Flug
Beschwerde gegen Lufthansa Group eingereicht
Das Problem ist bekannt: Die günstigsten Flugtarife bei der Lufthansa Group sind nur über die direkten Buchungskanäle der Airlines buchbar. Deshalb reichten die European Technology and Travel Services Association (ETTSA) und der Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR) bei der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission eine gemeinsame Beschwerde gegen den Lufthansa-Konzern ein.
Die Beschwerde richtet sich gegen zwei Verhaltensweisen, die alle Lufthansa Carriers (Lufthansa, Brussels Airlines, Swiss International Airlines und Austrian Airlines) betreffen und die wie folgt lauten:
- Auf den genannten Strecken vertreibt die Lufthansa Group ihre günstigsten Tarifklassen nicht über indirekte Vertriebskanäle (GDS), sondern nur über die direkten Vertriebskanäle. Es ist also nicht möglich, ein Basis-Ticket ohne zusätzlichen Leistungen wie aufgegebenes Gepäck oder Sitzplatzreservierung auf bestimmten Flügen der Lufthansa Group über ein Reisebüro zu buchen. Da die nächsten günstigsten Tickets in der Regel rund 20 Prozent teurer sind als die für die Direktkanäle von Lufthansa (LH), hat diese Massnahme den Effekt, dass bei der Suche eines Verbrauchers auf einer Preisvergleichsseite LH.com immer als die günstigste Option erscheint. Diese Massnahme wurde bereits seit dem 9. Oktober 2018 für alle europäischen Flüge mit dem Ursprung in Deutschland umgesetzt. Sie wurde ab dem 1. Dezember 2018 auf alle europäischen Flüge mit dem Startpunkt in Grossbritannien (mit Ausnahme der Londoner Flughäfen) ausgedehnt und gilt ab dem 1. Januar 2019 auch für Flüge mit dem Ursprung in der Schweiz.
- Der Lufthansa Konzern hat in den vergangenen 18 Monaten mehrere zusätzliche und undurchsichtige Zuschläge auf Buchungen über indirekte Vertriebskanäle, insbesondere auf Flüge zu / von seinen wichtigsten Hubs, erhoben. So hat LH seit dem 5. April 2018 für jedes Rückflugticket, das an den Lufthansa-Drehkreuzen in Frankfurt, München, Wien und Zürich über den indirekten Vertriebskanal gebucht wird, einen Zuschlag von 20 Euro auf die günstigsten Economy-Tarife erhoben. Die einzige Möglichkeit, einen solchen Zuschlag zu vermeiden, ist die Buchung über die direkten Vertriebskanäle von LH.
«Kleinere Wettbewerber sind die Leidtragenden»
Der Lufthansa Gruppe wird also konkret vorgeworfen, ihre Marktmacht zu missbrauchen und mit diskriminierenden und wettbewerbsausschliessenden Praktiken gegen unabhängige Vertreiber von Flugtickets, darunter Globale Distribution Systeme (GDS), zu agieren. Diese Massnahmen setzen Reiseveranstalter unter enormen Druck, den direkten Distributionskanal von Lufthansa anstelle eines neutralen und transparenten GDS zur Flugbuchung zu nutzen. In der Beschwerde ist zu lesen, dass die Lufthansa Gruppe damit in voller Absicht den Wettbewerb einschränke - sowohl im Markt des Flugticketvertriebs als auch im Markt für Airline Services - und damit kleinere Wettbewerber schädige.
«Wenn hier die Regulatoren nicht intervenieren, werden die Praktiken von Lufthansa zu einem reduzierten Wettbewerb, einer kleineren Anzahl an Airlines und weniger Angebote für Kunden sowie deutlich höheren Preisen führen. Verbraucher, die unabhängige Vertriebskanäle nutzen, haben bereits über eine Milliarde Euro an Aufpreisen an Lufthansa bezahlt», sagt Emmanuel Mounier, Secretary General von ETTSA.
VIR-Vorstand Michael Buller ergänzt: «Wir kritisieren schon länger die Vertriebspolitik der Lufthansa und ihren gezielten Versuch, günstige Tarife nur noch über die eigenen Vertriebssysteme und Schnittstellen anzubieten und buchbar zu machen. Die Schädigung des touristischen Vertriebs ist bereits enorm. Hier wird vehement versucht, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, was nicht weiter toleriert werden darf. Die Politik muss endlich handeln und Gegenmassnahmen ergreifen.»
Nun liegt es an der Kommission, eine Entscheidung über die Einleitung einer Untersuchung auf der Grundlage der in der Beschwerde enthaltenen Elemente zu treffen.