Flug
Etihad Airways denkt über einen Allianzbeitritt nach
Vor rund zwei Jahren übernahm der Schweizer Peter Baumgartner im Rahmen einer Reorganisation der Managementstruktur den Chefposten bei Etihad Airways. Nun wurde eine weitere Reorganisation durchgeführt - und Peter Baumgartner hat das CEO-Szepter der Airline per sofort an den aktuellen Gruppen-CEO Tony Douglas weitergegeben. Baumgartner bleibt dem Unternehmen indes erhalten: Er wird als Senior Strategic Advisor innerhalb der Konzernleitung sowohl für die Airline als auch für andere Konzernteile in den Bereichen «Global Partnerships» und «Innovation» beratend wirken.
Für Baumgartner geht die Restrukturierung in Ordnung und er sei weiterhin «committed», wie er selber sagt: «Nach einer intensiven Zeit mit spannenden operativen Aufgaben, freue ich mich nun auf die Arbeit auf strategischer Ebene bei Etihad, und vor allem darauf, wie wir durch strategische Partnerschaften und Innovation unsere Airline positionieren und differenzieren können.»
Zur Erinnerung: Baumgartner folgte auf den früheren CEO James Hogan, weil dessen Expansionsstrategie gescheitert war. Diese ähnelte der - ebenfalls gescheiterten - früheren Hunter-Strategie der Swissair: Zahlreiche Beteiligungen an kleineren Carriern, um über diese Fuss in deren Heimmarkt zu fassen und sich auch ein entsprechendes Zubringernetz nach Abu Dhabi aufzubauen. Nur: Air Berlin ging pleite, Darwin Airline ging pleite, Alitalia ging pleite, Etihad handelte sich riesige Schulden und Probleme ein. Alitalia sucht derzeit einen Käufer; Air Berlin und Darwin gingen bereits an einen oder mehrere Käufer. An einzelnen Engagements, zum Beispiel jenem mit Air Serbia, will Etihad jedoch festhalten. Überhaupt werde Etihad weiter auf Partnerschaften setzen, aber voraussichtlich in anderer Form und auch mit weiteren Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. Zudem, wird Baumgartner im «Aerotelegraph» zitiert, sei auch ein Allianz-Beitritt in Abu Dhabi ein Thema: «Der ursprüngliche Gedanke der Zusammenarbeit unter einer Marke Etihad Airways Partners existiert nicht mehr. [...] Der Beitritt zu einer globalen Allianz ist sicher eine interessante Option für Etihad.»
Es braucht neue Impulse
Die Umstrukturierung im Management kommt auf jeden Fall zu einem Zeitpunkt, an welchem der in Abu Dhabi beheimatete Carrier neue Impulse braucht. In den letzten beiden Jahren wurden grosse Verluste eingefahren, wie bereits erwähnt muss die strategische Ausrichtung neu überdacht werden.
Die neue Konzernstruktur sieht sieben Geschäftsbereiche vor: Operations, Commercial, Maintenance, Repair & Overhaul, Human Resources, Finance, Support Services und Transformation. Geleitet werden diese Bereiche von einem «Executive Leadership Team» unter Leitung von Tony Douglas, welcher gleichzeitig also auch die Leitung von Etihad Airways übernimmt. Zur Erinnerung: Douglas war erst im Januar 2018 als Group Chief Executive Officer zu Etihad Airways gestossen.
Mohammad Al Bulooki, bisher Executive Vice President Commercial bei Etihad Airways, wurde derweil zum Chief Operating Officer befördert. Er ist damit für alle operativen Belange in den Bereichen Flug, Technik und Netzwerk sowie für das Fleet-Engineering, die Sicherheitsaspekte und die Etihad Airport Services (worunter auch Bodendienste, Catering und Cargo fallen) zuständig. Auch die Piloten und das Kabinenpersonal fallen in seinen Zuständigkeitsbereich. Darüber hinaus wurde Robin Kamark, der im April 2017 als CEO der Airline Equity Partners zu Etihad stiess, zum Chief Commercial Officer ernannt. Damit ist er für die kommerzielle Strategie der Airline inklusive Cargo sowie für Sales/Marketing, Revenue Management, Kundendienst, Netzwerk-Planung und Allianzen zuständig.
Douglas hat gegenüber «Reuters» erklärt, dass die Restrukturierung zu einem - noch nicht näher definierten - Abbau im Senior- und Middle-Management führen werde. In Italien wurden bereits einschneidende Massnahmen verkündet, gegen welche sich nun Gewerkschaften zur Wehr setzen. Seit Etihad 2016 begann, ihr Businessmodell umzukrempeln, haben laut Douglas bereits Tausende Angestellte das Unternehmen verlassen. Möglicherweise wird nun bei der Golf-Airline also nochmals im Personalbereich abgespeckt.
Welche Allianz kommt in Frage?
Aktuell gibt es ja nur drei nennenswerte globale Airline-Allianzen - Star Alliance, Oneworld und Skyteam. Von den drei grossen Golf-Carriern (Emirates, Etihad, Qatar Airways) ist lediglich Letztere in so eine Allianz eingebunden, nämlich Oneworld, weshalb diese wohl für Etihad kaum in Frage kommt. Star Alliance setzt den Fokus aktuell nicht auf Erweiterung der Vollmitglieder, aber es gibt ja auch andere Partnerschafts-Möglichkeiten. Skyteam, wo Alitalia Mitglied ist, wäre eigentlich die naheliegendste Option. Time will tell.