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So federn Schweizer Busreise-Anbieter die hohen Dieselpreise ab
Gregor WaserFür Schweizer Busreise-Anbieter hat sich die Ausgangslage 2026 verändert. Wegen der geopolitischen Unsicherheiten verzichten viele Reisende auf Fernreisen und buchen stattdessen Ferien in Europa – auch aus Sicherheitsüberlegungen. Davon profitieren Anbieter von Carreisen.
Gleichzeitig macht der Treibstoff bei einer Busreise 20 bis 30 Prozent der Kosten aus. Und dieser Treibstoff, bei Busreisen in der Regel Diesel, ist von Januar bis Mai 2026 markant angestiegen: in der Schweiz und Frankreich um 20 Prozent, in Italien um 13 Prozent, in Spanien um 17 Prozent und in Deutschland um 33 Prozent.
Doch welche Auswirkungen haben erhöhte Treibstoffpreise auf Busreisen? Müssen die Preise angepasst werden? Und können Busreisen in Europa von den veränderten Reiseströmen profitieren? Travelnews hat mit den führenden Busreiseanbietern gesprochen.
Unterschiedliche Handhabung bei Zuschlägen
Die Preise moderat erhöht hat Marti Reisen. Geschäftsführerin Michelle Marti sagt: «Die erhöhten Treibstoffpreise haben einen direkten Einfluss auf die Kosten unserer Carreisen. Wir verfolgen eine Strategie der fairen Marge, bei der unsere Kalkulation bewusst keine Reserven für unvorhersehbare, fremdbestimmte Ereignisse beinhaltet. Treten solche Entwicklungen ein, geben wir relevante Kostensteigerungen transparent und moderat an unsere Reisegäste weiter – aktuell in Form von Treibstoffzuschlägen. Unsere Reisegäste zeigen dafür grosses Verständnis».
Keine eigenen Busse betreibt car-tours.ch, eine Marke der Holiday Partner AG, und kauft somit keinen Treibstoff selbst ein. Geschäftsführer Urs Tanner sagt: «Wir arbeiten bei unseren Busreisen mit langjährigen Transportpartnern zusammen. Diese haben aufgrund der gestiegenen Treibstoffpreise moderate Zuschläge eingeführt. Insgesamt bewegen sich die Auswirkungen aber in einem überschaubaren Rahmen».
Treibstoffpreise seien für Busreisen ein relevanter Kostenfaktor, sagt Karim Twerenbold, Verwaltungsratspräsident der Twerenbold Reisen Gruppe: «Wir sichern deshalb jeweils einen beträchtlichen Teil unseres Treibstoffbedarfs ab. So gewährleisten wir gegenüber unseren Kundinnen und Kunden Preisstabilität. Bis Ende Oktober 2026 sind bei Twerenbold Reisen keine Preiserhöhungen aufgrund der aktuellen Treibstoffpreisentwicklung vorgesehen. Das garantieren wir.»
Bei der Buchung einer Busreise sei bei Twerenbold Reisen auf den ausgeschriebenen Reisepreis Verlass – ohne nachträglichen Treibstoffzuschlag – «einzige Ausnahme sind allfällige Kerosinzuschläge durch die Airlines bei Reisekombinationen mit Flug und Bus», fügt Karim Twerenbold an.
Kilian Elsasser, Geschäftsführer Eurobus Reisen, erachtet die aktuelle Treibstoffsituation für die gesamte Reisebranche herausfordernd: «Trotz steigender Kosten versuchen wir jedoch, unser breites Angebot weiterhin möglichst attraktiv zu halten. Deshalb haben wir unsere Reisepreise bisher grundsätzlich stabil gehalten und keine generellen Preiserhöhungen aufgrund der aktuellen Situation vorgenommen».
Nachfrage ist stabil bis gut
Das Reisejahr 2026 bleibt verzwickt. Warten Schweizerinnen und Schweizer mit der diesjährigen Buchung noch ab? Verzichten sie ganz? Oder shiften sie ihre zunächst angepeilten Reiseziele woanders hin? Auch zur aktuellen Buchungssituation haben sich die vier Busreise-Anbieter geäussert.
«Die Nachfrage bleibt bei Twerenbold Reisen auch mit Blick auf den Sommer und Herbst 2026 intakt. Sehr erfreulich entwickelt sich weiterhin das Angebot an Veloreisen mit E-Bikes, E-Mountainbikes und neu auch E-Gravelbikes», sagt Karim Twerenbold. «Über die gesamte Twerenbold Reisen Gruppe gesehen registrieren wir eine leichte Verlagerung von Fernreisezielen nach Europa. Viele Kundinnen und Kunden überlegen derzeit genauer, wohin sie reisen wollen und in welchem Rahmen. Nähe, Sicherheit, Verlässlichkeit und eine gute Reiseorganisation gewinnen an Bedeutung. Die Wahl fällt eher auf den heimischen Kontinent. Davon können gerade auch Busrundreisen in Europa durchaus profitieren – in welchem Umfang hängt auch davon, wie sich die Sicherheitslage in den kommenden Monaten entwickeln wird».
«Generell spüren wir aktuell eine starke Nachfrage nach Busrundreisen innerhalb Europas», stellt Kilian Elsasser fest. «Besonders stark nachgefragt sind bei uns aktuell Reisen nach Skandinavien. Gleichzeitig bleiben auch klassische Destinationen wie Frankreich, Deutschland und Italien sehr beliebt. Auffällig ist zudem, dass wir weiterhin viele kurzfristige Buchungen verzeichnen, gleichzeitig aber ein grosses Interesse an Reisen im Herbst feststellen».
«Die Reisenachfrage beurteilen wir aktuell als normal und stabil», hält Urs Tanner fest. «Einen massiven Shift hin zu Carreisen spüren wir derzeit nicht, aber natürlich ist es seit März so, dass Fernreisen und Fernkreuzfahrten defensiver gebucht werden als Europareisen».
«Insgesamt sehen wir Zuwachs über nahezu alle Produkte hinweg», stellt Michelle Marti fest. «Im Zusammenhang mit den jüngsten geopolitischen Spannungen ist die Nachfrage kurzfristig etwas zurückgegangen, zieht mittlerweile aber wieder an. Davon profitieren Rundreisen innerhalb Europas. Besonders gefragt sind aktuell längere Reisen ab acht Tagen, ebenso entwickeln sich Flusskreuzfahrten und E-Bikereisen sehr positiv». Klare Gewinner seien Skandinavien und Italien.
Auch im klassischen Ferienzielverkehr in den Süden, etwa an die spanische Küste oder in die Toskana, beobachtet Michelle Marti einen Zuwachs, was auf eine Verschiebung der Reiseströme hindeute. «Insgesamt stellen wir fest, dass unsere Gäste bewusster reisen – länger, intensiver und mit höherem Qualitätsanspruch».
Trotz deutlich höherer Dieselpreise bleibt der Druck auf die Reisepreise bislang begrenzt. Gleichzeitig profitieren Schweizer Busreise-Anbieter von einem Trend hin zu Europa-Reisen – und von Gästen, die Sicherheit, Nähe und organisierte Reisen wieder stärker gewichten.