Flug
Eurowings bald mit Langstreckenflügen ab Frankfurt?
Die Lufthansa-Lowcost-Tochter Eurowings hat 2018 eine der grössten Wachstumsraten hingelegt, die eine deutsche Airline je verzeichnet hat: Es kamen 30 Flugzeuge zur Flotte hinzu, mit welchen 70'000 Flüge mehr als noch im Vorjahr absolviert wurden, wodurch die Passagierzahl auf über 8 Millionen Passagiere geschraubt wurde. Eine neue Business-Klasse wurde vorgestellt und die Digitalisierung des Unternehmens mit Sitz in Köln deutlich vorangetrieben.
In Düsseldorf, wo Eurowings Marktführer ist, wurde ebenso massiv expandiert wie in München; ab letzterem Flughafen wurden in diesem Jahr Flüge mit Airbus A330 zu Zielen in Amerika, Afrika und Asien aufgenommen. Eine Kapazitätserweiterung, zumindest in Düsseldorf, sei aktuell nicht vorgesehen. Dafür liebäugelt Eurowings inzwischen mit Langstreckenflügen ab Frankfurt. Dort hat Konzernmutter Lufthansa das Sagen; im Ferienfluggeschäft aber auch und vor allem Condor. Doch Thomas Cook, die Mutterfirma der Condor, kämpft aktuell mit Problemen, weshalb Gerüchte aufkamen, Eurowings werde eine Langstreckenflotte auch für Frankfurt aufbauen, um allenfalls Condor zu folgen. Dieses Gerücht entkräftigt EUrowings-CEO Thorsten Dirks in einem Interview mit der «Rheinischen Post» nicht wirklich - «Ob wir die touristische Langstrecke nach Frankfurt bringen, ist eine Option, die wir prüfen; entschieden ist nichts», lautet dort seine Antwort.
Interessant im Interview ist die Nüchternheit, mit welcher der Manager das Langstrecken-Lowcostgeschäft sieht. Auf die Frage, warum man in den USA nur die Ostküste anfliege - im Gegensatz zu anderen Carriern wie die frühere Air Berlin, welche auch an die Westküste flogen - erklärt Dirks, dass die Ostküste der USA in Reichweite für einen Hin- und Rückflug am Tag liege, wodurch man die Flugzeuge entsprechend produktiv einsetzen könne: «Weiterflüge zu anderen US-Zielen sind problemlos mit unseren Star-Alliance-Partnern möglich.» Für Flüge an die US-Westküste müsste man ein entsprechend höheres Preisniveau erzielen.
Das heisst allerdings nur, dass Eurowings die Kostenkontrolle im Griff hält. Dass die Preise 2019 gleich tief wie 2018 bleiben, sei hingegen kaum zu erwarten. Oder wie es Dirks ausdrückt: «Fliegen kann in den unteren Buchungsklassen nicht so verrückt günstig bleiben wie zurzeit. Denken Sie nur an das Servicepersonal und die Kosten für Kerosin, für die Flotte, die Wartung und Technik, die vielen Dienstleister, die Flughafengebühren. Wenn uns das Jahr 2018 eines gelehrt hat, dann das: Wir brauchen nicht noch mehr Quantität im Luftverkehr, sondern mehr Qualität. Wer Flugtickets billiger anbietet als eine kurze Taxifahrt oder eine Parkgebühr am Flughafen kann diese Qualität einfach nicht leisten.»