Flug
Ein teurer Streik: Lufthansa unter Druck
Der siebentägige Streik der Flugbegleiter aus der vergangenen Woche könnte die Lufthansa eine dreistellige Millionensumme gekostet haben. Hinzu kommt der Schaden von gut 350 Millionen Euro durch die seit 2014 laufenden Streikwellen der Piloten. Angesichts der Dauerstreiks bei der Lufthansa drängen Aktionärsvertreter den Konzern zu einer Klärung vor Gericht. "Die Eigentümer appellieren an die Verwaltung, hier mehr Mut zu zeigen, ganz neu zu denken", sagte Marc Tüngler, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), gegenüber dem deutschen "Handelsblatt".
Es brauche eine endgültige Klärung, was Gewerkschaften dürfen. Tüngler hält eine Sonderprüfung wegen der Rolle der Gewerkschafter im Aufsichtsrat für denkbar, aber auch Schadenersatzklagen des Konzerns sowie eine Aktionärsklage. Tüngler stösst sich an der Doppelrolle der Gewerkschaftsvertreter, die einerseits dem Wohl der Mitarbeiter, andererseits aber als Aufsichtsräte dem Wohl der Gesellschaft verpflichtet seien.
Eventuell eigene Klage
Die Lufthansa verwies auf ihre laufende Klage gegen die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, von der sie rund 60 Millionen Euro Schadenersatz fordert. DSW-Sprecher Tüngler kündigte an, vor der Generalversammlung 2016 mit anderen Investoren über ein koordiniertes Vorgehen zu sprechen. Wenn die Lufthansa nicht selbst mit einer grundsätzlichen Klage aktiv werde, "könnten wir eine solche einreichen", sagte er.
Wie es punkto Streiks weitergeht ist derzeit offen: Während sich die Lufthansa gesprächsbereit zeigte, vermisste Ufo-Chef Nicoley Baublies ein Signal der Konzernleitung. "Wir müssen nach diesem Streik nicht ganz schnell etwas nachlegen, aber grundsätzlich sind wir streikbereit", sagte er. "Kurzfristig geplant ist nichts, es hängt jetzt sehr davon ab, wie sich der Konzern verhält."
Konten und Kanzlerin
Neben den möglichen Klagen, ist der Konzern auch noch mit Hackerattacken beschäftigt. Die Lufthansa empfahl allen Kunden mit Lufthansa-Konten, vorsorglich ihre Passwörter zu ändern, sofern sie diese auch für andere Seiten verwenden. Offenbar hat es Versuche gegeben, Konten zu kapern.
Immerhin gab es für die Swiss-Muttergesellschaft auch erfreuliches. Am 18. November besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals den Konzern. In der riesigen Wartungshalle von Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen taufte sie den 14. Airbus A380 auf den Namen Deutschland.
Am gleichen Tag gab es allerdings in der Cockpitscheibe eines Lufthansa-Flugzeugs einen Riss. Die A320 von Frankfurt nach Talin musste ausserplanmässig landen. An Bord war auch der estnische Präsident.