Rail & Road
Einwurf Fertig getrickst, ihr Taxifahrer!
Roland ZellerAls Vielreisender kennt man das: Kaum hat man bei der Ankunft am Zielflughafen die Zollschranke passiert, wird man von mehr oder weniger seriösen Anbietern bedrängt, die einem ins Stadtzentrum fahren wollen. Viele Flughäfen und Stadtverwaltungen versuchen dabei, das Taxiwesen zu regulieren und Fixpreise für die Fahrt zwischen Flughafen und Stadtzentrum festzulegen.
So kostet zum Beispiel ein Yellow-Cab zwischen dem New Yorker Flughafen JFK und Manhattan fix 52 Dollar plus ein paar Dollar Strassengebühren. Dennoch wird bei offensichtlichen Touristen oft versucht, zu tricksen — entweder will der Taxifahrer plötzlich noch einen Zuschlag für die Koffer oder drückt bei der Ankunft im Stadtzentrum auf einen Knopf am Taxameter, so dass plötzlich ein fiktiver Flughafenzuschlag, der automatisch zum Fixpreis addiert wird, erscheint. Meistens löst sich dann meine Bereitschaft, den Betrag mit einem Trinkgeld grosszügig aufzurunden in Luft auf — denn ich brauche ja sowieso Kleingeld...
Ich will als Tourist einfach nicht abgezockt und veräppelt werden.
Neulich hat ein Taxifahrer in Sankt Petersburg meine Stimmung endgültig kippen lassen: Kaum an der Eremitage eingestiegen, zeigte das Taxameter nach rund 300 Metern Fahrt bereits über zehn Franken an — die gesamte Sechs-Kilometer-Fahrt zu meinem Hotel hatte am Vortag weniger gekostet. Ich liess den Taxifahrer umgehend anhalten und stieg verärgert aus. Mit wenigen Klicks bestellte ich über Uber ein Auto, das nach fünf bis sechs Minuten vor Ort war. Das Uber-Auto war im Gegensatz zur offiziellen Konkurrenz nicht nur piekfein sauber, sondern mit etwas mehr als fünf Franken auch extrem günstig. Dabei ist mir der Preis nicht mal so wichtig — aber ganz ehrlich, ich will als Tourist einfach nicht abgezockt und veräppelt werden. Von da an nutzte ich während meinem ganzen Russland-Aufenthalt in Sankt Petersburg und Moskau generell nur Uber und war begeistert.
Ich bin mir bewusst, dass bei Diensten wie Uber und Lyft längstens nicht alles perfekt ist — es wird auf die Dauer nicht funktionieren, dass sich Uber & Co um Versicherungen und Lizenzen foutieren und ihre Fahrer schlecht bezahlen, da müssen gleiche Bedingungen her, wie sie für die offiziellen Taxis auch gelten. Aber Uber hat den gewaltigen Vorteil, dass Betrügereien praktisch ausgeschlossen sind und eine User-basierte Qualitätskontrolle stattfindet. Die Uber-App erleichtert zudem die Kommunikation mit dem Fahrer, da man den Start- und Zielort klar auf Google Maps eingeben kann — gerade in Ländern mit anderen Schriftzeichen ein grosses Plus!
Die Taxifahrer wiederum sollten, anstatt gegen die neue Konkurrenz zu protestieren wie kürzlich in Buenos Aires, die Zeichen der Zeit endlich erkennen, ihre Qualität steigern und schwarze Schafe, die Touristen abzocken, konsequent bestrafen.