Flug
Hat Hogan zu viel gewagt?
Die Golf-Airline hat Beteiligungen an den kriselnden Airlines Air Berlin und Alitalia – diese flogen der Etihad Verluste ein. Die Airline prüfe nun ihr Europageschäft – von einem Rückbau oder gar Notverkäufen ist die Rede. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sollen Insider des Unternehmens den Abgang des Etihad-Chefs James Hogan vorausgesagt haben.
Unter dem Australier ist Etihad ist in den vergangenen Jahren bei mehreren Sorgenkindern der europäischen Luftfahrtbranche eingestiegen. Bei der seit Jahren verlustreichen zweitgrössten deutschen Fluglinie Air Berlin ist die Staatsairline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit knapp 30 Prozent grösster Aktionär. Das Engagement hat Etihad bislang mehr als eine Milliarde Euro gekostet, bei der italienischen Alitalia haben die Scheichs noch mehr Geld in den Sand gesetzt.
Die Investments sollten Zugang zum europäischen Markt bringen sowie Fluggäste an das Drehkreuz Abu Dhabi locken, um sie von dort mit Etihad weiterzufliegen. Doch nun könnten die teuren Ausflüge Chef Hogan den Job kosten. Im Verwaltungsrat hat er laut «Handelsblatt» das Vertrauen verloren, im Januar soll dem Vernehmen nach mit dem Strategiewechsel begonnen werden. Demnach soll Aufsichtsrat Ahmed Ali Al Sayegh die Neuordnung des Europageschäfts in die Hand nehmen. Geprüft wird laut den Insidern auch ein Verkauf der Beteiligungen unter Wert.
3000 Jobs stehen auf der Kippe
Bei Air Berlin läuft bereits ein Rettungsplan. Ein Teil der Flotte wird an die Lufthansa vermietet, zudem lagert das Unternehmen Beteiligungen mit Hilfe von Etihad aus, um mit dem Ferienflieger TuiFly ein Gemeinschaftsunternehmen zu betreiben. Über kurz oder lang könnte der Rest von Air Berlin dann bei der Lufthansa landen, hiess es in dem Bericht.
Etihad selbst steht derzeit ebenfalls vor Sparmassnahmen, das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre hat sich abgeflaut. Am Montag hatte ein Sprecher der Golf-Airline einen Umbau bestätigt, der die Kosten senken und Umsatz wie Produktivität steigern soll. Dabei würden auch Stellen wegfallen. Bis zu 3000 von 26'000 Jobs stehen auf der Kippe, sagten informierte Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg
Das Agieren der Etihad erinnert an die Hunter-Strategie der Swissair unter Philippe Bruggisser. Mit Minderheitsbeteiligungen an angeschlagenen Airlines wollte man im Ausland wachsen. Für die Swissair ging der Plan bekanntlich nicht auf – ob der Golf-Carrier eine bessere Lösung findet, wird sich nächstes Jahr zeigen.