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Wenn die Sonne über dem Ligurischen Meer untergeht, entfaltet die Villa della Pergola ihren ganzen Zauber. Bild: Werner Bauer

Britischer Adel, italienische Seele und ein Hauch Paradies

Ralf Stephan

Oberhalb der Ligurischen Riviera, auf dem ersten Hügel über Alassio, wartet ein Hotel wie aus einer anderen Epoche: Die Villa della Pergola verbindet britische Belle-Époque-Villen, ein Sternerestaurant und einen botanischen Park, der zu den schönsten Italiens zählt.

Ein Hauch Venedig mit prachtvollen Palazzi, schweren Vorhängen und alten Meisterwerken. Dazu die verwunschene Romantik der oberitalienischen Seen, wo Glyzinien über schattige Pergolen ranken. Ein wenig von der lässigen Eleganz Portofinos und eine Prise Cinque Terre, wo sich steile Rebterrassen an die Hänge schmiegen und tief unten das Meer glitzert.

All diese Facetten Norditaliens vereinen sich zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk: der Villa della Pergola, eingebettet in einen üppigen Park auf dem ersten Hügel oberhalb von Alassio.

Britische Eleganz trifft auf mediterrane Üppigkeit

Man betritt sie durch ein Tor, und plötzlich ist man in einer anderen Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts liess sich die britische Aristokratie hier ihren botanischen Traum anlegen: Zypressen, Palmen, Olivenbäume, Riesenkakteen, Jacaranda, Zitrusbäume.

Herzstück ist die lange Pergola, die im Frühling unter den Glyzinien zu einem duftenden Tunnel wird. Dazu kommt eine Sammlung von über 500 Schmucklinien-Sorten, nach Angaben des Hauses einzigartig in Europa. Kein Wunder, dass die Gärten bereits als «Il Parco più bello d'Italia» ausgezeichnet wurden.

Selbstverständlich ist das nicht. 2006 drohte ein Bauprojekt, Teile des Hügels samt historischer Anlagen zu zerstören. Die Familie Ricci rettete das Anwesen und liess die rund 22'000 Quadratmeter Gärten aufwendig restaurieren. Heute zählen sie zu den botanischen Schätzen der Riviera.

Gewohnt wird in zwei historischen Villen, einst Sommersitze britischer Familien, die der Legende nach im Rolls-Royce vorfuhren. Die Zimmer und Suiten sind mit Erbstücken, Ölgemälden und Aquarellen eingerichtet. Das wirkt edwardianisch, aber nie verstaubt. Etwas oberhalb liegt die Casa Nirvana mit Wellnessbereich, Sauna, Hammam und einem Infinity-Pool, der nahtlos ins Ligurische Meer überzugehen scheint.

Auch kulinarisch ist der Hügel eine Adresse. Das Restaurant Nove trägt einen Michelin-Stern. Am Herd steht Antonio Romano, ein Schüler von Heinz Beck. Das Gemüse kommt vom hauseigenen Hof L'Orto Rampante auf den Terrassen nebenan, die Zitrusfrüchte aus dem Park. Gegessen wird auf dem Balkon über der Bucht. Ligurien, das Piemont und das nahe Frankreich finden sich auf dem Teller.

Heute ist die Villa della Pergola Luxus im kleinsten Massstab. Gerade einmal 16 Zimmer und Suiten verteilen sich auf die Haupt-Villa und die Nebenhäuser. Jedes ist einem der illustren Gäste gewidmet, die hier einst logierten.

Seit 2020 gehört das Haus zur Vereinigung Relais & Châteaux, und das spürt man: Der Service ist persönlich, die Atmosphäre still, eine grosse Hotelhalle oder Gedränge am Pool gibt es nicht. Man fühlt sich weniger als Hotelgast denn als Besucher auf einem privaten Landsitz. Wer hier einen Abend erlebt hat, wenn die Glyzinien duften und das Licht über dem Meer verglüht, weiss: Besser hätte man sich Italien nicht zusammenmischen können.