Flug
Kommentar Ein Proteststürmli und People’s PR-Köcher
Gregor WaserDie People’s Viennaline ist die führende Airline mit Basis in der Schweiz – gemessen am Verhältnis Flottengrösse zu PR-Output. Die Airline verfügt in Altenrhein SG zwar nur über ein einziges Flugzeug, dazu noch ein gemietetes. Gefühlt ist die Frequenz der verschickten Pressemitteilungen aber grösser als jene der 98 Flugzeuge betreibenden Swiss.
Gut, People’s hat ja durchaus etwas zu erzählen. Die Ankündigung, ab dem 2. November den weltweit kürzesten Linienflug zu betreiben – in acht Minuten von Altenrhein über den Bodensee nach Friedrichshafen und weiter nach Köln – schaffte es schliesslich in den weltweiten Blätterwald, bis in den Spiegel und zu CNN.
Weniger gut kommt der Betrieb der Kürzeststrecke bei lokalen Politikern an, insbesondere bei den Grünen. Von Schwachsinn und ökologischem Unsinn ist die Rede, auch in den Leser-Kommentaren fallen Worte wie «Idiotie». Schliesslich würden bei Start und Landungen die grössten Emissionen anfallen.
Baldige Post von People's
Auf ein solches Proteststürmli zieht People’s Kommunikations-Abteilung locker einen nächsten Pfeil aus dem Köcher und meldet anfangs Woche unverhohlen: «People’s fliegt grün». Die Airline biete ihren Kunden die Möglichkeit, selbst einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und den CO2-Fussabdruck auszugleichen, mit einer Zahlung pro geflogenem Flugkilometer. Die Möglichkeit bietet zwar jedes Reisebüro seit Jahren an, tönen tuts aber gleichwohl gut.
Doch drei Tage später fällt auf: die Öko-Meldung war wohl gar keine Reaktion auf den Politiker-Protest, sondern eher eine präventive Note vor der nächsten Ankündigung. Denn gestern Donnerstag gabs von People’s schon wieder Post: die Airline lanciert einen weiteren Flug über den Bodensee, von Friedrichshafen über Altenrhein und weiter nach Wien.
Gespannt blicken wir in die Ostschweiz, wie die Reaktionen darauf nun ausfallen – und auf baldige Post von People’s...