Reiseanbieter
Die Schulden werden ein Thema
Stefan WaldvogelAm Dienstag gab die EU-Kommission grünes Licht für die Übernahme des europäischen Reiseveranstaltergeschäfts von Kuoni durch den deutschen Rewe-Konzern. Das half der Aktie allerdings nichts, im Gegenteil verlor das Kuoni-Papier zeitweise nochmals fast 9 Prozent an Wert. Bis am Abend lag das Minus immer noch bei hohen 6 Prozent und das “Trauerspiel” (Finanz+Wirtschaft) geht fast ungebremst weiter. Der Kuoni-Kurs sackte am Mittwoch zeitweise auf 186 Franken, so tief wie seit 13 Jahren nicht mehr.
Offenbar wirkt die “Klarstellung” punkto Schulden vom Montag noch nach. Zunächst war die Reaktion verhalten, mittlerweile werden die Ende Jahr erwarteten 200 bis 250 Millionen Franken Netto-Schulden bei den Analysten mehr und mehr zum Thema. “Noch im Juni hiess es, aufgrund des Verkaufes der Outbound-Einheiten sei Ende Jahr ein Nettobarmittelbestand zu erwarten, nun ist es plötzlich eine Nettoverschuldung, das ist sicher nicht vertrauensfördernd”, kommentiert ZKB-Analyst Marco Strittmatter. Die Banken seien bei ihren Kreditverträgen klare Klauseln vor: So darf das Eigenkapital eigentlich nicht unter 500 Millionen Franken sinken, zudem sollen die Schulden nicht höher sein als 2.75 Mal der erwirtschafte Ertrag (Ebitda).
Strittmatter rechnet etwa neu per Ende Dezember mit einer Nettoverschuldung von 256 Millionen Franken sowie mit einem Ebitda von 101 Millionen Franken für dieses Jahr. Damit betrüge das Verhältnis 2,53 und würde nur knapp im Rahmen des Erlaubten liegen.
Auch die Eigenkapitalquote, die im ersten Halbjahr von 32,2 auf 18,5% sank, ist nicht mehr so gross. So spekuliert die Finanz+Wirtschaft in der heutigen Ausgabe bereits über eine mögliche Kapitalerhöhung. “Vor diesem Hintergrund stellt der Markt, wo an Kuonis Führung gezweifelt wird, schon erste Gedanken an, ob eine Kapitalerhöhung nahen könnte. Solch ein Schritt wäre ein Schock für die Anleger — und könnte für Kuoni endgültig alles ändern: Der Hauptaktionär, die Kuoni und Hugentobler-Stiftung, wäre kaum in der Lage, eine Kapitalerhöhung mitzumachen.“ So kommt die F+W zum klaren Fazit: Von einem Kauf der Aktien ist abzuraten.