Flug

Mit dem richtigen Training, der nötigen Ausbildung und dem Support der Flugsicherung sind Landungen im dichten Nebel machbar. Bild: HO

Blinde Landung, kein Problem

Linda von Euw

Bei Nebel oder Schnee greifen Airlines und Flugsicherungen auf verschiedene Massnahmen zurück, um sichere Landungen zu gewährleisten.

Viele Pisten europäischer Flughäfen wurden in den letzten Tagen eingeschneit und die Sicht war spärlich. In den Vereinigten Arabischen Emiraten kämpfte jüngst der Dubai Airport mit dichtem Nebel – viele Flugzeuge konnten nicht landen, weil die Piloten nicht über die nötige Lizenz verfügten für den Anflug bei reduzierter Sicht. Flugverspätungen oder Anflüge auf Alternativeflughäfen häuften sich in den letzten Tagen. travelnews.ch hat sich bei Experten umgehört, was die Wetterkapriolen für Airlines und Piloten in der Schweiz bedeuten.

Für die Flugsicherung am Flughafen Zürich sind widrige Wetterbedingungen grundsätzlich kein Problem: «Bei Schneefall, dichtem Nebel oder allgemein eingeschränkten Sichtverhältnissen, arbeitet die Flugsicherung im Tower mit dem Bodenradar – damit können alle Flugzeuge und Fahrzeuge identifiziert werden. Ausserdem vergrössern wir in diesem Fall den Abstand zwischen den landenden Flugzeugen», sagt Vladi Barrosa, Mediensprecher von Skyguide.

Die Piloten selber können beim Anflug auf Zürich auf das Blindlandesystem (ILS) zurückgreifen – ausserdem muss jede Airline mit dem Einreichen des Flugplans einen Ausweich-Flughafen, den sogenannten Alternate, angeben. Bei Landungen in Zürich wählen die Airlines laut Barrosa meistens Basel als Alternative. Diese Alternative würde angeflogen, wenn ein Pilot zum Beispiel aufgrund heftiger Windböen mit anhaltenden Problemen bei der Landung in Zürich konfrontiert sein sollte.

Aber auch die Piloten üben den Ernstfall regelmässig. Karin Müller, Mediensprecherin der Swiss, erklärt:«Unsere Piloten durchlaufen eine mehrjährige Ausbildung, die auch Landungen bei schwierigen Wetterverhältnissen beinhaltet. Zudem wird das Low Visibility Training zweimal pro Jahr sowie bei jeder Umschulung auf einen neuen Flugzeugtyp im Simulator absolviert.» Ausserdem müssen die Piloten jedes Jahr im Herbst eine Wiederholungsübung bestehen, damit sie für den Winterflugbetrieb gerüstet seien. Alle der rund 1300 Piloten der Swiss sind also in der Lage, auch bei schlechten Wetterbedingungen zu landen.

450 Liter wird für die Enteisung eines A330 benötigt

Auch die Helvetic Airways bildet ihre Piloten für Schlechtwetterlandungen mit Sichtweite von weniger als 550 Meter selber aus. «Dafür müssen die Piloten alle sechs Monate in den Simulator, um solche Anflüge zu üben», sagt Tobias Pogorevc, Chief Financial Officer der Helvetic Airways. Diese Ausbildung gehöre ins normale Trainingsprogramm, sowohl für den F100, wie auch für den E-Jet. «Während Zürich wie die meisten anderen grossen Flughäfen über ein Blindlandesystem verfügt, sind die Piloten bei kleineren Flughäfen wie beispielsweise Bern auf sich selber gestellt.» Die Alternativflugpläne würden deshalb in der Regel wenige Stunden vor Abflug eingegeben, so dass man eine Alternative wählen könne, die für eine allfällige Ausweichslandung bessere Wetterbedingungen aufweise. Bei weniger gut ausgerüstet Flughäfen wie beispielsweise Florenz könne es durchaus passieren, dass man auf die Alternative zurückgreifen müsse: «Bei einer Hochnebellage kann es vorkommen, dass ein kleinerer Flugplatz für ein paar Tage geschlossen ist», sagt Pogorevc.

Ein weiteres Problem, das der Winter mit sich bringt: Bei kalten Temperaturen müssen die Flugzeuge vor dem Start von Eis und Schnee befreit werden, weil die Vereisung an Tragflächen und Leitwerken die aerodynamischen Eigenschaften des Flugzeugs verschlechtert. In diesem Fall rollen die Flugzeuge kurz vor dem Start durch die Enteisung am Flughafen Zürich und durchlaufen dabei zwei Verfahren: Beim De-Icing entfernt Warmwasser von 80 Grad Celsius Eis und Schnee von den Tragflächen, während beim Anti-Icing zusätzlich Additive gespritzt werden, damit sich während der Start- und Steigphase auf den Flügeln eine Schutzschicht bildet. Für die Enteisung eines Grossraumflugzeugs wie dem Airbus A330 sind rund 450 Liter heisses Wasser und 350 Liter Enteisungsmittel (Propylenglykol) notwendig.