Tourismuswelt

Unruhige Zeiten für die Reisebranche und die Reiseversicherer. Bild: Fotolia

Thomas Tanner: «Wir sitzen im selben Boot wie die Reisebüros»

Verhaltene Mittelmeer-Buchungen, Sicherheitsbedenken, Zika: Spielen die Unsicherheiten den Reiseversicherern in die Karten?

Zurückhaltende Mittelmeer-Buchungen, Sicherheitsbedenken und der Zika-Virus beschäftigen in diesen Wochen die Reisebranche. Travelnews.ch hat bei der Europäischen Reiseversicherung und der Allianz Global Assistance nachgefragt, wie stark sich diese Entwicklungen auf das Geschäft mit den Reiseversicherungen niederschlagen.

Herr Tanner, in den Reisebüros fehlen die Badeferien-Buchungen. Werden derzeit weniger Reiseversicherungen abgeschlossen als sonst zu dieser Jahreszeit?

Thomas Tanner, CEO der Europäischen Reiseversicherung: Ja, wir sitzen im selben Boot und reiten auf den gleichen Wellen wie die Reisebüros. Allerdings haben wir — wie ein Kreuzfahrtschiff auch — einen Stabilisator. In unserem Fall sind das die Reisejahresversicherungen, die sich jeweils automatisch verlängern und uns somit Stabilität geben. Viele haben dieses Jahr vielleicht eine nicht so bombastische Reise geplant, sondern gehen ohne über ein Reisebüro zu buchen ins Tessin — aber auch hier lohnt es sich, eine Reiseversicherung zu haben, die ja alle Reisen übers ganze Jahr hinweg abdeckt.

Haben Epidemien wie aktuell Zika Auswirkungen auf das Versicherungsgeschäft?  

Grundsätzlich kann man bei den Menschen in solchen Zeiten oft eine kurzfristige Reaktion beobachten: Sie wollen sich vermehrt absichern. Insofern könnte uns Zika wie auch die allgemeine Unsicherheit unter Umständen in die Karten spielen, was ich mir persönlich für die Reisebranche und die Reisenden aber nicht wünsche. 

Haben Sie Anfragen von schwangeren Frauen, die eine Reise in ein Zika-Gebiet annullieren wollen?

Diesbezüglich haben wir nur sehr wenige Anfragen. Grundsätzlich zeigen sich in solchen Fällen die Airlines kulant und bieten von sich aus eine kostenlose Umbuchung an. Im Zweifelsfall würden wir uns aber sicher um einen Kompromiss bemühen. Sobald das Bundesamt für Gesundheit eine entsprechende Empfehlung herausgibt, sind Annullationen in ein Zika-Gebiet über die Europäische Reiseversicherung abgedeckt.

(Anm.d.Red.: Das Bundesamt für Gesundheit schreibt auf seiner Internetseite: Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufene globale Gesundheitszustand wegen Zika hat keine neuen Konsequenzen für die Schweiz, die WHO hat weder allgemeine Reiseempfehlungen erlassen, noch solche für Schwangere.)

Kulanz bei Allianz Global Assistance

Die Allianz Global Assistance gibt an, dass sie zwar weniger Buchungen beobachten würde, aber in Zeiten der Unsicherheiten mehr Versicherungen abgeschlossen würden. Sie hätten also nicht weniger Versicherungsabschlüsse als sonst. In der Jahresreiseversicherung der Allianz findet sich der Zusatz "Private Medical", der wie folgt deklariert ist: Als Nachgangsversicherung übernimmt Private Medical die Kosten, die nicht von der obligatorischen Kranken- oder Unfallversicherung gedeckt sind und die Leistungen allfälliger Zusatzversicherungen übersteigen: Krankheit oder Unfall ausserhalb der Schweiz und des Staates, in dem die versicherte Person ihren gewöhnlichen Wohnsitz hat. Arzt, Spital, Medikamente in der privaten Abteilung (nach Rücksprache mit dem Arzt der Allianz Global Assistance). Darauf angesprochen, ob die Versicherung jetzt nicht Mehrkosten aufgrund Schweizer Zika-Fällen fürchte, teilt die Allianz Global Assistance mit: "Epidemien und somit auch Zika sind in unseren Versicherungsbedingungen ausgeschlossen." Aus Kulanz würde die Versicherung aber momentan im Fall von Zika die Reise-Annullationskosten von schwangeren Frauen, die eine Reise in ein betroffenes Gebiet gebucht haben, übernehmen.

(LVE)