Flug

Für neue Regionalrouten braucht es neue Flugzeuge - und für solche Strecken eignen sich Turboprops ganz gut. Bild: freakyman

Der Turboprop hat noch lange nicht ausgedient

Der französische Flugzeugbauer ATR sieht in den kommenden 20 Jahren viel Potenzial für seine Turboprop-Flugzeuge - hauptsächlich in den «emerging markets».

Wer heute in eine Turboprop-Maschine einsteigt, rümpft nicht selten die Nase. «Was, ich muss mit Propellern fliegen?», heisst es dann und es wird ein langsamer und lauter Flug befürchtet. Doch damit tut man dem Turboprop eigentlich unrecht. Denn Turboprops sind auf kürzeren Strecken, wo man keine sehr hohe Reiseflughöhe und grosse Geschwindigkeiten erreichen muss, effizienter als Jets. Will heissen, im Regionalflugverkehr haben Turboprops nicht nur ihre Berechtigung, sondern gar eine gute Zukunft.

Dies glaubt jedenfalls der weltweit grösste Turboprop-Flugzeugbauer, die Firma ATR in Toulouse («ATR» steht sinnigerweise für «Avions de Transport Régional»). Das Unternehmen, welches im Besitz des französischen Flugzeugbauers Airbus und des italienischen Technologieunternehmens Leonardo S.p.a. ist, rechnet laut Reuters in den kommenden 20 Jahren global mit Aufträgen für über 3000 Turboprops. Dies, weil laut einer Einschätzung des Unternehmens in den kommenden 20 Jahren rund 2770 neue Flugrouten eröffnet werden. Auf diese Zahl kommt ATR, indem davon ausgegangen wird, dass bis Ende 2037 rund 30 Prozent des globalen Regionalflugverkehrs auf heute noch gar nicht existierenden Routen abgewickelt wird.

Das grösste Nachfragepotenzial ortet ATR – wenig überraschend – in Asien, wo noch zahlreiche bislang schlecht mit Luftverbindungen versorgte Orte miteinander verknüpft werden könnten. 43 Prozent der Nachfrage für Turboprops soll in den kommenden 20 Jahren aus diesem Kontinent kommen, gefolgt von Europa, Afrika und Mittlerem Osten (EMEA, 31 Prozent) und dem amerikanischen Kontinent (26 Prozent). 80 Prozent der Nachfrage wird im Bereich der 60- bis 80-Sitzer erwartet, welchen ATR mit dem ATR72 bedient; der Rest im Bereich der 40- bis 60-Sitzer, wo der ATR42 auf dem Markt ist.

Doch schon jetzt läuft das Geschäft gut. Laut ATR machen Turboprops im Regionalflugbereich mit Flugzeugen bis zu 90 Sitzen rund 50 Prozent der globalen Verkäufe aus, wovon den grössten Teil ATR und Bombardier verkauft haben. ATR sieht überdies für die Zukunft auch steigenden Bedarf für Turboprops im Cargobereich. Die Marktprognose von ATR im Detail gibt es hier als PDF-Download.

(JCR)