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Gute Frage Warum wollen Airlines unser Geschlecht wissen?
Ein falscher Klick bei der Flugbuchung – und plötzlich ist aus Frau Müller ein Herr Müller geworden. Was nach einer Kleinigkeit klingt, kann mühsam werden: Je nach Airline und Buchungssystem muss eine falsche Angabe nachträglich korrigiert werden. Aber: Weshalb wollen Fluggesellschaften überhaupt wissen, ob Frau, Herr oder Divers mitfliegt?
Zwischen Einreisevorschriften und alten Buchungssystemen
Wichtig: Anrede und Geschlechtsangabe sind nicht dasselbe. Eine Anrede wie Frau oder Herr kann Bestandteil der Buchung sein, ohne dass sie zwingend für die Einreise benötigt wird. Das Geschlecht wiederum gehört zu den Passagierdaten, die verschiedene Staaten bei internationalen Flügen von den Airlines verlangen können.
Dabei werden sogenannte Advance Passenger Information (API) vor der Einreise an die Behörden übermittelt. Welche Angaben erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Reiseland ab.
Daneben spielen technische Standards und historisch gewachsene Buchungssysteme eine Rolle. Die Luftfahrt arbeitet weltweit mit Systemen, die miteinander kommunizieren müssen – von der Reservation über Check-in und Boarding bis zur Datenübermittlung an Behörden.
Entsprechend sind Geschlechtscodes seit langem Bestandteil verschiedener Datenstandards. Ganz so binär wie früher ist die Technik allerdings nicht mehr: Der aktuelle IATA-Standard für den Barcode auf Bordkarten kennt neben den klassischen Angaben auch «X» für «unspecified» und «U» für «undisclosed».
In der Praxis bleibt das Thema kompliziert. Nicht jedes Buchungssystem und nicht jedes Land geht gleich mit Geschlechtsangaben ausserhalb von männlich und weiblich um. Auch bei Reisedokumenten unterscheiden sich die Regeln.
In den USA werden beispielsweise seit 2025 keine neuen Pässe mit X-Marker mehr ausgestellt; aktuell werden nur M oder F eingetragen. Reiseinformationen Für Reisende mit non-binären Angaben kann deshalb entscheidend sein, welche Daten das Zielland akzeptiert und was im Reisedokument steht.
Und dann ist da noch ein ganz anderer Grund: das Gewicht. Vor jedem Flug müssen Masse und Gewichtsverteilung des Flugzeugs berechnet werden. Da nicht jeder Passagier auf die Waage gestellt wird, arbeiten Airlines mit Standardwerten.
Die europäischen EASA-Regeln sehen unter anderem unterschiedliche Durchschnittswerte für Männer und Frauen vor; bei Flugzeugen ab 30 Sitzen kann alternativ ein einheitlicher Erwachsenenwert verwendet werden.
So macht es die Swiss
Bei der Swiss ist die Anrede freiwillig. Passagiere können bei der Buchung unter anderem Frau, Herr oder Divers auswählen, daneben gibt es akademische Titel. Wer sich nicht festlegen möchte, wählt «keine Angabe».
Die Information wird aber nicht nur für die Kommunikation mit den Reisenden verwendet. «Gleichzeitig nutzen wir die Angabe für die Berechnung des Gewichts und der Gewichtsverteilung auf dem jeweiligen Flug», sagt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott gegenüber Travelnews. Macht ein Passagier keine Angabe, rechnet die Swiss mit dem höheren Wert, der dem männlichen Standardwert entspricht.
Anders sieht es aus, wenn das Zielland für die Einreise ausdrücklich eine Geschlechtsangabe verlangt. Dann fragt die Swiss diese bei der Buchung separat ab. Zur Auswahl stehen männlich, weiblich und divers. «Welche Angaben bei einer Buchung erforderlich sind, hängt vom Reiseziel und den dort geltenden Einreisebestimmungen ab», so Fuhlrott.
Und der falsche Klick? Der muss nicht zwangsläufig teuer werden. Während Korrekturen je nach Airline und Buchung eine Anpassung oder Neuausstellung des Tickets nötig machen können, zeigt sich die Swiss unkompliziert: Eine versehentlich falsch eingegebene Anrede kann im Rahmen der Regelung zur Namenskorrektur kostenlos berichtigt werden. Auch eine falsche Geschlechtsangabe lässt sich bei der Swiss laut Fuhlrott kostenlos ändern.