Here & There
Der Ausbau der abgeschotteten Kreuzfahrt-Inseln
Gerade erst hat Norwegian Cruise Line (NCL) den massiven Ausbau seiner Bahamas-Privatinsel Great Stirrup Cay bekanntgegeben. Dort erleichtert nun ein neues Pier das Anlaufen und Passagieren den Zugang. Ebenfalls neu sind das Welcome Center und ein Tram-System, mit dem das Erkunden der Insel noch bequemer wird.
Herzstück der Neugestaltung ist die Great Life Lagoon mit beheiztem, stufenlos zugänglichem Pool, grösser als zwei olympische Schwimmbecken. Weil die Anlage besonders für Familien konzipiert wurde, geht der Pool in einen Splash Harbour mit Wasserspielen für junge Gäste über. Erwachsene können derweil an zwei Swim-up-Bars ihre Lieblingscocktails im Wasser schlürfen oder im Vibe Shore Club unter sich bleiben. Diese exklusive Adults-only-Sektion mit eigener Bar und privaten Cabanas ist gegen Zuzahlung mit einem Tagespass zugänglich.
Mit 19 Wasserrutschen im Great Tides Waterpark wird Great Stirrup Cay weiter ausgebaut. Allein acht Rutschen werden vom Blickfang Tidal Tower abgehen, die beiden höchsten als spiralförmige Reifenrutschen mit Förderbändern für die Reifen. Adrenalin-Junkies werden an dem Rutschenturm auch Hochgeschwindigkeits-Rennrutschen und Body Slides finden. Weitere Teile des Waterparks sollen ein rund 244 Meter langer Dynamic River, die Cliffside Cove für Klippensprünge sowie eine 840-Quadratmeter-Splash-Zone für Kinder sein.
Strandvillen, Parasailing, Jetski
Mit Harvest Caye nutzt NCL eine weitere Insel, die dem Staat Belize gehört, die aber exklusiv von der Reederei genutzt wird. Im Rahmen eines Joint Ventures mit der Regierung des zentralamerikanischen Staates sind alle Mitarbeiter und Betreiber der Geschäfte auf der Insel Einheimische. An Belizes bislang einzigem Pier für Kreuzfahrt-Schiffe hat das 4000-Gäste-Schiff Norwegian Encore angelegt.
Die nur halb so grosse Norwegian Dawn liegt auf Reede (geschützter Ankerplatz für Schiffe vor einem Hafen); eine grosse Shuttle-Fähre transportiert ihre Passagiere ans Pier. Sie bringen ihre Handtücher mit, die Encore-Gäste erhalten direkt vor dem Schiff so viele wie gewünscht. Sonnensegel spenden auf dem knapp 400 Meter langen Weg zur Insel Schatten, auch ein kostenloser Elektrocart-Shuttle wird angeboten.
Mangroven säumen das vom weltweit zweitgrössten, mesoamerikanischen Barriereriff umgebene Harvest Caye. Eine alte rote Telefonzelle erinnert daran, dass Belize 1981 aus der Kolonie Britisch-Honduras entstanden ist. Gleich neben Bismarckpalmen mit silbrig schimmernden Fächern steht ein Gebäude, wo mit der NCL-Bordkarte Strandvillen, Parasailing und Yamaha-Jetski gebucht und bezahlt werden können.
Alles andere auf Harvest Caye muss mit Bargeld und Kreditkarte beglichen werden. Das betrifft je fünf Restaurants und Bars, die Eiscreme-Stände sowie die um einen Dorfplatz angeordneten Geschäfte, Ausflüge und andere Attraktionen. Einige Gäste kritisieren die 49 US-Dollar pro Person für drei Stunden Aufenthalt in Placencia und die Fahrt mit der Festlandfähre.
1400-Quadratmeter-Pool
Aber es gibt auch kostenfreie Alternativen, darunter der 1400-Quadratmeter-Pool samt sehr nassem Kindervergnügen und Swim-up-Bar. Am langen, feinsandigen Palmenstrand wachen alle 100 Meter Rettungsschwimmer auf feuerroten Baywatch-Türmen. Die vielen Liegestühle sowie die Sonnenschirme sind kostenfrei, lediglich Schwimmmatten, Sonnenmuscheln und Schnorchelausrüstung kosten. Allerdings zeigt ein kurzer tropischer Regenschauer, dass die Zahl der als Regenschutz nutzbaren Sonnenschirme nicht ausreicht. Ein Teil des Strandes bleibt Gästen der klimatisierten, aufpreispflichtigen Strandvillen mit Butlerservice vorbehalten.
Den Strand überragt ein 40 Meter hoher Leuchtturm, der sich als Flighthouse mit Ziplines erweist. Beim «Double Beach Run» können Gästepaare für je 75 Dollar mit 65 Stundenkilometern bäuchlings in «Superman»-Haltung 400 Meter um die Wette über die Bucht sausen. Die «Lagoon Run»-Zipline kostet 55 Dollar pro Person. In der Salzwasser-Lagune ist Schwimmen verboten, dafür können Kajaks für 35 und E-Katamarane für 79 Dollar pro Stunde sowie Tretboote ausgeliehen werden.
Kostenfrei zugänglich ist wiederum die Wassernebel-gekühlte Wildlife Experience der Harvest Caye Conservation Foundation. Dort sind in Belize heimische Grüne Leguane und Königsboa-Würgeschlangen sowie Aras, Paradiesvögel und Tukane zu bewundern. Ob das wirklich eine Schutzstation oder eher ein Besucherzoo ist, sei dahingestellt. Im Schmetterlingshaus präsentieren aussen braune und innen strahlend blaue Himmelsfalter, auch bekannt als Blaue Morphofalter, bis zu zwölf Zentimeter Flügelspannweite. In einem Kasten hängen wie an einer Perlenkette säuberlich aufgereiht die verpuppten Raupen. Mit etwas Glück lässt sich vor allem morgens beobachten, wie ein Himmelsfalter aus seiner Puppe schlüpft.
Privatinseln der Reedereien im Überblick
Carnival Cruise Line & Töchter (Costa, Holland America Line, Princess Cruises):
- Celebration Key, Grand Bahama, «Weltgrösste Sandburg» und 105Meter-Wasserrutsche
- Half Moon Cay, Bahamas, Reiten im Meer & Naturstrände
- Princess Cays, Eleuthera, Klassischer Strandtag mit Grillbuffet
- Amber Cove, Dom. Rep., Grosser Hafen-Resort-Komplex
Disney Cruise Line:
- Castaway Cay (Bahamas): Der Goldstandard für Familien. Inklusive Radwegen, Schnorchellagunen und der typischen Disney-Magie.
- Lookout Cay at Lighthouse Point (Bahamas): Fokus auf lokale Kultur, gepaart mit dem Spieleland «Sebastian’s Cove».
Norwegian Cruise Line (NCL):
- Great Stirrup Cay (Bahamas): Klassische Privatinsel, aktuell massiv ausgebaut mit neuen Poolbereichen und exklusiven Villen.
- Harvest Caye (Belize): Einzigartig durch die Kooperation mit der lokalen Regierung; bietet eine «Wildlife Experience» mit heimischen Tieren.
Royal Caribbean Group:
- Perfect Day at CocoCay (Bahamas): Das «Disneyland» unter den Privatinseln. Mit gigantischem Wasserpark, dem höchsten Rutschenturm Nordamerikas und Ballonfahrten.
- Labadee (Haiti): Eine private Halbinsel, bekannt für die längste Zipline der Welt über dem Wasser.
Tui Cruises (Mein Schiff):
- Isla Catalina (Dom. Rep.): Keine dauerhafte Privatinsel, aber an festen Terminen exklusiv für Mein Schiff Gäste reserviert. Ideal zum Schnorcheln und Tauchen in entspannter Atmosphäre.