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Die Region rund um Vlora und die Albanische Riviera hätte dank Direktflügen ab Zürich deutlich einfacher erreichbar werden sollen. Bild: Adobe Stock

«Dass die Vlora-Flüge diesen Sommer nicht stattfinden, ist sehr schade»

Reto Suter

Chair Airlines musste die geplanten Premierenflüge nach Vlora aus dem Sommerflugplan 2026 streichen. Wie reagieren Schweizer Balkan-Spezialisten auf das vorläufige Aus? Und: Welche anderen Chancen sehen sie für die Region? Travelnews hat nachgefragt.

Eigentlich wollte Chair Airlines diesen Sommer Luftfahrtgeschichte schreiben: Ende Juni 2026 hätte die Schweizer Ferienfluggesellschaft als erste Airline überhaupt den neuen Flughafen von Vlora in Albanien anfliegen sollen. Aus diesen Plänen wird nun aber nichts.

Wie Steven Eichenberger, Marketing- und PR-Manager von Chair Airlines, gegenüber Travelnews bestätigte, ist die Verbindung nicht mehr im Flugplan. Der Grund dafür liegt nicht bei Chair Airlines, sondern bei der noch ausstehenden Betriebsaufnahme des Flughafens Vlora.

«Nach aktuellem Stand konnte der Flughafen die erforderlichen Zulassungen für diesen Sommer nicht rechtzeitig erhalten. Eine Eröffnung für den Sommer ist daher nicht mehr zu erwarten», so Eichenberger (Travelnews berichtete).

Für Schweizer Reiseveranstalter mit Fokus auf den Balkan ist die Absage ein empfindlicher Dämpfer. «Dass die Vlora-Flüge diesen Sommer nicht stattfinden, ist sehr schade. Wir mussten bereits getätigte Buchungen wieder umstellen», sagt Saimir Shala, Gründer und Geschäftsführer von Albanien Reisen, auf Anfrage.

Gleichzeitig glaubt er weiterhin an das Potenzial des Standorts. «Ein funktionierender Flughafen in Vlora könnte für den Tourismus in Südalbanien viel bewegen.» Er hoffe deshalb, dass die Verbindung mittelfristig doch noch zustande komme, so Shala.

Interesse an Reisen über Vlora war gross

Die geplante Verbindung nach Vlora war bei den Kundinnen und Kunden von Albanien Reisen auf grosses Interesse gestossen. «Wir haben die Strecke aktiv in unsere Planung aufgenommen und sowohl Individualreisenden als auch Gruppen entsprechende Angebote unterbreitet – die Resonanz war durchwegs positiv», sagt Shala.

Besonders attraktiv wäre laut dem Reisemanager die Möglichkeit gewesen, Albanien als sogenannte «Open-Jaw»-Rundreise anzubieten – mit Hinflug nach Tirana und Rückflug ab Vlora. Dadurch hätten sich die langen Transferwege im Süden des Landes deutlich verkürzt. Insbesondere die Region rund um die Albanische Riviera wäre dadurch wesentlich einfacher und komfortabler erreichbar geworden, sagt Shala.

Marco Wipfli, Inhaber und Geschäftsführer des Reiseveranstalters Meersicht, zeigt sich erleichtert, dass Patras trotz der Vlora-Absage im Flugplan von Chair Airlines bleibt. Die griechische Hafenstadt wird diesen Sommer erstmals von der Schweizer Ferienfluggesellschaft angeflogen.

Ursprünglich war eine Dreiecksverbindung über Vlora vorgesehen, nun setzt Chair mehrheitlich auf direkte Flüge nach Griechenland. «Patras ist auf jeden Fall eine gute Wahl», sagt Wipfli. Die Flüge nach Kalamata seien oft schnell ausgebucht oder sehr teuer. Da bietet Patras eine attraktive Alternative.

Auf die Frage, welche zusätzlichen Destinationen er sich mit Direktflügen ab Zürich wünschen würde, zeigt sich Wipfli entspannt: «Mit den Balkan-Destinationen sind wir inzwischen sehr zufrieden, uns fehlt aktuell keine weitere Destination», so der Inhaber von Meersicht. Wichtiger wäre laut Wipfli, dass die Rotationen früher starten und länger angeboten würden.

Der Flughafen von Podgorica in Montenegro: Hierhin wären laut Saimir Shala zusätzliche Direktflüge ab Zürich wünschenswert. Bild: Lot Polish Airlines

Während Marco Wipfli aktuell keinen Bedarf nach zusätzlichen Balkan-Destinationen sieht, hat Saimir Shala von Albanien Reisen durchaus noch konkrete Ausbauwünsche. «Mehr Direktflüge ab Zürich nach Podgorica und Ohrid wären für uns äusserst spannend», sagt er.

Solche Verbindungen würden laut dem Albanien-Spezialisten die Organisation von Rundreisen durch Montenegro und Nordmazedonien deutlich vereinfachen und gleichzeitig neue, attraktivere Routenkombinationen ermöglichen.

Allzu sehr lamentieren will Shala trotz der geplatzten Vlora-Verbindung allerdings nicht. Denn bei Albanien Reisen zeichnet sich ein Rekordjahr ab. «Über alle Segmente hinweg liegen wir aktuell rund 30 Prozent über 2025», sagt er.

Das starke Wachstum führt Shala einerseits auf den anhaltenden Albanien-Boom zurück, andererseits aber auch auf gezielte Investitionen im eigenen Unternehmen. Im vergangenen Jahr habe Albanien Reisen unter anderem eine neue Webseite lanciert, neue Reiseprodukte entwickelt, ein neues Büro bezogen, das Team erweitert und das Marketingbudget erhöht.

Und vielleicht kann sich Shala mittelfristig doch noch über eine Vlora-Verbindung ab Zürich freuen. Steven Eichenberger von Chair Airlines schliesst nicht aus, dass die Strecke in den kommenden Jahren aufgenommen wird. Grundsätzlich bleibe Vlora für Chair Airlines eine interessante Destination. Voraussetzung für eine Flugaufnahme ab Zürich ist laut Eichenberger allerdings, dass sowohl die operativen als auch die regulatorischen Rahmenbedingungen erfüllt sind.