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Wird der Fall Unister zum Wirtschaftskrimi?
Seit dem Absturz der Kleinmaschine des Selfmade-Millionärs und Gründer des Leipziger Internetunternehmens Unister, Thomas Wagner, reissen die Meldungen um Betrugsgeschäfte und Insolvenzen von Tochterunternehmen nicht ab. Offenbar reiste Wagner nach Venedig, um ein Finanzgeschäft abzuwickeln: Dabei soll es sich laut Focus um ein sogenanntes Rip-Deal-Geschäft gehandelt haben, wobei vermeintlich seriöse Geschäftsleute den Opfern hohe Geldbeträge in Aussicht stellen, als Art „Sicherheitsleistung“ aber eine Vorauszahlung – in Fall von Wagner 1,5 Millionen Euro – verlangen. Die 1,5 Millionen übergab Wagner dem als israelischer Geschäftsmann auftretenden Mittelsmann. Dieser sollte Wagner offenbar im Gegenzu 12 Millionen Euro leihen. Er übergab Wagner dann auch einen Koffer mit 10‘000 Schweizer Franken – aber erst auf dem Weg zum Flughafen soll der Unister-CEO bemerkt haben, dass nur die obersten Scheine echt waren.
Auf dem Rückflug nach Leipzig stürzte die einmotorige Maschine mit Firmengründer und Unister-Hauptanteilseigner Wagner (38), dem Mitgesellschafter Oliver Schilling (39), einem 65-jährigen Mann, bei dem es sich um den Vermittler des Finanzgeschäfts handeln könnte sowie dem 73-Jährigen Pilot ab. Absturzursache könnte die Vereisung des Flugzeugs gewesen sein – die Privatmaschine soll gemäss slowenischen Medien deutlich über der üblichen Flughöhe von 5000 Metern unterwegs gewesen sein. Die Untersuchungen des Wracks dauern noch an.
Vier Insolvenzen
Anfangs Woche meldete die Holding dann Insolvenz an, nur kurz darauf traf es auch drei Tochterunternehmen. Betroffen sind die Unister Travel Betriebsgesellschaft, die Unister GmbH , die die Portale fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de betreibt sowie U-Deals.
Dabei stehen rund 14'000 Kunden, die Reisegutscheine von Marken wie Ab-in-den-Urlaub.de vor dem 20. Juli 2016 erworben haben vor Problemen: Ihre Gutscheine würden von Vertragspartnern vor Ort möglicherweise nicht anerkannt, erklärte Flöther. Die bereits geleisteten Zahlungen gehörten laut Insolvenzrecht in die Insolvenzmasse.
Kunden, die solche Gutscheine für Reisen und Hotelaufenthalte mit frei wählbarem Anreisedatum nach dem 20. Juli gekauft hätten, seien nicht betroffen. Reiseportale der Unister-Unternehmensgruppe würden als Konsequenz daraus ab sofort nicht mehr als Anbieter, sondern nur noch als Reisevermittler auftreten. Schon seit Jahren wird über wirtschaftliche Schwierigkeiten der Holding spekuliert. Die letzte veröffentlichte Bilanz stammt aus dem Jahr 2011. Wagner war alleiniger Geschäftsführer und gründete Unister als 23-Jähriger. Ursprünglich war Unister eine Studententauschbörse. Mitllerweile gehören mehere Firmen zur Unister Holding GmbH. Alle zusammen betreiben über 40 Internetportale zu den Themen Reisen, Nachrichten, Immobilien und Partnervermittlung. Mehr als 1000 Mitarbeitende sind für die Gruppe tätig.
Letztes Jahr war dann von Stellenstreichungen die Rede, 30 Millionen Euro pro Jahr sollten eingespart werden. Bis heute wurde kein expliziter Insolvenzgrund wie etwa Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung genannt. Insolvenzverwalter Lucas Flöther soll den Internetkonzern retten. Es hätten sich bereits einige potenzieller Investoren gemeldet, die sich für das Unternehmen als Ganzes oder für Teile interessierten. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht.