Reiseanbieter

Lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen: Tui-Chef Friedrich Joussen. Bild: Tui.

Tui-Chef: Trotz Brexit zuversichtlich

Fritz Joussen will den operativen Gewinn der Tui-Gruppe in diesem Jahr gar um 10 Prozent steigern.

Für die Briten könnten Ferienreisen ins Ausland nach der Brexit-Entscheidung zwar teurer werden, doch Tui-Chef Friedrich Joussen erwartet kaum, dass Tui dadurch nennenswert Kunden abhanden kommen: "Ob sich dadurch die Briten ihre sehr ausgeprägte Reiselust nehmen lassen, darf bezweifelt werden", sagte er im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX.

Der Tui-Konzern weist in seiner Stellungsnahme zum Brexit daraufhin, dass das professionelle Risikomanagement der TUI Group alle denkbaren Szenarien analysiert habe: "Wir sind gut vorbereitet und zuversichtlich, dass die TUI Group als ein wirklich globales Unternehmen von der Entscheidung nicht signifikant beeinträchtigt wird. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkung die Entscheidung auf die britische Verbraucherstimmung haben wird", schreibt das Unternehmen darin. Die Börsen reagierten heftig auf die Entscheidung der Briten: Aufgrund Kursverfalls des Pfunds war Grossbritannien zeitweise nicht mehr die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt. Die britische Währung fiel am Morgen auf den tiefsten Wert seit 1985, wie London Economics berichtete.

Doch weder dies noch die halbleeren Hotels an der türkischen Riviera bringen Joussen aus der Ruhe, er setzt auf Spanien: "Die Kapazitäten in Spanien sind vollständig ausgelastet, jetzt zahlt sich unser integriertes Geschäftsmodell mit eigenen Hotels, Flugverbindungen und Vertriebskanälen voll aus", sagte der Chef des Reisekonzerns. 

"Trotz der Herausforderungen wollen wir unseren operativen Gewinn in diesem Jahr um mindestens zehn Prozent steigern." Tui ist mit eigenen Hotels auf dem spanischen Festland, den Kanaren und den Balearen stark vertreten. "Bei unseren Riu-Hotels war die Nachfrage im Winterhalbjahr so hoch, dass es keine Rabatte gab", sagte Joussen.

"Die erzielten Preise lagen dadurch gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent höher. Das wird sich im Sommer kaum ändern", zeigte er sich überzeugt.

Türkei: Last-Minute-Ziel im Sommer

Im Winter hatte Tui viele Gäste, die sonst in Ägypten oder in Tunesien Ferien machen, etwa auf die Kanaren gebracht. "Wir haben auf den Flugzeugabsturz über dem Sinai direkt reagiert", sagte Joussen.

Inwieweit die Türkei den bisherigen Buchungseinbruch in diesem Jahr noch wettmachen kann, vermag Joussen nicht vorauszusagen. Die Kunden wüssten, dass sie auch noch kurzfristig ein Zimmer bekämen. "Die Türkei wird sehr wahrscheinlich das Last-Minute-Ziel in diesem Sommer." Bei Tui lägen die Türkei-Buchungen weiterhin rund 40 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Nach zwei Millionen Türkei-Gästen im Vorjahr dürfte Tui dieses Mal nur rund eine Million in das Land bringen, schätzt Joussen.


Nichtsdestotrotz: In diesem und den kommenden beiden Geschäftsjahren (bis Ende September) will Joussen den um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (EBITA) weiterhin um mindestens 10 Prozent steigern. Im Geschäftsjahr 2014/15 hatte Tui mit 1,1 Milliarden Euro erstmals die Milliardengrenze überschritten.

(AWP)