Reiseanbieter

Geschäftsführer Reto Amin beim Eingang des Firmensitzes in Zürich-Wiedikon: Wachstum um jeden Preis ist nicht das Ziel. Bild: TN

Amin Travel: Ein stolzes kleines Familien-Unternehmen

Es gibt sie noch, die familiengeführten, unabhängigen Spezialisten. Amin Travel macht seit Jahren vor, wie man auch alleine gewinnbringend agieren kann.

Schon seit 1984 gibt es das Reiseunternehmen Amin Travel in Zürich. Was als Ägypten-Spezialist begann, hat sich längst zu einem etablierten Spezialisten für gleich sechs Ziele entwickelt: Ägypten, Jordanien, Portugal, die Azoren, Madeira und die Kapverden. Reto Amin, der das Unternehmen in zweiter Generation führt, ist stolz auf das Erreichte: «Unser Unternehmen ist gesund und hat schon immer schwarze Zahlen erzielt». Dies, ohne dass man sich jemals unter die Fittiche eines grösseren Unternehmens begeben oder sich einer Vertriebskooperation angeschlossen hat.

Die Firma ist zu 100 Prozent in den Händen der Familie Amin. Die Mehrheit hält seit 2010 Reto Amin; Vater und Firmengründer Ahmed Amin hält ebenfalls noch Anteile, ebenso wie Retos Schwester, welche allerdings in der Hotellerie zuhause ist und nicht im Unternehmen. Wobei sich dies in Kürze ändern wird: War bislang die Mutter der Amin-Familie für die Firmenbuchhaltung zuständig, wird dies demnächst die Schwester erledigen.

Im Team sind aktuell sieben Personen, wobei Reto Amin eine weitere Person für den Verkauf sucht, weil eine Mitarbeiterin demnächst in Mutterschaftsurlaub geht. Diese wird allerdings später im 50-Prozent-Pensum zurückkommen. Will heissen, bald sind acht Personen bei Amin Travel tätig. Ein Hinweis, dass es in der Firma rund läuft. «Ironischerweise war der Arabische Frühling ein Glücksfall für uns», erklärt Reto Amin, «früher, als Ägypten-Spezialist, waren wir rund vier Leute. Mit der Diversifizierung in andere Destinationen konnten wir wachsen und haben nun doppelt so viel Personal.» Wobei angefügt werden muss, dass der erste Diversifizierungsschritt kurz vor dem Arabischen Frühling erfolgte: Bereits Ende der 90er Jahre hatte Amin Travel begonnen, auch die Azoren sowie Jordanien anzubieten; 2010 erfolgte der Portfolio-Ausbau mit Portugal und Madeira. Die Konzentration auf die portugiesischen Gebiete war ein Glücksfall und ab 2014 wurden auch die Kapverden ins Angebot aufgenommen. In jener Zeit wurden allerdings auch die früher angebotenen Ziele Zypern und Malta fallen gelassen. Und was hat es mit dem Logo von Amin Travel auf sich, wo ein «T» und ein «B» prangen? «T» steht für Travel und «B» für Business, wobei laut Amin damit nicht Geschäftsreisen gemeint sind, sondern eine Ergänzung im Nicht-TO-Bereich, etwa die Vermittlung von Immobilien an den Destinationen, was jedoch heute keine Rolle mehr spielt.

«Heute sind die Azoren unser wichtigstes Standbein», erklärt Amin, «gefolgt von Madeira und Portugal.» Das frühere Hauptziel Ägypten befinde sich derzeit aber wieder auf einem sehr positiven Wachstumskurs; lediglich Jordanien laufe gar nicht, «obwohl es in diesem Land selber gar keine Anschläge gab», wie Amin resigniert festhält.

Mehr Unterstützung durch Reisebüros wäre wünschenswert

Dass die Azoren gut laufen, hat damit zu tun, dass Amin Travel damit ein spannendes Nischenprodukt mit vergleichsweise wenig Konkurrenz bedient. Das führe zu einem grossen Anteil an Kunden, welche direkt bei Amin Travel landen. «Viele Interessenten finden uns online und suchen dann Kontakt zu uns», erklärt Amin, der nichts davon hält, die Angebote auf der Firmen-Webseite buchbar zu machen: «Der direkte Kontakt ist wichtig und wir versuchen, jede Anfrage mit einem persönlichen Telefonat zu ergänzen. Das verbessert die Qualität der massgeschneiderten Offerte und schafft Bindung zum Kunden.» Amin belegt dies mit einem Beispiel, als ein Kunde ins Büro kam, welcher erklärte, er wolle zuerst mal die Firma und die Mitarbeitenden sehen, bevor er buche. Der Kunde habe dann auch ein schönes Dossier gebucht.

Heute ist es so, dass Amin Travel rund 80 Prozent des Umsatzes im Direktverkauf erzielt; lediglich etwa 20 Prozent kommt über Reisebüros herein. Natürlich ist man als «ungebundener» Reiseveranstalter nicht immer zuvorderst im Regal; Amin ortet das Problem aber auch an einem anderen Ort: In vielen Reisebüros sei wenig Kenntnis der Azoren oder Kapverden vorhanden. Auch in Portugal ist Amin Travel vor allem auf unbekanntere Gebiete spezialisiert. «Regionen wie der Alentejo mit der Costa Vicentina sind wenig bekannt, aber für Kultur- und Naturliebhaber wahnsinnig spannend», erklärt Amin, «und dort gibt es auch ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis, was im Sommer an Zielen der Algarve leider oft nicht mehr der Fall ist.» Ein Glücksfall sei natürlich auch, dass Portugal und seine Inseln immer besser von Airlines erschlossen sind. Porto etwa wird bereits von Swiss, TAP Air Portugal, Vueling und Easyjet ab der Schweiz angeflogen. Das schafft natürlich Bewusstsein für diese Ferienregionen.

Die Kundenzufriedenheit sei bei Amin Travel extrem hoch, weil eben in weniger bekannten, sprich weniger überlaufenen Gegenden zu vernünftigen Preisen schöne Ferien gebucht werden können. «Unsere Kundschaft setzt sich aus Menschen aller Altersgruppen zusammen», freut sich Amin, «wir haben auch 20-jährige Kunden, womit bewiesen ist, dass nicht alles online gebucht wird und die Jungen nicht immer nur aufregende Städte besuchen wollen». Einen Nachteil hat das Anbieten eher weniger bekannter Gegenden dann aber schon: Die Hotelkontingente sind jeweils früh ausgeschöpft. Amin empfiehlt jenen, die den Sommer auf den Azoren verbringen wollen, bereits im November des Vorjahres zu buchen, damit es keine bösen Überraschungen gebe. Er weist allerdings auch darauf hin, dass man die Azoren durchaus ganzjährig bereisen könne: «Im Winter ist es tagsüber 15-20 Grad warm.»

Reinvestition ins Personal

Amin spricht über «seine» Ziele voller Leidenschaft. Ein Ausbau sei derzeit denn auch kein Thema, weder im Angebot noch etwa in andere Sprachräume wie die Romandie. «Wachstum um jeden Preis ist nicht unser Ziel», erklärt er, «sondern eine weitere Vertiefung und Verbesserung unseres Angebots.» Gerne würde er beispielsweise die aktuellen Flyer zu den Kapverden oder zu Jordanien zu kompletten Katalogen ausbauen. Bei Letzterem ist dies zurzeit nicht aktuell, bei Ersterem möglicherweise schon.

Primär werden die Gewinne jedoch in den Ausbau von Personal reinvestiert. Nebst Reto Amin gehören aktuell Produktmanagerin Jasmina Kulas, das Sales-Team mit Annina Landös, Janine Feurer, Joshua John und Corinne Bommeli sowie Amins Eltern zum aktuellen Team - Vater und Firmengründer Ahmed Amin hilft beratend und kümmert sich manchmal ums Marketing oder macht eine Reiseleitung. Irgendwie gehört auch ein stattlicher Ficus zum Team; Amin hat die Pflanze aus den früheren Reisebaumeister-Büros, wo er bei Skytours und Falcontravel die Lehre absolvierte, ehe er in die elterliche Firma eintrat. Diese Pflanze steht für Beständigkeit.

Fehlt also noch eine Person, welche das Amin-Team ab August komplettieren soll. «Wir werden schon noch jemanden finden», ist Amin überzeugt. Merke: Es liegt ein spannender Job bei einem Familienunternehmen im Herzen Zürichs offen...

(JCR)