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«Wir gehen davon aus, dass das jetztige Pistensystem nicht verändert werden kann», sagt Stefan Widrig, CEO der Flughafen Zürich AG. Bild: TN

Stephan Widrig: «Wir wollen nicht mit den Mega-Hubs wetteifern»

Linda von Euw

Die Flughafen Zürich AG informierte über das vergangene Geschäftsjahr und gab Ausblick auf die laufenden Projekte und Vorhaben.

Die Flughafen Zürich AG informierte heute Morgen über das vergangene Geschäftsjahr. Das Gute vorneweg: Die Passagierzahlen haben einen neuen Rekordwert erreicht – insgesamt reisten 27‘666‘428 Menschen im Jahr 2016 über den grössten Schweizer Flughafen. An insgesamt acht Spitzentage verzeichnete man erstmals über 100‘000 Passagiere pro Tag. Der Anteil Lokalpassagiere nahm um 6,5 Prozent auf 20 Millionen zu. Die Transferpassagiere reduzierten sich von 28,5 Prozent im Jahr 2015 auf 28,5 Prozent. Durchschnittlich verzeichnete man pro Flug 117,2 Passagiere– im Jahr zuvor waren es 113,7. Das Sitzplatzangebot von und nach Zürich erhöhte sich um 6,6 Prozent, die Auslastung der Flugzeuge sank hingegen im letzten Jahr um einen Prozentpunkt auf 75,8 Prozent.

Total verzeichnete man 269‘160 Flugbewegungen, was eine Zunahme von 1,5 bedeutet. Stephan Widrig, CEO der Flughafen Zürich AG, sagt dazu: «Die Flugbewegungen stiegen unterproportional. Ein Grossteil der zusätzlichen Nachfrage konnte ohne zusätzliche Flugbewegungen bewältigt werden, was aber kaum beliebig so fortsetzbar ist.» Damit spricht er das wohl grösste Problem an, mit dem der Flughafen Zürich zu kämpfen hat: Der Flughafen läuft schon heute nahe an der Kapazitätsgrenze, die in zehn bis fünfzehn Jahre definitiv erreicht sein dürfte.

Seit 20 Jahren habe man während der Spitzenzeiten am Mittag die Slots nicht mehr erhöht – im Schnitt seien das 66 Slots pro Stunde. Das Pistensystem sei seit dem Jahr 1976 unverändert geblieben, der Verkehr habe sich in dieser Zeit aber verdreifacht. «Stellen sie sich vor, wir würden heute noch auf dem Strassen- oder Schienennetz von 1976 operieren», sagt Widrig. Wenn man die Kapazität langfristig erhöhen wolle, sei man aber auf die Weitsicht und Unterstützung von Bund und Kanton angewiesen.

travelnews.ch hat den CEO gefragt, wie die Kapazitätserweiterung konkret aussehen könnte:

39.40 Franken gibt ein Passagier im Durchschnitt für Speis und Trank aus

Nebst der bereits erfolgten Inbetriebnahme der neuen Vorfahrten, die laut Widrig eine gestalterische Aufwertung des Flughafens seien und gleichzeitig die Staus und Engpässe bei der Zufahrt beseitigt hätten, wurde auch das 40 Jahre alte Parkhaus 6 renoviert. Die Kapazität wurde verdoppelt – mit rund 7‘500 Parkplätzen ist das P6 nun eines der grössten Parkhäuser Europas.

«Der Homecarrier Swiss hat ebenfalls kräftig investiert – das Sitzplatzangebot wird bis ins Jahr 2018 auf rund 20 Prozent erhöht. Dies unter anderem dank der Erweiterung der Flotte, die die Qualität des Hubs-Produktes stärkt und dank derer wir mehr Passagiere ohne zusätzliche Flugbewegungen abfertigen und nebenbei auch noch Lärmemissionen reduzieren können», erklärt Widrig. Weitere Langstrecken-Destinationen würden bei der Swiss allerdings kaum dazukommen, dies aufgrund der bereits angesprochenen fehlenden Slots zu den Tagesspitzen.

Im letzten Jahr konnte die Flughafen Zürich AG nicht nur den Gewinn um 11,2 Prozent auf 239,5 Millionen Franken steigern, sondern auch die Erträge im Nicht-Luftfahrtgeschäft. Diese betrugen total 392,4 Millionen und damit 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Durchschnitt gab ein Passagier für Essen und Getränke im Abflugbereich 39.40 Franken aus. Im harten Kommerzgeschäft sei dies ein sehr gutes Resultat, wie Lukas Brosi, CFO Flughafen Zürich AG, sagt.

Fokus im Auslandgeschäft liegt weiterhin auf Lateinamerika

Auch im laufenden Jahr wird man weiter investieren. So werden in den nächsten Jahren alle Dutyfree-Shops renoviert. «Wir bauen derzeit zusätzliche Standplätze im Süden und Westen des Flughafens und auch ein Spottinghügel ist geplant. Ein grosses Projekt wird die Erneuerung der Gepäcksortieranlage, diese bedingt aber den Rückbau bestehender Bürogebäude im Umfeld des Terminal 1, wir beginnen damit Ende dieses Jahres.» Der Bau der neuen Gepäcksortieranlage soll bis zum Jahr 2023 abgeschlossen sein, hierfür investiere man 400 Millionen Franken. Weitere 130 Millionen sind für «The Circle» budgetiert.

Bei den Auslandsbeteiligungen, wie man sie seit 2013 am brasilianischen Airport Belo Horizonte hat, halte man die Augen vor allem in Lateinamerika nach weiteren interessanten Projekten offen. «Das internationale Geschäft ist in unserer Strategie verankert. Wir wollen in den nächsten drei bis fünf Jahren rund zehn Prozent des Unternehmensergebnis aus internationalen Geschäften erwirtschaften. Heute ist dies auf Gewinnstufe ein einstelliger Millionenbetrag», sagt Brosi. Und Widrig ergänzt: «Wir wollen im Ausland vor allem unser Know-how als Flughafenbetreiber einbringen, sei dies in Form von Managementverträgen oder Beteiligungen.»

Das Hauptziel sei aber der Betrieb eines qualitativ hochstehenden Luftfahrtdrehkreuzes im Herzen Europas: «Wir wollen nicht mit den Mega-Hubs wie London Heathrow oder Frankfurt wetteifern, sondern sicherstellen, dass die gute interkontinentale Anbindung Zürichs, welche für den Wohlstand unseres Landes eine wichtige Voraussetzung ist, erhalten und entlang dem Volkswirtschaftswachstum weiterentwickeln», sagt Widrig.