Rail & Road

Neues Bahn-Fiasko in Grossbritannien

Ben West

Wegen eines Verspätungs-Fiaskos im Zusammenhang mit einer Multimilliarden Pfund teuren Bestellung für neue Züge, muss die Britische Regierung möglicherweise hohe Zusatzzahlungen machen.

Die Kosten laufen der Britischen Regierung aus dem Ruder. 21 neue elektrische Züge müssen sowohl mit Diesel- als auch mit Elektro-Motoren ausgerüstet werden, weil die Schienen, die sie auf der legendären Great Western Main Line zwischen London und Wales benötigen, nicht rechtzeitig fertig werden. Die Züge, die 2012 geordert wurden, werden in Japan hergestellt, in Nordost-England zusammengesetzt und sollen ab Februar 2018 einsatzbereit sein.

Diese Entwicklung bringt immer grösser werdende Probleme für die staatliche Network Rail mit sich, die für das Projekt verantwortlich ist. Die Kosten für die Elektrifizierung der Great Western Line sind nämlich regelrecht explodiert. Ging man 2011 noch von 548 Millionen Pfund (821 Millionen Franken) aus, werden die Kosten heute auf 2,5 Milliarden Pfund (3,74 Milliarden Franken) oder mehr geschätzt. Die Linie sollte ursprünglich bis Ende 2017 fertig gestellt werden, ein Zeithorizont, der nicht eingehalten werden kann. Beim Projekt handelt es sich um die grössten Renovierungs-Arbeiten, seit die Bahnlinie in den 1840er Jahren gebaut wurde.

Über 150 Meilen Schienen werden mit elektrischen Oberleitungen ausgerüstet. Um dies zu ermöglichen, müssen Hunderte von Brücken angehoben werden, und der Box Tunnel in Wiltshire musste gar in seiner ganzen Länge abgesenkt werden.

Die Probleme sind so gross, dass das Büro der Schiene und Strasse (ORR), die Ombuds-Stelle für den Bahnverkehr, erklärte, Network Rail habe offiziell die Lizenz zur Leitung des Britischen Bahnnetzes verspielt.

Network Rail sieht sich darüber hinaus mit einer ganzen Reihe weiterer Schwierigkeiten konfrontiert, weil es auch bei anderen Verbesserungsprogrammen Verspätungen und Zeitüberschreitungen gibt. Laut dem ORR hat das Unternehmen 30 seiner Projekt-Zielsetzungen nicht erreicht, unter anderem gibt es auch Verspätungen bei grossen Verbesserungsmassnahmen auf der Midland Mainline und den TransPennine-Routen. Das ORR wirft  Network Rail daher «systemische Schwächen» in der Operation vor.

Die eskalierenden Kosten und Verspätungen könnten sogar andere Bahn-Bau-Projekte gefährden. An einem Meeting des Britischen Haushaltsausschusses (Public Accounts Committee) wurden Mark Carne, der CEO von Network Rail, und Richard Price, der CEO von ORR, scharf kritisiert. Einige Parlamentsmitglieder fragten Price, weshalb er noch nicht zurückgetreten sei. «Es ist nicht zu glauben und völlig unakzeptabel, dass so schlecht geplant wurde und es nun solche Schwierigkeiten gibt», sagte Meg Hillier, die Vorsitzende des Komitees.