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Bernd Bauer schreitet ein letztes Mal als CEO über die Schwelle des neuen Edelweiss-Hubs im Circle: Seine berufliche Zukunft liegt ausserhalb der Airline. Bild: TN

«Wir haben alles erreicht und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr»

Marilin Leuthard

Am 30. September ist sein letzter Arbeitstag: Bernd Bauer verlässt die Edelweiss nach zwölf Jahren als CEO. Im Interview mit Travelnews spricht er über sein Erfolgsgeheimnis, die Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre und diesen einen Flug, den er nie vergessen wird.

Zwölf Jahre liegen zwischen der Edelweiss, die Bernd Bauer 2014 als CEO übernahm, und der Airline, die er nun seinem Nachfolger übergibt. Aus einem Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitenden und etwa 40 Destinationen ist unter seiner Führung eine deutlich grössere Premium-Ferienfluggesellschaft mit rund 1700 Beschäftigten und mehr als 100 Zielen geworden.

Am 30. September 2026 endet die Ära Bauer bei Edelweiss: Der langjährige CEO tritt ab und übergibt die Führung an Edi Wolfensberger. Beim Besuch von Travelnews in seinem Büro im Circle des Flughafens Zürich blickt Bernd Bauer auf seine Jahre an der Spitze von Edelweiss zurück und verrät, wo es ihn in Zukunft hinzieht.

Herr Bauer, nach 12 Jahren verlassen Sie die Edelweiss. Wie schnell ist die Zeit vorbeigegangen?

Bernd Bauer: Sehr schnell. Es gab immer wieder neue Themen, welche die Zeit schnell vergehen liessen. Auch Corona war noch dazwischen, das war natürlich auch eine spezielle Zeit. Und die Phase nach Corona war sowas wie ein Neuanfang. Dadurch vergingen all die Jahre wie im Flug.

Sie sprechen von einem Neuanfang. Haben Sie zwei verschiedene Edelweiss erlebt?

Der Umbau der Airline hat eigentlich schon vor der Pandemie begonnen. Kurz nachdem ich 2014 zu Edelweiss gekommen bin, haben wir entschieden, die Langstrecke auszubauen. Die Kurzstrecke war damals bereits etabliert. Wir verfügten über fünf Kurzstrecken- und drei Langstreckenflugzeuge, wobei eine der Langstreckenmaschinen für die Swiss im Einsatz war. Der Ausbau der Langstrecke war der erste grosse Schritt hin zu jener Edelweiss, die wir heute kennen. Bis 2019 war die Langstreckenflotte bereits auf sechs Flugzeuge angewachsen – dann kam Corona. Nach der Pandemie mussten wir den Betrieb erst wieder hochfahren und reduzierten die Langstreckenflotte vorübergehend von sechs auf vier Maschinen. In den vergangenen Jahren haben wir sie Schritt für Schritt wieder ausgebaut und sind heute erneut bei sechs Langstreckenflugzeugen.

Haben sie erwartet, dass die Edelweiss bei ihrem Abgang als CEO so gross und erfolgreich sein wird?

Ich habe die Edelweiss nicht erst seit 2014 begleitet, sondern bereits seit 2007, als die Swiss die Edelweiss von Kuoni gekauft hat und sie in die Lufthansa-Gruppe integriert wurde. Das Potenzial für das Geschäftsmodell der Ferienfliegerei war der ausschlaggebende Punkt, dass wir damals gesagt haben, es lohnt sich, die Edelweiss zu kaufen und weiterzuentwickeln. Der Plan bestand also darin, die Fluggesellschaft grösser zu machen, neue Vertriebskanäle zu etablieren und neue Kundengruppen anzusprechen. Dass wir die Edelweiss bis heute zu einer derart modernen Airline weiterentwickeln konnten, mit Flugzeugen wie dem A350 und dem A320neo, lässt sich natürlich planen. Ob es dann tatsächlich zur Umsetzung kommt, hängt von vielen anderen Faktoren ab. Einerseits muss der Markt mitspielen, andererseits braucht es Mitarbeitende, die die Vision mittragen und umsetzen. Und auch die Gäste müssen sich auf die Fluggesellschaft und ihre Ziele einlassen. Bei uns hat all das sehr gut zusammengespielt, sodass wir heute dort stehen, wo wir stehen.

Hatten sie ein Erfolgsrezept in den vergangenen 12 Jahren?

Ich sage immer: Man muss das, was man tut, mit Überzeugung und Begeisterung machen. Dann springt der Funke über – auf die Mitarbeitenden ebenso wie auf die Gäste. Wir haben die Edelweiss stets klar als Ferienfluggesellschaft positioniert, die ab Zürich vor allem für Schweizer Gäste fliegt. Rund um diese Kernpositionierung haben wir unser Produkt konsequent aufgebaut und weiterentwickelt.

Bernd Bauer vor dem Café im Edelweiss-Hub: Die interaktive Erlebniswelt war das letzte grosse Projekt unter seiner Führung. Bild: TN

Wenn man weiss, wofür man steht, und diese Haltung auch im Produkt spürbar wird, entsteht Begeisterung – und daraus kann Erfolg entstehen. Das war in den vergangenen Jahren mein Credo: die Dinge mit Begeisterung, Zuversicht und Commitment anzupacken. Ich glaube, das ist uns recht gut gelungen.

Haben Sie ein besonderes Highlight der letzten zwölf Jahre?

Da gibt es ganz viele. Eines davon war sicher der erste Entscheid, dass wir die Langstrecke ausbauen möchten, und damit einhergehend die vielen Destinationseröffnungen, die vielen Partnerschaften, die wir eingehen durften, und die vielen Gespräche, die man intern wie extern führt. Das waren sicher die grossen Highlights in der Vergangenheit. In jüngerer Zeit war die Einflottung des Airbus A350 ein Highlight. Und dass wir es geschafft haben, alle A340 durch sechs A350 zu ersetzen, hat dann das Ganze noch getoppt. Jetzt kommt noch das neue Kabinen-Produkt. Auch da bin ich sehr begeistert von dem, was wir kreieren konnten. Das wird die Wahrnehmung der Edelweiss komplett verändern.

Welches Erlebnis werden Sie nie vergessen?

Meine erste Reise mit der Edelweiss, im Wissen, dass ich bald CEO werde. Wir sind nach Las Vegas geflogen. Der damalige Edelweiss-CEO Charly Kistler war Kapitän auf dem Flug. Der Flughafen liegt direkt am Las-Vegas-Strip und man fliegt erst über die Stadt und dann am Strip entlang. Die Landung im Cockpit miterleben zu dürfen und nachher die Destination zu eröffnen – ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

«Mir hat es immer sehr viel Spass bereitet, was ich hier machen durfte – von daher hätte ich das auch noch ein paar Jahre weitermachen können»

Welches waren Ihre grössten Herausforderungen während Ihrer Zeit als CEO?

Jede Krise auf der Welt wirkt sich irgendwann auch auf den Luftverkehr aus. Aber die Corona-Pandemie war ausserordentlich. Wir hätten uns nie vorstellen können, dass Grenzen geschlossen, Quarantänen verhängt und ganze Flotten gegroundet werden. Genauso wenig hätten wir mit Rückholaktionen in diesem Ausmass gerechnet. Unsere Flugzeuge waren damals überall auf der Welt unterwegs, von Peru bis Australien. Es war eine unvorstellbare und in gewisser Weise auch spannende Zeit – gleichzeitig schwebte ständig ein Damoklesschwert über uns. Für mich persönlich war Corona die grösste Krise, die wir bewältigen mussten, und auch emotional eine schwierige Zeit. Wir fuhren den Betrieb hoch, dann kam die nächste Quarantäne und wir mussten wieder herunterfahren. Es folgte eine neue Welle, wir fuhren erneut hoch – und kurz darauf wieder runter. Es war eine einzige Achterbahnfahrt.

Haben Sie eine persönliche Lieblingsdestination im Edelweiss-Streckennetz?

Meine Lieblingsdestinationen wechseln immer wieder. Es gibt so viele spannende Orte, die wir anfliegen, auf der Langstrecke wie auf der Kurzstrecke. Wo ich kürzlich war und was mich total begeistert hat, war Namibia. Ein wirklich faszinierendes Land. Mit seiner Natur, seiner Tierwelt und dem Meer ist es ein Highlight im Programm, das man hervorragend mit dem Mietwagen erkunden kann. Aber auch klassische Destinationen wie Las Vegas und die umliegenden Nationalparks faszinieren mich. Auf der Kurzstrecke begeistern mich besonders die nordischen Destinationen wie die Lofoten und Island.

Der designierte CEO Edi Wolfensberger tritt in grosse Fussstapfen. Sie haben die Edelweiss gross gemacht, man könnte schon fast sagen, Sie treten im Zenit der Airline ab. Oder geht da noch mehr?

Wir haben immer die Chancen genutzt, die sich uns geboten haben. Und das ist gelungen, weil wir immer sehr aufmerksam waren und genau beobachtet haben, was auf dem Markt passiert. Ich glaube, das wird auch in Zukunft möglich sein. Edi Wolfensberger übernimmt eine tolle Fluggesellschaft, die gut funktioniert, die aber auch noch Möglichkeiten hat, sich weiterzuentwickeln.

In den Tagen vor seinem Abtritt ziert der Schriftzug «Danke Bernd» das Edelweiss-Büro im Circle am Flughafen Zürich. Bild: Andreas Meier

Die Gästeerwartungen und das Destinationsportfolio verändern sich immer wieder. Da muss man auch sehr nah dranbleiben. Und ich bin überzeugt, er wird das auch mit der Unterstützung des gesamten Teams sehr gut machen, und die Edelweiss weiterhin auf der Erfolgsspur halten.

Wenn Sie Edi Wolfensberger etwas auf den Weg geben könnten, einen Tipp oder einen Wunsch, welcher wäre es?

Edi Wolfensberger ist ein erfahrener Manager, der schon an diversen Stationen wie der Swiss, Brussels Airlines oder zuletzt Eurowings Erfahrungen sammeln konnte. Er ist im Konzern vernetzt und kennt die Edelweiss gut. Ich glaube nicht, dass er von mir viele Tipps braucht. Ich bin überzeugt, dass er die Edelweiss gemeinsam mit dem Team gut weiterentwickeln wird.

Bald folgt in den A350 der Umbau der Kabine. Sind Sie nicht ein wenig traurig, dass sie diesen Meilenstein nicht mehr begleiten können?

Klar. Aber man ist ja irgendwie nie fertig. Ich hatte in den letzten zwölf Jahren nicht einmal das Gefühl, dass es nicht mehr weitergeht. Man muss mit den Erwartungen der Gäste mithalten können. Und die neue Kabine ist genau dieses Produkt für mich. Damit erfüllen wir viele Erwartungen, welche Gäste an die Ferienfliegerei haben. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass ich das nicht mehr präsentieren darf. Aber ich kann das Produkt dann als Gast in Augenschein nehmen. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite hat es mir immer sehr viel Spass bereitet, was ich hier über die letzten Jahre machen durfte, und von daher hätte ich das auch noch ein paar Jahre weitermachen können. Auf der anderen Seite freue ich mich natürlich auch auf die Zeit, wenn jetzt andere Dinge in den Vordergrund rücken.

Haben sie bei der Edelweiss alles erreicht, was sie sich vorgenommen haben?

Ja, wenn man jetzt mal ganz zurückschaut und sich überlegt, wo man hinwollte, dann kann ich sagen, wir haben alles erreicht und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.

Was machen Sie ab Oktober?

Ich fliege am 3. Oktober mit der Edelweiss auf die Seychellen und mache erst einmal Ferien. Beruflich habe ich noch nichts in Planung, privat hingegen schon. Das Reisen wird in den nächsten Monaten im Vordergrund stehen. Ich möchte gerne an einigen Destinationen mehr Zeit verbringen und auch Regionen besuchen, in denen ich noch nie war, wie beispielsweise Australien und Neuseeland.