Rail & Road

Chipkarte statt Ticket – bald Alltag im öffentlichen Verkehr?

Sensoren und Passagiertracking sollen das Zug- und Busfahren via Chipkarte schon im 2020 möglich machen.

An der Branchentagung «ÖV-Mobilität der Zukunft» waren sich die SBB, BLS und Südostbahn einig: Das ÖV-Fahren mit klassischen Tickets ist bald Vergangenheit. Wie die "Berner Zeitung" berichtet, sollen in naher Zukunft alle Züge der SBB sowie die öffentlichen Verkehrsmittel mit Sensoren ausgerüstet werden, die jeden einzelnen Ein- und Ausstieg registrieren. Ein sogenanntes Bibo-System: be in, be out.

Um die Preise korrekt berechnen zu können, sei es laut Jeannine Pilloud, Chefin Personenverkehr SBB, erforderlich, die Fahrten der Passagiere zurückzuverfolgen. Dafür müsste aber erst die gesetzliche Grundlage geschaffen werde. Vorgesehen sei, dass der Kunde jeweils eine elektronische Abrechnung erhalte, woraus auch hervorgehen würde, wie viel Rabatt er allenfalls erhalte, wenn er beispielsweise im aktuellen Monat für weitere 100 Franken ÖV fahren würde. Ausserdem sei eine Obergrenze geplant: Egal wie oft jemand fahre, er müsste nie mehr bezahlen als jemand, der ein GA habe.

Als Chipkarte soll der Swiss Pass dienen. Das System soll bis spätestens 2025 eingeführt werden, eventuell aber auch schon im Jahr 2020. Die Möglichkeit ein Ticket auf herkömmlichen Weg zu erwerben, soll bestehen bleiben.

Bereits bekannt ist, dass der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) die Billett- und Abopreise auf den nächsten Fahrplanwechsel hin um durchschnittlich drei Prozent erhöhen will. Das Halbtax soll davon nicht betroffen sein. Und auch Einzelfahrten sollen nur geringgradig erhöht werden. Das GA hingegen müsste somit um mehr als drei Prozent aufschlagen, was dem Ziel der Branche — Pendler mehr zur Kasse zu bitten und Freizeitreisende zu entlasten — entsprechen würde.

2017 sollen ausserdem Sparbillette 2.0 eingeführt werden: Vergünstigte Angebote für mehr Strecken. Und auf Ende 2018 plant die Branche, die Preise saisonal und nach Strecke zu unterscheiden — so könnte eine Zugfahrt ins Tessin in den Sommermonaten teurer werden als beispielsweise im Winter.

(TN)