Tourismuswelt

Muss sich auf schwierige Zeiten vorbereiten: Garantiefonds-Geschäftsführer Stefan Spiess. Bild: HO

«Wir passen unseren Krisenplan auf mögliche Szenarien an»

Der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche muss sich auch auf die ausserordentliche Lage einstellen.

Wegen dem weltweiten Nachfragerückgang für touristische Reisen, bedingt durch Angst vor dem Coronavirus und der damit verbundenen Schliessung von Grenzen und dem Abbau von Flugleistungen, geraten nun zahlreiche Tourismusunternehmen in akute Konkursgefahr. Es ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Wochen und Monaten auch in der Schweiz diverse Tourismus-Akteure, ob Reisebüro oder auch Reiseveranstalter, infolge Liquiditätsmangel zahlungsunfähig werden und somit Konkurs gehen.

Das schürt Ängste, auch in Bezug auf die Sicherstellung der Kundengelder. Es sind ja doch einige Pauschalreisen für die Zeit im Herbst oder darüber hinaus gebucht. Die Sicherstellung der dafür einbezahlten Gelder erfolgt in der Schweiz bei rund 1100 Reiseveranstaltern und Reisevermittlern über den Garantiefonds; es gibt noch weitere, kleinere Lösungen. Der Garantiefonds prüft die Teilnehmer hinsichtlich festgelegten Anforderungen in Bezug auf Fachkompetenz, Seriosität und Solvenz. Doch selbst seriöse Unternehmen kommen jetzt angesichts dieser präzedenzlosen Situation möglicherweise ins Schleudern. Und der Garantiefonds selber?

Wir haben bei Geschäftsführer Stefan Spiess nachgefragt und folgende Stellungnahme erhalten: «Die Situation ist ausserordentlich und die nun kommunizierten Beschlüsse des Bundesrats zum Notstand sind – auch wenn nachvollziehbar – für die ganze Schweiz eine noch nie dagewesene Herausforderung. Der Garantiefonds begrüsst und unterstützt die Aktivitäten des SRVs, wo es um Fragen geht, ob der Bund eine Art Rettungsschirm etablieren kann. Sei dies in Form von Liquiditätskrediten, allfälliger Übernahmen der Gebühren unserer Teilnehmer oder anderen Massnahmen. Der SRV hatte bereits ein Treffen in Bern unter Beisein unseres Ombudsmannes Franco Muff. Gleichzeitig arbeiten wir als Garantiefonds daran, den Krisenplan auf die möglichen Szenarien dieser ausserordentlichen Lage anzupassen. Unser Fokus liegt dabei auf den teilnehmenden Unternehmen des Garantiefonds sowie der Konsumenten.»

Zur Erinnerung: Durch den Garantiefonds abgedeckt sind Pauschalreisen, Baukastenreisen (individuell zusammengestellt aus einem Prospekt oder direkt mit einem Leistungsträger vereinbarte Leistungen und pauschal in Rechnung gestellt) sowie Kreuzfahrten. Aus dem Geschäftsbericht 2018 geht hervor, dass der Garantiefonds per Anfang 2019 über ein Total von CHF 5‘368'810 verfügte (neuere Zahlen liegen noch nicht vor). Ob das in der aktuellen Situation reichen wird, hängt von der Anzahl Konkursen und deren Tragweite ab.

(JCR)