Flug

Samstag Mittag im Arrival 2 am Flughafen Zürich: Kein Platz mehr für die innige Begrüssung. Bild: TN

Einwurf Küsse an der Glasscheibe

Gregor Waser

Mehrfach und immer wieder wird der Flughafen Zürich ausgezeichnet. Doch einen Makel hat er.

In den 80er- und 90er-Jahren waren mehrwöchige Trips wohl öfters angesagt als heute. Die Arbeitgeber und der Arbeitsmarkt liessen längere Breaks zu. Mal gings nach Südostasien, dann nach Mittelamerika. Emails von unterwegs gab es noch keine, Messages über Facebook und Whatsapp waren Science-Fiction. Eine Postkarte war das einzige Lebenszeichen, das man von sich gab. Weg war man von seinen Leuten. Sehnsucht war noch ein Reisebegleiter und die Vorfreude auf die Rückkehr gross.

Das Highlight in der Ankunftshalle im damaligen Terminal B am Flughafen Zürich-Kloten: die lange Glasscheibe. Freunde und Familienmitglieder abzuholen, waren sie längere Zeit weg, war ein Ritual, ein Happening. Mit Blumen, Prosecco, Schriftrollen – und Küssen an der Glasscheibe.

Im Arrival 2 herrscht Ellbogenrecht, Trolley quetschen sich durch

25 Jahre später ist das Abholen ein Stress. Im Zuge von Umbauarbeiten wurde im Sommer 2010 die Glasscheibe abgedeckt. Wohl auch die Zöllner hatten keine Freude an der Kommunikationsmöglichkeit durch die Scheibe. Dann wurde zwar die Zufahrt und der untere Stock des Terminals 2 erweitert. Und im Arrival 2 stehen sogar mehr Quadratmeter für die Abholer zur Verfügung als früher, aber nur in der Breite.

Von dort, wo die Eintreffenden vollbepackt mit ihren Trolleys herauskommen bis zur Schiebetür nach draussen, sind es nur wenige Meter – ein Nadelöhr. Und hier stehen sie alle. Das Gedränge der Abholer und der Ankommenden ist riesig. Man erkennt sich in der Menschenmenge nicht und falls doch, kommt man kaum zueinander hin.

Am schlimmsten ist es am Samstag Mittag. Die Abholer haben frei, die Kinder sind dabei. Fast gleichzeitig gelandet sind die Emirates aus Dubai, die Qatar Airways aus Doha, die Aeroflot aus Moskau. Im Arrival 2 herrscht Ellbogenrecht, Trolleys quetschen sich durch.

Ein Happening ist das nicht mehr. Schade. Der Flughafen Zürich hat die einst emotionalste Seite verloren.