Flug
Die Alitalia, ein offenes Buch
Alitalia schleppt einen Schuldenberg von rund drei Milliarden Euro mit sich herum, dem lediglich Vermögenswerte von 921 Millionen Euro gegenüberstehen. Trotzdem geht der Verkauf offenbar besser voran als erwartet. «Wir arbeiten daran, 32 Interessensbekundungen zu bewerten», sagte Stefano Paleari, einer von insgesamt drei Sonderbeauftragten gemäss italienischen Medien.
Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Formelle Gebote gibt es noch nicht. Die Regierung in Rom hatte Mitte Mai den Startschuss für den Verkaufsprozess der unter Sonderverwaltung stehenden Traditions-Airline gegeben.
In der Branche hatte sich eigentlich kein grosses Interesse abgezeichnet. Konkurrenten wie Lufthansa, Norwegian Air, Air France-KLM und Ryanair hatten zuvor abgewinkt, doch für einen Blick in die Bücher des Rivalen dürften auch einige Fluglinien ihr Interesse bekundet haben. Die italienische Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» nennt unter anderen Delta Air Lines, Hainan Airlines, Air China, Air France, British Airways und Turkish Airlines als Fluggesellschaften, die offiziell die Unterlagen eingereicht hätten.
Lufthansa an Flugzeugen interessiert
Neben verschiedener Finanzinvestoren soll angeblich auch Etihad neues Interesse bekunden. «Wir sind offen, alle Optionen zu prüfen, um diese Verbindungen beizubehalten und möglicherweise zum gemeinsamen Vorteil zu vertiefen», sagte ein Etihad-Sprecher. Die Alitalia-Sonderverwalter arbeiten derzeit an einem Geschäftsplan für das Unternehmen, der Ende Juli vorliegen und über 18 Monate reichen soll. Alitalia wollte sich zu dem Thema am Dienstag nicht äussern.
Die Lufthansa hatte eine Übernahme der Alitalia bereits abgelehnt. Dies bekräftigte Konzernchef Carsten Spohr nun erneut. Doch sollten Flugzeuge oder Slots von Alitalia einzeln zum Verkauf angeboten werden, wolle sich Lufthansa die Angebote «anschauen», zitiert die «FAZ» den Manager. Spohr verwies dabei auf ein mögliches Wachstum der Billigtochter Eurowings.