellung – eine sogenannte Sedation. Die meisten internationalen Wettkampfpferde sind sich lange Reisen und auch Flüge gewohnt und nehmen diese Transporte gelassen. Auch wenn dieser – wie im Fall Rio de Janeiro – rund 12 Stunden dauert.

Um den Flugbetrieb nicht zu stören, müssen die Pferde zu genau festgelegten Zeiten am Flughafen eintreffen. Dabeihaben müssen die Tiere ihren Pferdepass, indem alle erforderlichen Impfungen eingetragen sein müssen und jedes Pferd braucht ein Gesundheitszeugnis vom Amtstierarzt, dass die einwandfreie gesundheitliche Verfassung des Tieres bestätigt. Ausserdem trägt jedes Pferd einen Mikrochip im Hals, damit es jederzeit identifiziert werden kann. Während des Fluges stehen allen Tieren ausreichend Heu und Wasser zur Verfügung. Damit es an Bord keine Unruhen gibt, fliegen de Hengste, also unkastrierte männliche Pferde, jeweils ganz vorne, in der Reihe dahinter stehen die kastrierten männlichen Pferden – die sogenannten Wallache - und ganz hinten werden dann die Transportboxen mit den Stuten aufgereiht.

Speziell geschulte Piloten - 17 Grad an Bord

Die acht Pferde der Schweizer Reiter wurden zuerst auf dem Landweg nach Lüttich gefahren. Dort dürfen die mit Pferden beladenen Flieger in einem deutlich sanfteren Winkel starten als die Passagiermaschinen.  Beim Start und der Landung müssen sich die Vierbeiner nämlich besonders ausbalancieren. Das Fliegen gilt allgemein als stressfreier als das Fahren auf der Strasse: Dort müssen sich die Pferde bei jedem Beschleunigungs- und Bremsmanöver ausbalancieren. Die Piloten solcher Pferdetransportmaschinen werden besonders geschult: So bremsen sie bei der Landung weniger scharf ab, damit die Pferde in ihren Transportboxen nicht stürzen.

Obwohl die Transportmaschine eigentlich für 70 Pferde Platz hätten, werden sie jeweils nur mit 34 Pferden beladen. Dies um den wertvollen Vierbeinern mehr Raum zu schaffen. Die Temperatur beträgt konstant 17 Grad – eine für Pferde optimale Temperatur, die Fieber verhindern soll.

Der Transport über Land ist verboten

Nach der Landung in Rio geht es für alle Pferde per LKW ins 30 Minuten entfernte Olympia-Gelände. Übrigens müssen alle Pferde nach Rio geflogen werden, also auch die Tiere aus Südamerika dürfen nicht auf dem Landweg nach Brasilien reisen. Den teilnehmenden Pferde ist der Kontakt zu einheimischen Tieren untersagt – dies um übertragbare Krankheiten zu vermeiden. Die insgesamt neun Flüge aus Europa und den USA sind alle so gelegt, dass die Pferde abends in Rio landen – dann sind die Strassen frei und das Unfallrisiko ist geringer. Zwei Polizeiwagen eskortieren die LKWs.

Kostenpunkt einer Flugreise pro Pferd: Rund 20‘000 Franken. Bezahlt wird dieser Betrag von den Organisatoren der Olympischen Spiele. Lediglich die Kosten für das Mitführen von allfälligen Ersatzpferden muss vom jeweiligen Verband getragen werden.

Die Schweizer Reiter in Rio

Im Springen starten für die Schweiz:

  • Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets 
  • Paul Estermann mit Castlefield Eclipse
  • Romain Duguet mit Quorida de Treho
  • Martin Fuchs mit Clooney 
  • Janika Sprunger mit Bonne Chance

In der Vielseitigkeit starten für die Schweiz:

  • Ben Vogg mit Noe des Vatys
  • Felix Vogg mit Onfire

In der Dressur startet für die Schweiz:

  • Marcela Krinke Susmelj mit smeyers Molberg