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Die neuen CT-Scanner erlauben zwar mehr Flüssigkeiten im Handgepäck. Für Thermosflaschen gelten jedoch besondere Regeln. Bild: Flughafen Zürich / KI

Kommentar Nicht jeder Ferienfrust ist ein Skandal

Reto Suter

Eine Thermosflasche mit heissem Wasser löst am Flughafen Zürich Ärger aus – und eine Welle der Empörung. Doch der eigentliche Aufreger ist ein anderer: Viele Reisende starten erstaunlich schlecht vorbereitet in die Ferien.

Die Geschichte klingt zunächst nach einem klassischen Fall von übertriebener Bürokratie. Eine Mutter will für ihre 18 Monate alte Tochter heisses Wasser in einer Thermosflasche mitnehmen – und scheitert an der Sicherheitskontrolle am Flughafen Zürich.

Der Ärger ist gross, die Empörung ebenso. Schliesslich wird sie an eine Family Service Station verwiesen, wo sie neues heisses Wasser beziehen könne. Das sei ihr zu umständlich gewesen. Erst eine Mitarbeiterin im Sprüngli-Café hilft aus und füllt die Flasche wieder. Happy End. Nur: Hätte es diesen ganzen Wirbel überhaupt gebraucht?

Fünf Minuten Recherche hätten gereicht

Wer verreist, informiert sich über sein Reiseziel, die Einreisebestimmungen – und idealerweise auch über die Regeln am Flughafen. Dass Thermosflaschen bei den neuen CT-Scannern leer sein müssen, hat der Flughafen Zürich frühzeitig kommuniziert. Zahlreiche Medien, darunter auch Travelnews, haben darüber berichtet. Fünf Minuten Recherche hätten gereicht, um sich Ärger, Diskussionen und Frust zu ersparen.

Der Vorfall steht exemplarisch für ein Phänomen, das sich seit Jahren beobachten lässt. Viele Reisende gehen erstaunlich unvorbereitet in die Ferien. Sie packen den Koffer, fahren zum Flughafen und hoffen, dass alles gut gehen möge. Wenn doch etwas schiefläuft, beginnt sofort die Suche nach einem Schuldigen.

Dabei sind es oft dieselben Klassiker: Der Pass ist abgelaufen, das Visum wurde vergessen, die ESTA-Genehmigung für die USA fehlt, das Handgepäck ist zu gross oder zu schwer, Medikamente dürfen nicht eingeführt werden, oder man trifft so spät am Flughafen ein, dass der Flieger schon ohne einen abgehoben ist.

Nicht jedes Ferienproblem ist fremdverschuldet

Natürlich kann auch der bestorganisierte Ferienstart aus dem Ruder laufen. Streiks, Unwetter oder technische Pannen lassen sich nicht planen. Doch erstaunlich viele Probleme sind hausgemacht. Wer heute verreist, trägt einen Computer mit Internetzugang in der Hosentasche. Noch nie war es einfacher, sich vorab über Einreisebestimmungen, Gepäckregeln oder Sicherheitsvorschriften zu informieren.

Trotzdem scheint sich ein Reflex immer stärker durchzusetzen: Läuft etwas schief, wird zuerst der Flughafen, die Airline oder die Behörde kritisiert. Danach folgt häufig der Gang auf Social Media, wo sich Empörung bekanntlich besonders gut verbreitet. Dass die Regeln längst bekannt waren, wird dabei gerne ausgeblendet.

Die Geschichte mit der Thermosflasche ist deshalb weit mehr als eine Anekdote. Sie zeigt ein Problem, das an Flughäfen täglich zu beobachten ist: Viele Reisende investieren Stunden in die Wahl des perfekten Hotels, lesen Hunderte Bewertungen und vergleichen Flugpreise bis auf den letzten Franken. Für fünf Minuten Vorbereitung auf die Reise selbst reicht die Zeit dann plötzlich nicht mehr.