Flug
Trümmerteile gefunden, Terrorakt wahrscheinlich
Nach dem Absturz der Egypt Air MS804 in der Nacht auf Donnerstag, kursierten gestern Meldungen über erste Wrackteil-Funde, die kurz darauf wieder dementiert wurden. Vor wenigen Minuten gab nun das ägyptische Militär bekannt, rund 290 Kilometer nördlich der ägyptischen Stadt Alexandria Wrackteile der abgestürzten EgyptAir-Maschine gefunden zu haben. Darunter sollen persönliche Gegenstände der Passagiere sein. Die Suche nach dem Flugschreiber gehe weiter.
Die MS804 befand sich zum Absturz-Zeitpunkt südöstlich der griechischen Insel Kreta und etwa 280 Kilometer vom ägyptischen Festland entfernt. Schiffe und Fluzgzeuge aus Frankreich, Griechenland, Ägypten wie auch ein Containerschiff der Hamburger Reederei Hapay-Lloyd helfen bei der Suche nach der Maschine.
Die ägyptischen Behörden wie auch Frankreichs Präsident Francois Hollande halten einen terroristischen Anschlag für wahrscheinlich. Die Umstände würden darauf hinweisen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags wesentlich höher sei als ein technischer Fehler, wie Ägyptens Luftfahrtminister Sherif Fathi gestern Nachmittag sagte.
Der Airbus sei im ägyptischen Luftraum in einer Höhe von knapp 11'300 Metern ins Trudeln geraten, sagte der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos. Im Anschluss soll die Maschine eine 90-Grad-Drehung nach links und danach eine 360-Grad-Drehung nach rechts gemacht haben und auf 4'500 Meter gefallen sein. Kurz darauf und etwa 30 Minuten bevor das Flugzeug in Kairo hätte landen sollen, verschwand die Maschine vom Radar.
Erfahrener Pilot, unauffälliges Flugzeug
Damit ein Flugzeug ins Trudeln geraten kann, muss der Auftrieb an den Tragflächen abreissen. Unter schnellem Höhenverlust dreht sich die Maschine in so einem Fall wild um die eigene Achse. Da es offenbar kein Notsignal seitens der Piloten gab, ist ein plötzliches Ereignis wie eine Explosion plausibel. Die ägyptischen und französischen Staatsanwaltschaften ermitteln.
Gemäss dem Chef der griechischen zivilen Luftfahrtbehörden hätten sich die Piloten von Flug MS804 noch gegen 01.55 Uhr (MESZ) bei den griechischen Behörden gemeldet und keine Probleme erwähnt. Als sie den griechischen Luftraum verliessen, meldeten sich aber nicht mehr, was unüblich ist.
EgyptAir teilte gestern auf Twitter die Nationalitäten der 56 an Bord gewesenen Passagiere mit: 30 Ägypter, 15 Franzosen und zwei Iraker. Je ein weiterer Passagier kam aus Sudan, Tschad, Algerien, Portugal, Kanada, Grossbritannien, Belgien, Kuwait und Saudi-Arabien.
Laut Hersteller Airbus wurde die Maschine im Jahr 2003 an EgyptAir ausgeliefert. Bisher hat der A320 48'000 Flugstunden absolviert. Zuletzt hob der betroffene Airbus nach Tunesien und Eritrea ab. Der Pilot von MS804 hatte nach Angaben von EgyptAir bereits 6275 Flugstunden absolviert, etwa ein Drittel davon mit Maschinen vom Typ A320. Bei einer europäischen Airline erreicht man 6000 Flugstunden etwa nach zehn Jahren — man darf den Piloten also als erfahren einstufen. Der Copilot kam laut Egyptair auf 2766 Flugstunden.