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Die IATA ist kein Ort für Frauen
Akbar Al-Baker, CEO von Qatar Airways, wurde kürzlich als neuer Chairman des Airline-Dachverbands IATA ins Amt eingeführt. Dabei trat er gleich in ein ziemlich dickes Fettnäpfchen: Bei seiner Antrittsrede in Sydney sagte er doch tatsächlich: «Natürlich muss die IATA von einem Mann geführt werden, denn dies ist eine sehr herausfordernde Rolle.»
Schon während der Rede führte dies offenbar zu Missbilligungskundgebungen, doch Al-Baker schaffte es tatsächlich, seine Situation noch zu verschlechtern, als er später im Rahmen einer Pressekonferenz nochmals darauf angesprochen wurde: «Ich sprach nur über eine Person [sprich: sich selber bzw. seine Rolle] und nicht generell über die IATA-Belegschaft.» Und obendrauf noch das: «Es würde mir eine Freude sein, eine weibliche CEO-Kandidatin zu haben, welche ich ausbilden kann, dass sie meine Nachfolge antreten kann.» Klingt doch ziemlich herablassend…
Al-Baker schob dann noch hintendrein, dass bei Qatar Airways ein Drittel der Belegschaft weiblich sei und es keine unterschiedliche Behandlung der Geschlechter gebe. Mag sein, aber wenn es um den Top-Job geht, sieht Al-Baker offenbar doch eine geschlechterspezifische Limitierung. Der Aufschrei in den Medien ist gross.
Eine einzige Frau im 31-köpfigen Board
Spannend wäre nun zu sehen, was die Mitglieder des IATA-Board zu Al-Bakers Äusserung sagen. Grosse Erwartungen sollte man nicht haben: Im 31-köpfigen Board sitzt gerade mal eine Frau, und die kommt von einer vergleichsweise unbedeutenden Airline, nämlich Christine Ourmières-Widener von FlyBe. Sie ist eine von ganz wenigen Airline-CEOs und blickt auf eine 30-jährige Karriere in der Luftfahrt zurück. Ob sie tatsächlich einen schlechteren Job als Al-Baker machen würde? Wohl kaum. Aber die Zusammensetzung des Boards zeigt, wie wenige Frauen in den Top-Etagen der globalen Luftfahrt vertreten sind, auch im 21. Jahrhundert. So sieht das aktuelle IATA-Board aus:
- Calin Rovinescu, Air Canada
- María José Hidalgo Gutiérrez, Air Europa
- Franck Terner, Air France
- Douglas Parker, American Airlines
- German Efromovich, Avianca
- Rupert Hogg, Cathay Pacific
- Liu Shaoyong, China Eastern Airlines
- Tan Wangeng, China Southern Airlines
- Pedro Heilbron, Copa Airlines
- Safwat Musallam, Egyptair
- Tewolde GebreMariam, Ethiopian Airlines
- David Bronczek, Fedex Corporation
- Christine Ourmières-Widener, FlyBe
- Luis Gallego Martin, Iberia
- Yuji Akasaka, Japan Airlines
- Naresh Goyal, Jet Airways
- Robin Hayes, Jetblue
- Sebastian Mikosz, Kenya Airways
- Pieter Elbers, KLM
- Yang Ho Cho, Korean Air
- Enrique Cueto, Latam
- Harry Hohmeister, Lufthansa Group (Chairman Austrian Airlines)
- Carsten Spohr, Lufthansa Group
- Mohamad El-Hout, Middle East Airlines
- Alan Joyce, Qantas
- Akbar Al Baker, Qatar Airways
- Rickard Gustafson, Scandinavian Airlines
- Saleh Nasser Al Jasser, Saudi Arabian Airlines
- Goh Choon Phong, Singapore Airlines
- Oscar Munoz, United Airlines
- Pham Ngoc Minh, Vietnam Airlines
Mal schauen, wie die Situation im nächsten Jahr aussehen wird. Die 75. Jahres-Generalversammlung der IATA wird vom 2.-4. Juni 2019 in Seoul stattfinden.