On The Move
So erlebt Nicole Pfammatter ihren Start bei TUI Suisse
Reto SuterAls Nicole Pfammatter Ende September 2025 nach 17 Jahren bei Hotelplan Suisse – zuletzt als CEO – ihren Abschied bekanntgab, liess sie offen, wohin ihr Weg führen würde. Statt sofort den nächsten Karriereschritt zu planen, nahm sie sich Zeit: Sie reiste unter anderem nach Griechenland, Madeira, Oman sowie Uganda und Ruanda, traf in der neu gewonnenen Zeit spontan Freunde, Bekannte und langjährige Weggefährten und liess die vergangenen, intensiven Jahre auf sich wirken.
Dass sie dem Tourismus verbunden bleiben würde, deutete sie damals bereits an. Im November sagte sie gegenüber Travelnews: «Nach 29 Jahren in dieser Branche liegt es nahe, dass ich dem Tourismus in irgendeiner Form treu bleibe.»
223 Tage nach ihrem Abschied folgte die Antwort auf die Frage nach ihrer Zukunft: Am 11. Mai 2026 wurde bekannt, dass Nicole Pfammatter neue Chefin von TUI Suisse wird. Seit dem 1. Juni steht sie offiziell an der Spitze des Unternehmens.
Die ersten Wochen waren geprägt von Übergaben mit ihrem Vorgänger Philipp von Czapiewski, ersten Besuchen in TUI-Filialen und zahlreichen Gesprächen im Unternehmen. Am Hauptsitz von TUI Suisse in Zürich-Oerlikon empfing sie zudem TUI-Konzernchef Sebastian Ebel und reiste für ein Treffen der Führungsriege nach Hannover an den Hauptsitz von TUI. Auch war Pfammatter an den Sommertreffen mit den Vertriebspartnern präsent.
Heute Donnerstag (25. Juni 2026) trat die neue Chefin von TUI Suisse erstmals öffentlich in ihrer neuen Rolle auf. Schauplatz war die stilvolle Boutique der TUI-Premiummarke Airtours an der Augustinergasse in der Zürcher Altstadt.
Optimismus im Sommergeschäft
Pfammatter tritt gut gelaunt und sichtbar entspannt vor die kleine Medienrunde. Die Gesichter vor ihr sind ihr bestens vertraut. Und die Themen der Reisebranche ohnehin. Wie stark sie sich schon mit ihrer neuen Rolle identifiziert, zeigt ein kleines Detail: An den Füssen trägt sie weisse Turnschuhe mit TUI-Branding.
Inhaltlich wird rasch klar: Die neue TUI-Suisse-Chefin hat ihre Botschaften parat. Die Buchungslage für den Sommer stimmt optimistisch. «Nach einer gewissen Zurückhaltung im Zuge der geopolitischen Entwicklungen im Frühjahr sehen wir seit einigen Wochen eine spürbare Belebung und erfreuliche Buchungszuwächse für den Sommer», sagt Pfammatter.
Besonders auffällig sei derzeit das veränderte Buchungsverhalten. «Der Wunsch nach Flexibilität und Sicherheit ist dieses Jahr besonders gross.» Entsprechend würden Gäste häufiger kurzfristig buchen, verstärkt Ziele am Mittelmeer wählen und auf die Pauschalreise setzen.
Zu den derzeit gefragtesten Destinationen zählen Griechenland, Spanien, die Türkei, Italien und Zypern. Vor allem Griechenland habe deutlich zugelegt, während die Türkei und Zypern aufholten. Auch Ägypten finde zurück in die Gunst der Reisenden. Auf der Langstrecke liegt Thailand vorne, gefolgt von den USA, Tansania, der Dominikanischen Republik und den Malediven.
Angekommen und klare Ziele vor Augen
Pfammatter wirkt in ihrem Auftritt souverän. Nachfragen beantwortet sie ruhig und eloquent. Ihr erstes Fazit nach knapp vier Wochen als Managing Director von TUI Suisse fällt sehr positiv aus: «Ich bin von allen herzlich empfangen worden und freue mich riesig, Schweizer Kapitänin bei der TUI Group zu sein.» Besonders reizvoll sei für sie die Grösse des Konzerns und dessen Möglichkeiten. Es begeistere sie, aus der riesigen Angebotspalette der Gruppe Produkte in die Schweiz zu bringen und diese hier erfolgreich zu positionieren.
In den ersten Wochen habe sie vor allem eines getan: zugehört. Viel zugehört. Nun beginne die Phase der Verdichtung. Sie bündle alle Informationen und prüfe, wo Wachstum konkret möglich sei. Einen Schwerpunkt hat sie bereits ausgemacht: die Romandie. Der Anteil der Westschweiz am Umsatz von TUI Suisse liegt aktuell bei rund 14 Prozent, obwohl dort rund 23 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben. «Hier liegt noch Potenzial», sagt Pfammatter.
Auch auf ihre Vergangenheit bei Hotelplan blickt sie kurz zurück. «TUI Suisse war für mich immer ein Mitbewerber, den ich sehr geschätzt habe. Aber ich habe das Unternehmen in meiner früheren Rolle ehrlich gesagt kleiner gesehen als ich es jetzt seit meinem Job-Antritt wahrnehme.» Positiv überrascht zeigt sie sich von der Digitalisierungskompetenz innerhalb der Gruppe. TUI nehme in diesem Bereich eine Vorreiterrolle in der Reisebranche ein. Ihr Fazit fällt entsprechend eindeutig aus: «Ich bin am richtigen Ort angekommen.»
Zum Schluss findet sie auch Worte für ihren Vorgänger Philipp von Czapiewski, der TUI Suisse während sechs Jahren geführt hat. Menschlich seien die beiden sehr unterschiedlich, sagt sie. Die Zusammenarbeit – etwa im Vorstand des Schweizer Reise-Verbands – habe sie aber stets geschätzt. Und sie ergänzt: «Er hat mir hier bei TUI Suisse ein tolles Erbe hinterlassen.»
Pfammatter nutzt ihren ersten öffentlichen Auftritt geschickt, um Kontinuität und Aufbruch zugleich zu vermitteln. Sie wirkt angekommen, ohne vorschnell alles neu machen zu wollen – hört zu, analysiert und setzt erste Akzente. Mit klaren Wachstumsambitionen, einem Fokus auf die Romandie und viel Vertrauen in die Stärke des Konzerns zeichnet sich bereits ab, wohin sie TUI Suisse führen möchte.