Reiseanbieter
Kommentar Back to the future
Gregor WaserDiese Woche hat es bei Kuoni Reisen in sich. Am Dienstag gab das Reiseunternehmen eine Umfirmierung bekannt in DER Touristik Suisse. Am Mittwoch äusserte sich das Management über den aktuellen Kurs, die Baustellen und die neuen Produktionsabläufe. Und heute zieht ein erstes Drittel der Firma nach Altstetten um an den neuen Hauptsitz.
CEO Dieter Zümpel hat es in seinen ersten acht Monaten geschafft, die Kosten massiv runterzufahren – jeder Stein wurde umgedreht –, bei den Mitarbeitern Vertrauen zu schaffen und das Unternehmen zu stabilisieren. Der vorgegebene 3-Jahres-Plan werde auf plus/minus 500'000 Franken eingehalten, sagte diese Woche Dieter Zümpel. Doch er räumte auch ein: um zu alter Stärke zurückzukehren, müssen nun auch die Umsätze wieder stimmen.
Das ist noch nicht der Fall. Zwar performen die Spezialisten gut – ausser Manta Reisen, wobei dies selbst verschuldet ist, aufgrund des erzwungenen Systemwechsels auf Phoenix Unlimited und der internen Konkurrenzierung durch einen neuen Kuoni-Katalog «Indischer Ozean». Auch Helvetic Tours und Kuoni verzeichnen laut Zümpel wieder ein Wachstum. Doch noch wartet DER Touristik Suisse auf die grosse Buchungswelle. Die Systemprobleme bei Phoenix Unlimited haben Kuoni und Manta in den letzten Monaten erheblich gelähmt und dienten nicht dazu, Agenten zurückzuholen. Die Systemperfomance hat sich zwar nun wieder verbessert – ausser für Karibik-Buchungen, wie man hört –, doch ab dem 4. August, wenn dann alle neuen Winter-Kataloge vorliegen und die Webseite kuoni.ch einen Relaunch erfahren hat, soll die Post abgehen.
Nicht ohne ein stabiles System
Doch kehren die Reisebüros und Kunden über Nacht zu Kuoni zurück? Es bestehen Zweifel. Viele Agenten haben sich fürs laufende Jahr für andere Leitveranstalter entschieden und wollen dort so hohe Umsatzstufen wie möglich erreichen. Und etliche Kunden liessen sich durch die vielen Kuoni-Group-Schlagzeilen, für die Kuoni Reisen nichts konnte, der letzten zwei Jahre verunsichern.
Dieser Effekt ist vom Tisch. Die Kuoni Group besteht in Kürze nur noch aus dem gut laufenden Visageschäft. Zudem sorgt nun die Umfirmierung bei Kuoni Reisen für eine Entflechtung zur Group. Positiv ist: Kuoni ist gemäss einer Market-Agent-Umfrage weiterhin eine der bekanntesten Marken der Schweiz und verzeichnet 92 Prozent Bekanntheit und 97 Prozent der Befragten ordnen Kuoni der richtigen Branche zu – das sind weiterhin Traumwerte.
Positiv sei laut den Kuoni-Verantwortlichen, dass mit dem Kuoni-Team in Frankfurt ein starkes Portfolio zusammenkomme. Mit dem Team in Frankfurt sitze Kuoni in der ersten Reihe und werde von der Zentrale nicht als kleiner Quellmarkt übersehen. Ob dieser Umstand in vernetzten Zeiten wirklich so entscheidend ist, bleibt dahingestellt.
Der Befreiungsschlag muss DER Touristik Suisse nun aber mit der Rückgewinnung der Agenten gelingen. Bei den Kommissionsstufen wurde schon einiges versucht, etwa den 10 Prozent Kommission ab der ersten Buchung. Doch nun gehts um ein funktionierendes Buchungssystem, um den Agenten beim Buchungsprozess wieder Preisstabilität und Verfügbarkeiten zu garantieren. Wenn das klappt, dürfte auch die Charmeoffensive ein Erfolg werden: am 25. August sind Partner und Agenten an den neuen Hauptsitz zu einem Fest eingeladen.