Rail & Road
Fernbus-Offensive: SBB halten mit Komfort und kurzer Reisezeit dagegen
Olivia RathsBusunternehmen pflügen den europäischen Fernverkehr um, seit vor drei Jahren der Fernbusmarkt in Deutschland liberalisiert wurde. Dies geht vor allem zulasten der Bahn. Paradebeispiel aus Schweizer Sicht ist die Strecke Zürich–München, auf der Anbieter wie MeinFernbus Flixbus aus Deutschland den SBB und der Deutschen Bahn (DB) viele Passagiere weggeschnappt haben — darunter auch zahlreiche Geschäftsreisende. So lancierten SBB und DB auf dieser Strecke zusätzlich zu ihren Zugs- auch eigene Fernbusverbindungen.
Per 1. August wurde nun auch der Fernbusmarkt in Frankreich liberalisiert. Das hat auch Auswirkungen auf die Schweiz: MeinFernbus Flixbus fährt seit Kurzem von Genf nach Paris und von Basel nach Lyon, Kostenpunkt jeweils ab 9 Euro pro Weg. Voraussichtlich noch 2015 wird auch die Strecke Zürich–Basel–Offenburg–Paris in Betrieb gehen. Wann genau, sei wegen laufender Genehmigungsverfahren noch nicht bekannt, sagt Sprecherin Marie Gloystein auf Anfrage.
SBB nehmen Konkurrenz «sehr ernst»
MeinFernbus Flixbus wird also die Gesellschaft TGV Lyria konkurrenzieren, die von den SBB und der französischen Staatsbahn SNCF betrieben wird. «Wir nehmen diese Angebote sehr ernst», sagte SBB-Chef Andreas Meyer jüngst zur «Sonntagszeitung». Die SBB seien jedoch mit ihren Sparbilletten «auf vielen Strecken absolut konkurrenzfähig». «Wir konzentrieren uns auf Tagesverbindungen in europäische Städte, die ab Schweizer Grenze innert vier bis sechs Stunden erreicht werden können», ergänzt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage. Dort sei die Bahn bezüglich Komfort und Reisezeit hoch attraktiv.
Über Fahrtdauer und Fahrpreise auf der Strecke Zürich–Paris kann MeinFernbus Flixbus noch keine Auskunft geben. Laut Google Maps dürfte die (staufreie) Busfahrt inklusive Haltezeiten in Basel und Offenburg etwa acht Stunden dauern, während es im Zug gut vier Stunden sind. Die momentan buchbare Reise im Bus – Reisende ab Zürich müssen vorerst noch im deutschen Freiburg umsteigen und brauchen total zwölf Stunden bis Paris – kostet 36 Franken pro Person und Weg. Zugspassagiere bezahlen 155 Franken in der zweiten Klasse ohne Halbtax-Abo (mit Halbtax 148 Franken).
Für eine weitere Schweiz-Strecke greift MeinFernbus Flixbus in die Trickkiste: Ab dem 3. Oktober bedienen die grünen Busse die Strecke Lörrach–Weil–Basel–Winterthur–St. Gallen–München. Weil diese in Deutschland gleich gegenüber von Basel startet, umgeht der Anbieter das Verbot von rein innerschweizerischen Fahrten. Basler Passagiere können leicht in Lörrach oder Weil in den Bus steigen und so viel günstiger als mit dem Zug in die Ostschweiz fahren. «Wir nehmen das zur Kenntnis», meint Sprecher Pallecchi. Das sogenannte Kabotageverbot werde hier nicht tangiert.
ÖBB wollen mehr Busse anbieten
Auch in Österreich sind Fernbusse im Aufwind. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) lassen dies nicht auf sich sitzen. «Wir bereiten den Einstieg in den Fernbusmarkt vor», sagte ÖBB-Sprecherin Sonja Horner zum Newsportal «Format.at». An der Aufsichtsratssitzung vom 6. Oktober sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Ganz neu sind die ÖBB-Busse allerdings nicht: Sie sind schon heute auf den Strecken Graz–Klagenfurt und Klagenfurt–Venedig unterwegs.
Wie ihre Österreicher Bahnkollegen mehrere Fernbusstrecken anzubieten, planen die SBB «vorläufig» nicht, wie Pallecchi sagt. Momentan ist Zürich–München die einzige Strecke, die die SBB sowohl mit Zügen als auch mit Bussen bedient. Man beobachte die Entwicklungen jedoch aufmerksam. «Überall, wo die Kombination von Bus- und Bahnangeboten für die Kunden vorteilhaft ist, prüfen die SBB entsprechend neue Angebote.»