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Nach über 20 Jahren wird Travelhouse zu Grabe getragen – zumindest symbolisch: Das Ende der Spezialistenmarke weckt bei vielen ehemaligen Mitarbeitenden grosse Emotionen. Bild: TN / KI

Abschied mit Herzschmerz: So schwelgt die Travelhouse-Familie in Erinnerungen

Reto Suter

Travelhouse ist Geschichte. Das Ende der traditionsreichen Spezialistenmarke geht vielen in der Schweizer Reisebranche unter die Haut. Fünf ehemalige Führungspersönlichkeiten blicken zurück auf bewegte Jahre, unvergessliche Erlebnisse und eine Marke, die für sie deutlich mehr war als nur ein Arbeitgeber.

Eine Ära in der Schweizer Reisebranche ist zu Ende: Seit vergangenem Samstag (31. Oktober 2026) ist Travelhouse offiziell Geschichte. Die Wurzeln der Spezialistenmarke reichen bis 1981 zurück, als die Reisebaumeister-Gruppe gegründet wurde.

Anfang 2005 erhielt sie den Namen Travelhouse, 2006 folgte die Übernahme durch Hotelplan. Nun ist die Marke im Zuge der Neuorganisation im Markenuniversum von Dertour Suisse verschwunden.

Das Ende löst grosse Emotionen aus: Auf Linkedin nehmen zahlreiche Mitarbeitende wehmütig Abschied, schwelgen in Erinnerungen und lassen die gemeinsame Zeit nochmals aufleben.

Travelnews hat mit fünf langjährigen ehemaligen Leadern von Travelhouse gesprochen, die auf ihre Zeit zurückblicken und erzählen, was die Spezialistenmarke für sie so besonders machte.

Fabio Di Canio, ehemaliger Co-Leiter Travelhouse

Über zwölf Jahre war Fabio Di Canio für Travelhouse tätig, zuletzt als Co-Leiter. Entsprechend nahe geht ihm das Ende der Marke. «Travelhouse war für mich mehr als ein Arbeitgeber», sagt er.

Sehr beeindruckt hat ihn der Zusammenhalt während der turbulenten letzten Monate. Seit der Ankündigung des Verkaufs durch die Migros hätten Unsicherheit und Belastung den Alltag geprägt. «Dass wir diese Zeit so solide und mit gutem Teamgeist überstanden haben, verdanke ich dem unermüdlichen Einsatz der Menschen.»

Das Fachwissen, die Leidenschaft für Destinationen und die persönliche Beratung hätten Travelhouse ausgezeichnet. «Kultur ist kein weicher Faktor. In unsicheren Zeiten hält sie ein Team zusammen», betont er. Der Abschied schmerzt ihn. Eine Marke sei für Mitarbeitende ein Anker. «Ich bin dankbar für die gemeinsame Zeit und stolz auf das, was die Teams geleistet haben.»

Was verliert die Schweizer Reisebranche? Einen Spezialisten, der bewiesen habe, dass persönliche Beratung auch im digitalen Zeitalter Vertrauen und Buchungen schafft. Zwar bleibe das Können vieler ehemaliger Mitarbeitender der Branche erhalten. Doch gewachsene Teams liessen sich nicht einfach ersetzen. Di Canio bringt es auf den Punkt: «Fachwissen lässt sich nicht übernehmen wie ein Inventar. Man muss ihm Sorge tragen, sonst verliert man es.»


Kurt Eberhard, Co-Präsident der TPS

Für Kurt Eberhard, der acht Jahre für Hotelplan Suisse tätig war, davon vier als CEO, ist das Ende von Travelhouse ein Einschnitt. «Travelhouse war für mich persönlich prägend», sagt er. Besonders in Erinnerung geblieben seien ihm die Menschen mit ihrem Herzblut für die Destinationen und ihrer Resilienz.

Die Integration der ehemaligen Reisebaumeister-Marken in den Hotelplan-Konzern sei anspruchsvoll gewesen. Zusammengelegte Abteilungen und die Migration auf das System Mythos hätten den Mitarbeitenden viel abverlangt.

Bei der Frage nach der Verantwortung für das Aus wird Eberhard deutlich: «Es scheint mir wichtig, festzuhalten, dass es nicht die Schuld der Mitarbeitenden von Travelhouse ist, dass es die Marke nicht mehr gibt.» Diese hätten nichts falsch gemacht. «Wenn es überhaupt Schuldige zu benennen gäbe, wären diese wohl eher am Limmatplatz als in Altstetten zu verorten.»

Dass Dertour auf seine etablierten Spezialistenmarken setzt, kann Eberhard nachvollziehen. Dennoch: «Mit dem Verschwinden von Travelhouse geht ein prägendes Kapitel im Schweizer Outgoing-Tourismus zu Ende.» Was der Branche fehlen werde, müsse der Markt zeigen. Für bestehende Konkurrenten und neue Spezialisten können sich laut Eberhard dadurch Chancen eröffnen.


Sandra Räber, Dozentin und Reiseleiterin

Für Sandra Räber, die insgesamt rund neun Jahre für das Unternehmen tätig war, ist das Ende ein emotionaler Moment. «Wir waren alle mit Herzblut dabei», erinnert sie sich. Es seien neben guten Produkten vor allem die Menschen gewesen, die Travelhouse ausgezeichnet hätten – mit der Leidenschaft, Reisen zu gestalten und zu verkaufen.

Bis heute pflegt Räber zahlreiche Kontakte zu ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. «Wir haben viel gearbeitet, wir haben viel gelacht», erzählt sie.

Wenn etwas nicht funktioniert habe, sei zwischendurch auch einmal kräftig geflucht worden. Gerade diese gemeinsamen Erlebnisse hätten starke Bindungen geschaffen. Mit mehr als einer Handvoll ehemaliger Weggefährten sei sie noch immer eng verbunden.

Dass die Marke nun verschwindet, stimmt Räber wehmütig. Gleichzeitig kann sie den Entscheid aus strategischer Sicht nachvollziehen. Bedauerlich findet sie vor allem die Folgen für die Kundschaft: Mit Travelhouse verschwinde ein weiterer Anbieter, die Auswahl auf dem Schweizer Reisemarkt werde kleiner. «Konkurrenz belebt das Geschäft», sagt sie. Deshalb sei es schade, dass nun wieder ein Player wegfalle.


Christoph Infanger, Eurobus

Christoph Infanger hat die Geschichte von Travelhouse unter dem Dach von Hotelplan von Anfang an miterlebt. Erst Anfang 2026 verliess er das Unternehmen. Entsprechend viele Erinnerungen verbindet er mit der Spezialistenmarke.

«Travelhouse war für mich ein Ort, an dem ich meine Leidenschaft für das Reisen und insbesondere für Asien täglich leben durfte», erzählt er. Gemeinsam mit den Teams, Reisebüros und Partnern vor Ort besondere Reiseerlebnisse zu ermöglichen, habe ihm grosse Freude bereitet. Aus der Zusammenarbeit seien über die Jahre weit mehr als reine Arbeitsbeziehungen entstanden.

Das Ende der Marke stimmt ihn wehmütig. «Die Mitarbeitenden haben über Jahre hinweg viel Herzblut in die Weiterentwicklung von Travelhouse investiert», sagt Infanger. Besonders beeindruckt hätten ihn der starke Zusammenhalt und die gemeinsamen Ziele. «Diese Zeit hat mich sowohl fachlich als auch persönlich nachhaltig geprägt.»

Mit Travelhouse verschwinde eine Marke, die für Leidenschaft, Vielfalt und Spezialisierung gestanden habe. Zwar blieben viele Menschen und ihr Know-how der Reisebranche erhalten, andere würden jedoch neue Wege einschlagen. «Damit geht auch ein Stück Branchenvielfalt und ein Teil der Schweizer Reisegeschichte verloren.»

Bei aller Wehmut überwiegt für Infanger die Dankbarkeit: «Für mich persönlich ist es schön, auf die gemeinsame Zeit zurückblicken und ein Teil dieser Geschichte gewesen zu sein.»


Pino Andreano, Ten Lifestyle Group

Viele Jahre war Pino Andreano für Travelhouse tätig, bevor er das Unternehmen im Sommer 2020 verliess. Die Zeit bei der Spezialistenmarke hat tiefe Spuren hinterlassen. «Vieles von dem, was ich heute beruflich bin und wofür ich stehe, hat dort seinen Ursprung», sagt er.

Travelhouse habe ihm zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet und seinen Anspruch an Qualität und Service geprägt. Noch wichtiger seien für ihn aber die Menschen gewesen: ihre Leidenschaft fürs Reisen, ihr enormes Destinationswissen und ihre Begeisterung, die sie an andere weitergegeben hätten.

Das Ende der Marke betrachtet Andreano weniger mit Wehmut als mit Dankbarkeit. «Dankbarkeit für die Erfahrungen, die Begegnungen, die Herausforderungen und natürlich auch die Erfolge», so Andreano. Natürlich sei es ein bewegender Moment, wenn eine Marke verschwinde, die ihn über Jahre begleitet habe. Doch die Erinnerungen blieben.

Für die Schweizer Reisebranche bedeutet das Aus aus seiner Sicht einen grossen Verlust. «Es verschwindet auch ein Stück Reisekultur, geprägt von grossem Destinationswissen, persönlicher Beratung und echter Leidenschaft fürs Reisen.»

Entscheidend seien stets die Menschen hinter der Marke gewesen. Sie hätten Travelhouse seine unverwechselbare Persönlichkeit verliehen. Andreano ist überzeugt: «Dieser Spirit wird der Schweizer Reisebranche fehlen.»