Flug
Über das LH-Fitnessprogramm, einen Musterschüler und einen Sparfuchs
NZZ: Der annähernd 120 000 Mitarbeiter beschäftigende Lufthansa-Konzern verschreibt sich einem weiteren Fitnessprogramm und unternimmt gleichzeitig den Versuch, mit einer vielschichtigen Reorganisation des Fluggeschäfts dieses näher an die Kundschaft zu bringen.
Tages-Anzeiger: Harry Hohmeister, in der fünfköpfigen Lufthansa-Konzernleitung ab 1. Januar Chef der neu geschaffenen Sparte Qualitäts-Airlines, muss die Kosten von Swiss, Lufthansa und Austrian Airlines um mindestens 20 Prozent senken, damit sie international wieder mithalten können. (...) Markus Binkert, der kommerzielle Chef der Swiss, und sein Team seien schon heute beim Ertragsmanagement die Musterschüler im Konzern, sagte Konzernchef Carsten Spohr, hier sei die Schweiz "weiter als die anderen Standorte, das wollen wir jetzt weltweit nutzen".
Blick: Thomas Klühr (53) ist eine treue Seele. Der neue Swiss-CEO arbeitet seit über 25 Jahren im Lufthansa-Konzern. Der Nachfolger von Harry Hohmeister (51) gilt als enger Vertrauter von Lufthansa-Chef Carsten Spohr (48), als cleverer Stratege und als Mann von klaren Worten. «Extrem ärgerlich» nannte er 2014 einen der zahlreichen Pilotenstreiks. «Es kann nicht sein, dass Spartengewerkschaften ganze Unternehmen lahmlegen.»
Aargauer Zeitung: Nach sechs Jahren als Chef übergibt Hohmeister seinem Nachfolger eine gesunde Airline. Die Airline fliegt sehr profitabel. Die Erneuerung der Swiss-Flotte ist auf Kurs und auch den lange schwelenden Streit mit den Piloten hat Hohmeister gelöst. Unter Hohmeisters Führung befand sich die Swiss im Steigflug. Von 2009 bis 2014 steigerte die Airline den Umsatz um knapp ein Fünftel auf 5,2 Mrd. Franken. Das operative Ergebnis schoss gar um über das Doppelte von 146 Mio. auf 347 Mio. Fr. nach oben. Dabei half allerdings die die geänderte Abschreibungspolitik der Lufthansa-Gruppe. Seit Anfang 2014 werden neue Flugzeuge und Reservetriebwerke über 20 Jahre statt bisher über 12 Jahre abgeschrieben, was jährlich geringere Abschreibungen mit sich bringt. Ohne diesen Effekt wäre der Gewinn leicht unter dem Vorjahresergebnis von 264 Mio. Fr. gelegen.
Luzerner Zeitung: Und dem 53-Jährigen schlugen gleich die Erwartungen der Gewerkschaften entgegen: Die neue Organisationsstruktur der Lufthansa höre sich zunächst gut an, erklärte Henning Hoffmann von der Pilotengewerkschaft Aeropers. "Die Frage ist nur, wie dies konkret umgesetzt wird. Wir sind gespannt, welche Kompetenzen Herr Thomas Klühr konkret noch haben wird, wenn die Swiss in Themen wie Marketing, Planung oder Vertrieb nicht mehr eigenständig ist", urteilte Hoffmann: "Es stellt sich die Frage, ob hier nicht ein faktischer Abbau der schweizerischen Eigenständigkeit hinter schönen Worten kaschiert wird."
Süddeutsche Zeitung: Konzernchef Carsten Spohr meint es Ernst mit dem Billigkonzept Eurowings. Auch durch den erbitterten Widerstand der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will er sich vom Umbau nicht abbringen lassen. Zudem ist das Konzept ein weiterer Schritt zu mehr Zentralismus. (...) Mit seinem Programm greift Spohr vergleichsweise tief in die Lufthansa-Strukturen ein. So wird die Zahl der Führungskräfte um 15 Prozent reduziert, eine der vier Führungsebenen unterhalb des Vorstandes wird abgeschafft. Vor allem aber werden im klassischen Fluggeschäft Funktionen für alle drei Airlines zusammengefasst. So ist etwa der bisherige Vertriebschef Jens Bischof künftig nicht nur für Lufthansa, sondern auch für Swiss und Austrian zuständig; das Marketing für alle drei Airlines wird in München, die Produktstrategie in Wien und das Erlösmanagement in Zürich angesiedelt.
Der Spiegel: Die andere Herausforderung wird es, die neue Konzernstruktur auch dem Kunden schmackhaft zu machen. Eurowings soll sich künftig an Billigwettbewerbern wie Easyjet orientieren, bei denen jedes Extra zusätzlich kostet. Lufthansa dagegen soll dank exklusiver Services noch in diesem Jahr zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Kontinents aufsteigen. Trotz dieser Unterschiede kündigte Lufthansa nun "ein integriertes und durchgängiges Reiseerlebnis" über alle Drehkreuze und Fluggesellschaften hinweg an. Wie genau dieser Spagat gelingen soll, ist offen. Die Vereinheitlichung betreffe vor allem praktische Fragen wie die Reservierung oder Gepäckvorgaben, beschwichtigte Spohr. Selbstverständlich aber würden Lufthansa-Stewardessen auch künftig keine Eurowings-Uniformen tragen und Kunden der Schweizer Konzerntochter weiterhin die sogenannte "Swissness" erleben. "Es wird ein unterschiedliches Erlebnis sein."