Hotellerie

Ein Tag voller Tricks und Lösungen für Hoteliers

Gregor Waser

Der 5. Distribution Day zog 240 Hoteliers in den Bann. Ob sie die vielen Lösungsansätze — Kooperationen, Positionierung, Automatisierung, Emotionalität — nutzen werden? Die Zeit drängt.

  • Bild von links: Pascal Jenny, Tourismusdirektor Arosa; Martina Müller, Inhaberin Swiss Sales Conferences; Wilhelm K. Weber, Partner Swiss Hospitality Solutions und Mitinitiator des Distribution Days und Andreas Züllig, Präsident Hotelleriesuisse.

Gäste zum Bleiben animieren

Ein geballter Distribution Day ging gestern Abend im Mövenpick Hotel in Regensdorf zu Ende. 240 Teilnehmer, mehrheitlich Hoteliers, horchten gespannt den spannenden Referenten an dieser 5. Austragung und einem Moderator in Hochform: TV-Mann Stephan Klapproth. Schweiz Tourismus-Direktor Jürg Schmid lancierte den Tag, sprach von Chancen und Innovationen – von den 1,5 Milliarden Chinesen gäbe es 200 Millionen potenzielle Reisende.

Trotz ungünstigem Wechselkurs und schwindenden Logiernächten hat Andreas Züllig, der Präsident der Hotelleriesuisse und Betreiber des Schweizerhofs in Lenzerheide, die Ruhe nicht verloren, er sieht weiterhin auch gute Chancen. Was ihn bedenklich stimmt: Die Anzahl der Gäste ist gestiegen („soviele wie 2014 gabs in Schweizer Hotels noch nie“), aber die durchschnittliche Aufenthaltsdauer geht zurück, was sich im Minus der Logiernächte niederschlage: „Kurze Ferien und kurzfristige Ferien sind im Trend. Die Technologie trägt dazu bei, die spontanen Buchungsmöglichkeiten, die Hotelbewertungen oder der Blick aufs Wetter“.

„Wir haben schon oft versucht, die Gäste zu animieren, doch bis am Montag zu bleiben und dem Stau auszuweichen“. Doch am Sonntag Abend heimzukehren, sei fest in den Köpfen drin, die Leute hätten einen Herdentrieb, die wollten alle in den Stau fahren. Mittlerweile bewährt habe sich aber das Late-Check-Out am Sonntag. „So können unsere Gäste nach dem Skifahren noch ins Wellness und ins Zimmer und reisen erst um 16 Uhr oder 17 Uhr ab – ohne Aufpreis“

Auch Arosas Tourismusdirektor Pascal Jenny kämpft um den Verbleib der Gäste über den Sonntagabend hinaus: „Neuerdings stellen wir bei uns eine Gratis-Büroinfrastruktur zur Verfügung, die man insbesondere am Montag Morgen nutzen kann“. Erste Gäste hätten den Service genutzt. Ihm ist aber auch klar: „Beim jüngeren Publikum wird es schwierig, den Aufenthalt zu verlängern“. Er sieht eher Chancen, die Klientel 50 oder 55 Plus zu einem längeren Bleiben zu bewegen.

Emotionalität trotz Automatisierung

Neben Produktivitätssteigerung und klarer Positionierung forderte Andreas Züllig mehr Kooperationen bei den Hotelbetrieben: „Ich weiss, es ich nach ganz einfach, dem Kollegen Einblick in die Buchhaltung zu gewähren. Oder sein Restaurant an einem Abend zu schliessen, um die Gäste im Partnerbetrieb verpflegen zu lassen.“ Horizontale Kooperation (gemeinsame Infrastruktur und Investitionen von mehreren Hotels, laterale Kooperationen (etwa mit der Landwirtschaft) oder vertikale Kooperationen (mit touristischen Leistungsträgern) böten aber grosse Chancen. Und Pascal Jenny gab Einblick, in die Mechanismen des Event-Marketings und den nachhaltigen Erfolg in Arosa mit dem Ice-Snow-Fussballturnier, dem Bergrennen Arosa Classic Car (beginnt morgen) und dem Humorfestival.

Bei den weiteren Referenten stach etwa Peter Hense hervor, IT-Crack und Berater von Online Travel Agencies. „Es ist wichtig, dass Hoteliers die Kontrolle nicht verlieren über ihre Preisgestaltung. Die Grossen OTAs und Suchmaschinen wie Google manipulieren ihre eigenen Plattformen stark mit Eigeninseraten und gaukeln den Kunden vor, es sei der vom Hotel direkt angebotene beste Preis, den sie bekommen“, hielt Hense fest. Das werde so gemacht, in dem sie den Hotelnamen nutzen und mit einem prominenten Bild oder Logo den Eindruck erwecken, der Kunde sehe das Inserat vom Hotel. Oft sei dies aber nicht der beste Preis – „wenn man direkt auf der Site des Hotels schaut, ist es oft günstiger.“

Ein spannende MICE-Studie präsentiere Tobias Tegemeyer, der das Hotelhandwerk von der Pike auf gelernt hat, und heute der Firma MICEview vorsteht. Er verfolgt 34 Hotels und Locations und kann so exakte Daten zum Ablauf eines Anlassas erheben, um daraus Schüsse zu ziehen.

Und bei der Paneldiskussion mit dem Thema „Wird das Meetinggeschäft automatisiert“, kreuzten die Klingen: Björn Radde (Okanda), Tobias Tegetmeyer, Malte Budde (Park Hyatt Zürich), Martina Müller (Swiss Sales Conferences) und Udo Lülsdorf (meetago). Budde: „Wir sind von Standards abgerückt und wagen jeden Tag ein Experiment und machen so auch Fehler. Aber nur so ist Innovation möglich“. Tobias Tegemeyer: „Erst ein kleiner Teil des Tagungsmarktes ist automatisiert“, die Frage sei, wie weit die Prozesse vereinfacht werden können. Martina Müller: „Die Digitalisierung ist zwar nicht aufzuhalten. Aber es gilt, die Emotionalität eines Meetings nachhaltig zu machen."