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Qatar Airways streut Salz in Deltas Wunden

Der Golf-Carrier zeigt Muskeln: Mit einer ausgebauten Beteiligung an IAG sowie der neuen Verbindung von Doha nach Atlanta.

Der Golf-Carrier sorgt weiterhin für Gesprächsstoff — in Europa aufgrund der ausgebauten Beteiligung an IAG, in den USA wegen der Einführung der neuen Doha-Atlanta-Route.

Aber der Reihe nach: Inzwischen gehören Qatar Airways 15,01 Prozent des Airlinekonzerns IAG, der British Airways, Iberia, Vueling und Aer Lingus vereint. Eingekauft hat sich der Golf-Carrier im Januar 2015, zunächst mit 9,99 Prozent. Bis April 2016 erhöhte Qatar Airways ihren Anteil auf 12 Prozent.

Die IAG scheint ein lohnenswertes Geschäft zu sein: Mit einem Betriebsgewinn von 2,3 Milliarden Euro setzte sich der Konzern im vergangenen Jahr an die Spitze der europäischen Airlinebranche. Auch das erste Quartal in diesem Jahr ist vielversprechend: Der operative Gewinn steigerte sich von 25 Millionen auf 168 Millionen Euro.

Und auch sonst arbeitet sich die Airline mit Sitz in Doha beharrlich in fremde Märkte vor. Nun macht die Airline ihrem US-Rivalen Delta Konkurrenz: Neu fliegt Qatar Airways von Doha nach Atlanta. Zur grossen Feier dieser neuen Verbindung lud Qatar CEO Akbar Al Baker ausgewählte Gäste zum exklusiven Jennifer-Lopez-Konzert ins Fox Theatre nach Atlanta ein.

Delta sieht dieses Engagement nicht gern: Sie beschuldigte die Qatar Airways wie auch die anderen Golf-Carriers, dass sie nur aufgrund staatlicher Subventionen in Milliardenhöhe in der Lage seien, grosse Teile des globalen Marktes zu ergreifen. Jill Zuckman von der Vereinigung für einen offenen und fairen Luftraum sagte gegenüber Medien: „Die US-Regierung muss nun prüfen, ob Qatar Airways und andere Golf-Carriers ein Chaos in der amerikanischen Luftfahrtindustrie anrichten und damit Hunderttausende amerikanische Arbeitsplätze bedrohen.“ Auch andere US-Airlines sind überzeugt davon, dass die Golf-Carriers nur mit Hilfe der jeweiligen Regierung im Umfang von Kreditbürgschaften, zinslosen Darlehen, Kapitalspritzen und dank Treibstoffpreis-Absicherungen expandieren können. So sollen die Airlines jeweils über 42 Milliarden US-Dollars von ihrer jeweiligen Regierung erhalten.

Delta ist überzeugt, dass die Qatar scheitern wird

Diesen Vorwürfen widersprechen die Golf-Carriers vehement und verweisen ihrerseits darauf, dass die US-Airlines vom Staat vor der Insolvenz geschützt werden. So oder so: Ab 1. Juni 2016 wird Qatar Airways täglich von Doha nach Atlanta fliegen. Der Erstflug wird mit dem A380 durchgeführt, der 517 Sitzplätze bietet. Danach setzt die Airline ihre bewährte Boeing 777 mit 259 Sitzplätzen ein.

Delta indes ist überzeugt, dass die neue Route der Qatar Airways zum Scheitern verurteilt ist. Nur fünf Personen täglich würden ihre Reise in Atlanta beginnen und in Doha beenden. Delta würde keine Märkte bedienen, die weniger als zehn Passagiere pro Tag hätten, die als „Ursprung- und Ziel-Passagiere“ reisen würden. Und auch keine andere Airline würde so ein Wagnis eingehen. Delta selber musste ihre Atlanta-Dubai-Verbindung im Februar dieses Jahres aufgrund zu geringer Nachfrage einstellen.

Ein Sprecher der Qatar Airways gab sich unbeeindruckt und verwies darauf, dass mindestens 16 Personen täglich zwischen den beiden Städten hin- und herfliegen würden, um Anschlussflüge zu erwischen.

(TN)