Hotellerie
Marc Epper will im Park Hyatt Zürich den Leisure-Fokus verstärken
Jonathan SpirigHerr Epper, nach rund zwei Jahrzehnten im Ausland sind Sie zurück in der Schweiz. Warum gerade jetzt?
Marc Epper: Die Rückkehr in die Schweiz war schon lange ein Wunsch meiner Familie und mir. Nach der Hotelfachschule ging ich direkt ins Ausland und war mit Ausnahme von zwei Jahren in Genf immer international tätig. Privat war jetzt einfach der richtige Zeitpunkt gekommen. Unsere Kinder sind vier und sechs Jahre alt, und wir wollten den Wechsel vor der Einschulung vollziehen. Meine Frau arbeitet ebenfalls in Zürich, und ich war zuletzt mit den Kindern in München. Für uns als Familie war das der ideale Moment, um uns wieder in der Schweiz niederzulassen.
Dazu kommt, dass die Möglichkeiten in der städtischen Schweizer Luxushotellerie begrenzt sind. Viele Schweizer Hoteliers, die im Ausland Karriere gemacht haben, würden gerne zurückkommen.
Was hat Sie daran gereizt, die Leitung des Fünf-Sterne-Hotels Park Hyatt Zürich zu übernehmen?
Ich habe die Möglichkeit gesehen, das neu gedachte Park Hyatt Zürich mitzuprägen. Das Haus befindet sich in einer sehr spannenden Phase. Wir investieren stark in die Zukunft, entwickeln neue Konzepte und haben die Chance, das Park Hyatt Zürich neu zu positionieren.
Das Park Hyatt ist anders als viele andere Luxushotels in Zürich. Wir wollen keine traditionellen Grand Hotels kopieren. Wir stehen für modernen, urbanen Luxus. Etwas entspannter, persönlicher und zeitgemässer.
Sie sind jetzt seit rund einem Monat im Amt. Was hat Sie bisher besonders überrascht?
Vor allem das Team. Wir haben ein sehr junges und unglaublich engagiertes Team. Man spürt hier eine wahnsinnig positive Energie und einen echten Teamgeist. Das macht grosse Freude.
Auch die neue Lobby, die erst seit wenigen Wochen geöffnet ist, wird sehr positiv aufgenommen – sowohl von unseren Gästen als auch von den Einheimischen. Sie ist deutlich heller und offener geworden und wirkt heute viel einladender als früher.
Im Herbst folgen weitere Neuerungen. Was dürfen die Gäste erwarten?
Aktuell arbeiten wir an neuen Restaurantkonzepten. Auch bei den Zimmern wird es Neuerungen geben. Es geht uns aber nicht nur um bauliche Veränderungen, sondern um eine Weiterentwicklung der gesamten Identität des Hauses. Wir wollen das Park Hyatt Zürich noch stärker als eigenständige Destination positionieren. Es soll ein Ort sein, an dem man nicht einfach übernachtet, sondern bewusst Zeit verbringen möchte.
Das Park Hyatt galt lange als klassisches Businesshotel. Wollen Sie dieses Image verändern?
Wir sind sehr zufrieden, wie sich die Gästezahlen in den letzten Jahren entwickelt haben und vielen ist nicht bewusst, dass wir bereits heute mehr Leisure- als Businessgäste haben.
Ich habe in den letzten Jahren vor allem Häuser geführt, die sehr stark auf Freizeitreisende ausgerichtet waren. Diese Erfahrung möchte ich hier einbringen. Für Leisure-Gäste ist die gesamte «Experience» vom Spa über die Gastronomie bis hin zum Concierge-Service entscheidend. Natürlich bleiben Geschäftsreisende und das MICE-Geschäft wichtige Pfeiler.
Was bedeutet das konkret?
Wir wollen weg von einer rein transaktionalen Dienstleistung. Der Concierge soll künftig schon vor der Anreise mit Gästen in Kontakt treten und gemeinsam Erlebnisse gestalten. Die Gäste sollen nicht nur einen schönen Aufenthalt haben, sondern positive Erinnerungen ans Hotel und die Destination mit Nachhause nehmen. Wärme, Persönlichkeit und Authentizität sollen das Park Hyatt Zürich ausmachen.
Hyatt verwendet den Satz «Luxury is personal». Was bedeutet das für Sie?
Das trifft meine eigene Philosophie sehr gut. Luxus bedeutet für mich nicht Perfektion um jeden Preis, sondern echte persönliche Aufmerksamkeit. Ich glaube nicht daran, Gäste zu standardisieren oder in Schubladen zu stecken. Jeder Mensch ist anders und muss auch anders behandelt werden. Emotionale Intelligenz ist in unserer Branche wichtiger als starre Prozesse. Ich mag keine übermässig geskriptete Gastfreundschaft.
Deshalb haben wir beispielsweise auch die Namensschilder unserer Mitarbeitenden entfernt. Wir möchten weniger formell und dafür menschlicher auftreten. Es geht darum, auf Menschen zuzugehen und echte Beziehungen aufzubauen.
«Wir sind alle per Du. Mir ist wichtig, Hierarchien aufzubrechen und Mitarbeitenden Raum zu geben, eigene Ideen einzubringen.»
Im Mandarin Oriental München haben Sie mit sehr persönlichen Gesten für Aufmerksamkeit gesorgt – etwa mit Bademänteln die mit dem Namen der Gäste bestickt waren. Wird es solche Überraschungen künftig auch im Park Hyatt Zürich geben?
Wir werden sicher mit Personalisierung spielen, allerdings auf unsere eigene Art. Es muss authentisch bleiben und darf nicht übertrieben wirken. Entscheidend ist, dass der Gast spürt, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Das kann ein personalisierter Gruss sein, vielleicht einmal eine Serviette mit dem Namen eines Stammgastes oder einfach das Wissen des Teams, wer da gerade ankommt. Ich würde das als «Quiet Luxury» bezeichnen. Diskrete, persönliche Aufmerksamkeit statt grosser Inszenierung. Luxus ist heute weniger materiell und viel stärker emotional geprägt. Das ist genau die Richtung, in die wir uns entwickeln wollen.
Wie positioniert sich das Park Hyatt Zürich im Wettbewerb?
Wir profitieren von einem sehr gesunden und breit diversifizierten Gästemix. Unsere Gäste kommen aus den USA, der DACH-Region, aus Europa, dem Nahen Osten und aus Asien. Gerade in geopolitisch anspruchsvollen Zeiten ist diese Diversifikation enorm wichtig. Die Schweiz befindet sich aktuell insgesamt in einer sehr guten Position mit einer starken internationalen Nachfrage. Darauf wollen wir aufbauen und unsere Position als modernes urbanes Luxushotel weiter stärken.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Ich glaube fest daran, dass Mitarbeitende dann am besten sind, wenn sie sich wohlfühlen. Niemand sollte mit Druck zur Arbeit kommen. Wir pflegen hier eine offene Kultur, alle sind per Du. Mir ist wichtig, Hierarchien aufzubrechen und Mitarbeitenden Raum zu geben, eigene Ideen einzubringen. Micromanagement liegt mir überhaupt nicht. Ich gebe gerne einen Rahmen vor, aber innerhalb dieses Rahmens sollen Menschen mitdenken und mitgestalten. Diese Haltung hat für mich in jeder Kultur funktioniert. Ob in Asien, im Nahen Osten oder in Europa. Menschen möchten überall mit Respekt und auf Augenhöhe behandelt werden.
Der Fachkräftemangel beschäftigt die Branche seit Jahren. Wie erleben Sie die Situation in Zürich?
Wir sind glücklicherweise sehr gut aufgestellt und haben kaum offene Stellen. In der Schweizer Luxushotellerie ist die Situation etwas entspannter als beispielsweise in Deutschland. Ein grosser Vorteil ist das Schweizer Ausbildungssystem. Wir beschäftigen derzeit rund 20 Lernende bei insgesamt etwa 180 Mitarbeitenden und sind sehr stolz darauf, ein wichtiger Ausbildungsbetrieb zu sein. Unsere Lernenden übernehmen früh Verantwortung und leisten einen hervorragenden Beitrag.
Was haben Sie persönlich an der Schweiz am meisten vermisst?
(Lacht) Tatsächlich den öffentlichen Verkehr. Ich fahre unglaublich gerne Zug und bin immer wieder fasziniert, wie gut hier alles funktioniert. Dazu kommen natürlich die Sauberkeit, die Luft- und Wasserqualität und die enorme Lebensqualität insgesamt. Die Nähe zwischen Stadt, See, Bergen und Natur ist einzigartig. Meine Schwestern leben ebenfalls in Zürich, und auch die Nähe zu den Grosseltern war für unsere Familie ein wichtiger Faktor. Mein sechsjähriger Sohn vermisst im Moment zwar noch den FC Bayern – aber ich glaube, auch er wird sich bald wieder ganz zuhause fühlen.