Tourismuswelt
Schweiz Tourismus und Swiss befürchten wirtschaftliche Einbussen
Linda von EuwNach dem „Ja“ zum Ausstieg Grossbritanniens aus der EU, herrscht an den Börsen wie auch im Tourismussektor Verunsicherung. Gerade erst hat die Branche den Euro-Schock verdaut, jetzt droht das Pfund-Desaster. Klar scheint: Der Schweizer Franken wird stark bleiben. Die Schweizer können also weiterhin günstig reisen, für die Briten wird es teuer. Ein Problem für Schweiz Tourismus?
„Grossbritannien ist hinter Deutschland und den USA der drittwichtigste Auslandmarkt für die Schweiz“, sagt Daniela Bär, Leiterin Internationale Medienarbeit und Unternehmenskommunikation von Schweiz Tourismus gegenüber travelnews.ch. „1,6 Millionen Hotelübernachtungen gehen jährlich auf das Konto der Briten. Ausserdem nutzen sie stark die Parahotellerie – wir gehen hier nochmals von mehreren 100‘000 Übernachtungen aus.“ Die Statistik von Schweiz Tourismus zeigt: Aus den Prioritätsmärkten geben die Briten durchschnittlich 190 Franken pro Tag aus – An- und Abreise nicht eingerechnet. Nur die Amerikaner und die Chinesen geben mit jeweils 220 beziehungsweise 330 Franken täglich mehr aus.
Einen Sofort-Effekt erwartet Bär nicht, denn: „Die Sommerferien sind bereits gebucht. Wenn das Pfund gegenüber dem Schweizer Franken aber nachhaltig schwach bleibt, erwarten wir im Winter einen Rückgang der Übernachtungszahlen.“ Die Reiselust der Briten in die Schweiz hält sich übers Jahr hinweg gesehen die Waage: 52 Prozent kommen im Sommer, 48 Prozent im Winter. Zürich und Genf sind städtemässig bei den Briten besonders beliebt. Wobei hier die Mehrheit der Übernachtungen auf den Geschäftstourismus zurückzuführen ist. Ansonsten stehen das Berner Oberland, das Wallis und Graubünden hoch im Kurs.
Um dem drohenden Einbruch bei den Übernachtungszahlen im Winter entgegenzuwirken, überlegt sich Schweiz Tourismus in einigen Wochen Marketingaktivitäten in Grossbritannien zu prüfen. „Historisch gesehen haben die Schweiz und England eine sehr enge Beziehung. Die Bereitschaft der Briten weiterhin in die Schweiz zu reisen, ist sicher gegeben“, ist Bär überzeugt, räumt aber ein: „wenn die Preise steigen, bedeutet das Erfahrungsgemäss leider immer einen Rückgang bei der Anzahl Touristen.“
Ein neues Luftverkehrsabkommen wird benötigt
Auch die Swiss rechnet mit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Mediensprecherin Meike Fuhlrott sagt gegenüber travelnews.ch: "Es wird mehrere Jahre dauern, bis klar ist, wie der Brexit effektiv ausgestaltet sein wird." Diese Phase der Unsicherheit sei ungünstig für die Wirtschaft und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Grossbritannien. "Je nach Entwicklung an den Devisenmärkten wird der starke Franken für eine reduzierte Nachfrage nach Luftverkehrsverbindungen sorgen."
Darüber hinaus sei wahrscheinlich, dass die Schweiz ein neues Luftverkehrsabkommen (LVA) mit Grossbritannien für die Zeit nach dem Brexit benötige. Heute verschaffe das LVA mit der EU den Marktzugang zu Grossbritannien. Verlasse England die EU, sei dieses nicht mehr anwendbar. "Das alte Abkommen zwischen der Schweiz und Grossbritannien stammt aus dem Jahr 1950 und ist für heutige Verhältnisse nicht mehr geeignet", erklärt Fuhlrott.