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Ruth Westrick, früher viele Jahre für Globetrotter tätig, wanderte vor zehn Jahren nach Afrika aus. Aktuell arbeitet sie in Angola. Bild: zVg

Die Schweizerin, die Afrikas Tourismus mitgestaltet

Reto Suter

Über 18 Jahre war Ruth Westrick für Globetrotter tätig. Heute entwickelt die erfahrene Reise-Managerin in Angola neue touristische Angebote. Westrick ist überzeugt, dass das lange unterschätzte Land grosses Potenzial als Reiseziel hat.

Noch vor wenigen Jahren dachte bei Angola kaum jemand an Ferien. Das Land war vor allem für seine reichen Erdöl- und Diamantvorkommen bekannt, die bis heute das Rückgrat der Wirtschaft bilden.

Hinzu kommen Erdgas, Eisenerz, Gold und weitere Bodenschätze. Nun versucht sich Angola neu zu erfinden, auch als Reiseziel. Das zeigte sich dieses Jahr eindrücklich an der weltgrössten Tourismusmesse ITB Berlin, wo Angola als offizielles Gastland unter dem Motto «Visit Angola – The Rhythm of Life» für sich warb.

Dass hinter dieser neuen Tourismusstrategie mehr steckt als ein Marketingversprechen, erlebt die Schweizerin Ruth Westrick tagtäglich.  Die Touristikerin mit langer Vergangenheit bei Globetrotter lebt seit Anfang 2025 in Angola und arbeitet für die Naturschutzorganisation African Parks. Im riesigen Iona-Nationalpark verantwortet sie die touristische und kommerzielle Entwicklung.

«Das Potenzial des Reiselands Angolas ist sehr gross», sagt Westrick im Gespräch mit Travelnews. Besonders überrascht habe sie die Sicherheit im Land. «Ich bin als allein reisende Frau unterwegs und habe keinerlei Probleme.» Ein grösseres Risiko als Kriminalität stellen nach ihrer Erfahrung die teils schlechten Strassenverhältnisse und frei laufende Kühe oder Ziegen dar.

Authentisch statt perfekt

Nach Stationen in Sambia sowie im Garamba-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo reizte Westrick an Angola vor allem die Chance, in einer völlig anderen Landschaft zu arbeiten. Der Iona-Nationalpark liegt in der Namib-Wüste, einer der ältesten Wüsten der Erde, und umfasst rund 15'000 Quadratkilometer.

Was Angola ihrer Meinung nach von vielen anderen afrikanischen Destinationen unterscheidet, ist seine Ursprünglichkeit. «Das Land ist noch sehr authentisch», sagt sie. Besonders im Süden lebten zahlreiche ethnische Gruppen ihre Traditionen bis heute auf natürliche Weise. Gleichzeitig stecke der Tourismus noch in den Kinderschuhen. Gerade das mache den Reiz aus.

Ruth Westrick inmitten der Landschaft im Iona-Nationalpark. Bild: zVg

Der Iona-Nationalpark ist derzeit vor allem ein Paradies für Selbstfahrer und 4x4-Fans. Viele Offroad-Reisende aus dem benachbarten Namibia würden nun erstmals die Gelegenheit nutzen, das lange kaum zugängliche Nachbarland zu entdecken.

Angola hat allerdings noch viel mehr zu bieten als Wüste: Gebirge, Hochebenen, Regenwald im Norden sowie eine mehrere tausend Kilometer lange Atlantikküste sorgen für eine grosse landschaftliche Vielfalt. Westrick spricht von einem «rohen Diamanten», der noch geschliffen werden müsse.

Ein Land für Entdecker

Noch fehlt es vielerorts an touristischer Infrastruktur. Genau daran arbeitet African Parks gemeinsam mit der Regierung. Im Iona-Nationalpark entsteht derzeit ein erstes Safari-Camp. Langfristig sollen weitere Unterkünfte und touristische Angebote folgen. Ziel ist es, dass sich der Nationalpark schrittweise selbst finanzieren kann und gleichzeitig Arbeitsplätze für die umliegende Bevölkerung schafft.

Westrick ist überzeugt, dass gerade Schweizerinnen und Schweizer zu den ersten Gästen gehören könnten, die Angola für sich entdecken. Voraussetzung sei allerdings die richtige Erwartungshaltung. Wer Luxusresorts und perfekt eingespielte touristische Abläufe suche, sei hier noch nicht am Ziel. Wer dagegen offen für Neues sei, Gastfreundschaft schätze und ein echtes Abenteuer erleben wolle, finde in Angola ideale Voraussetzungen.

«Man sollte nicht die Schweiz nach Angola bringen wollen», sagt sie. Vielmehr gehe es darum, sich auf eine andere Welt einzulassen. Hygiene und Sicherheit seien gut, die Menschen ausgesprochen freundlich – einzig der Umgang mit internationalen Gästen müsse sich mit dem wachsenden Tourismus erst noch entwickeln.

Genau darin sieht Westrick aber auch den besonderen Reiz: Angola sei eines der letzten grossen Pionierländer des südlichen Afrikas – und gerade deshalb für entdeckungsfreudige Reisende besonders spannend.