Flug

Fertig verhandelt: Die ECTAA setzt ein deutliches Signal gegen die IATA bzw. die Airlines. Bild: Adobe Stock

Die ECTAA geht gerichtlich gegen die IATA vor

Der Europäische Reisebüro- und Reiseveranstalterverband hat eine Kartellbeschwerde gegen den Fluggesellschaftsverband eingereicht. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines langjährigen Konflikts zwischen Vertrieb und Airlines.

Am vergangenen Freitag (24. Mai 2019) hat der Europäische Reisebüro- und Reiseveranstalterverband ECTAA bei der Europäischen Wettbewerbsbehörde eine Kartellbeschwerde gegen den Verband der Fluggesellschaften (IATA) eingereicht. Gegenstand der Beschwerde seien Verstösse gegen die Artikel 101 und 102 des EU-Vertrags.

In einer Pressemitteilung begründet der ECTAA sein Vorgehen folgendermassen und holt dabei etwas aus: «Das wirtschaftliche Verhältnis zwischen Reisemittlern und Fluggesellschaften hat sich weiterentwickelt und nichts mehr mit dem früheren Handelsherr-Handelsvertreter Status zu tun. Fluggesellschaften stehen bei der Vermittlung von Flugtickets in direktem Wettbewerb mit Reisemittlern,während die klassischen provisionsbasierten Vergütungsmodelle abgeschafft wurden. Unverändert ist hingegen, dass Fluggesellschaften Reisemittlern sehr strenge, einseitige und unverhältnismässige vertragliche Bedingungen auferlegen, nämlich durch das IATA Passenger Agency Programme (PAP). Das PAP basiert noch immer auf der Annahme eines Handelsherr-Handelsvertreter Status. Es wurde vor über 40 Jahren entworfen und entspricht nicht mehr der wirtschaftlichen Realität.»

Klare Wettbewerbseinschränkung

Konkret geht die ECTAA davon aus, dass wegen dem PAP der Wettbewerb im Vertrieb von Flugtickets eingeschränkt ist. Eine Änderung des PAP, welche gleiche Bedingungen für alle Vertriebskanäle realisiert hätte, sei aber trotz wiederholter Bitten und Versuche der ECTAA «systematisch zurückgewiesen» worden. Laut der ECTAA ist das PAP in seiner Gesamtheit also ein «Programm, welches wettbewerbsbeschränkend wirkt». Zum Beispiel verfügen Reisemittler über keinerlei Entscheidungsbefugnisse, wenn es um die Festlegung der Regeln geht. Ursache dafür ist, dass das entscheidungstreffende Gremium – die so genannte «IATA Passenger Agency Conference» –ausschliesslich mit Airline-Vertretern besetzt ist.

Unter dem Stichwort New Generation ISS wurden kürzlich zwar umfangreiche Änderungen am Programm vorgenommen, aber nicht im Interesse des Vertriebs. Unter anderem wurde eine Höchstgrenze für Verkäufe von Reisemittlern eingeführt. Sobald ein bestimmter Schwellenwert erreicht wird, sind diese zur Vorfinanzierung gezwungen und müssen häufiger und höhere finanzielle Sicherheitsleistungen stellen.

«Durch den Missbrauch der dominanten Position der IATA wird der indirekte Vertrieb von Flugtickets in gefährlicher Weise verletzt. Dabei wird dieser mehr als je zuvor gebraucht, um Verbraucher durch den Dschungel an komplexen Flugangeboten sowie eine wachsende Anzahl an Zusatzleistungen zu lotsen», sagt ECTAA-Präsident Pawel Niewiadomski. Die ECTAA ersucht deshalb die EU-Kommission, eine Untersuchung über genannten Verstösse einzuleiten. Der Schweizer Reise-Verband (SRV), ein Mitglied der ECTAA, unterstützt diese Initiative selbstredend.

(JCR)