Ferienland Schweiz

Kanada-Feeling vor den Toren Gstaads: Die dicht bewaldeten Bergrücken hüllen den Arnensee im Herbst in ein dichtes Farbkleid. Bild: Gstaad Saanenland Tourismus

Diese Bergseen zeigen den Herbst von seiner schönsten Seite

Silvia Schaub

Mal spiegeln sich goldene Lärchen, mal schroffe Felswände oder sogar das Matterhorn im stillen Wasser. Diese zehn Bergseen zeigen die Schweiz im Herbst von ihrer schönsten Seite – und wirken an windstillen Tagen fast unwirklich.

Wenn die Tage kürzer werden und die Luft klarer wird, verwandeln sich die Schweizer Alpen in ein spektakuläres Farbenspiel. Die sommerliche Trubel weicht einer wohltuenden Ruhe, während die tiefblauen Gewässer das goldene Herbstlicht wie riesige Spiegel einfangen. Von abgelegenen Geheimtipps bis hin zu beeindruckenden Klassikern: Diese zehn Touren führen zu den schönsten Wasserperlen des Landes.

Jöriseen, Davos GR

Bäume spiegeln sich in den Jöriseen zwar keine, weil sie sich oberhalb der Baumgrenze befinden, dafür aber einige Dreitausender und Gletscherreste des Jörigletschers. Vor allem aber das tief türkisblaue Wasser macht diese Ansammlung von Seen zum Blickfang. Es gibt verschiedene Wege dorthin. Einer führt von der Postauto-Station Wägerhus in nordöstlicher Richtung über Weiden und Geröll den Hang hinauf bis zur Winterlücke. Etwas länger und mit mehr Höhenmetern ist der Weg ab der Station Röven bei Susch durchs Val Fless und über den Jöriflesspass.

Das tief türkisblaue Wasser der Jöriseen trifft auf schroffe Dreitausender und das Eis des Jörigletschers. Bild: Destination Davos Klosters

Al Laghétt di Salèi, Onsernone TI

Der Al Laghétt di Salèi liegt ziemlich abgelegen oberhalb des Onsernone-Tals, lohnt sich aber unbedingt – besonders im Herbst, wenn sich die gelben Lärchenbäume im Wasser spiegeln. Wer ab Comologno die gut drei Stunden Wanderzeit hinauf zum See auf sich nimmt, muss sich den Anblick etwas verdienen. Wer es bequemer haben will, nimmt ab Zott im Valle Vergeletto die Seilbahn. Ein Zwischenhalt in der Campanna Salèi lohnt sich. Wer zum Zmittag kommt oder übernachten will, sollte sich vorher anmelden.

Die Lärchen spiegeln sich im stillen Wasser des Laghétt di Salèi. Bild: Ascona Locarno Turismo

Lago di Cadagno, Quinto TI

Wer von Piotta in der Leventina mit der Standseilbahn nach Piora fährt, hat meist den Ritom-See im Visier. Dabei liegt gleich daneben ein ganz anderer See, der zu den wissenschaftlich bedeutendsten Europas gehört: der Lago di Cadagno. Seine Wasserschichten bleiben nämlich getrennt. Das sauerstoffreiche Oberflächenwasser vermischt sich nicht mit dem salz- und schwefelhaltigen Tiefenwasser. Meromixis nennt sich das. Dieses stabile Ökosystem ist für Forschende ebenso spannend wie für Besuchende – liegt der See doch eingebettet zwischen Alpweiden, Mooren und weiteren Bergseen.

Ein faszinierendes Naturphänomen: Am Lago di Cadagno vermischen sich die Wasserschichten nie – eingebettet in eine idyllische Alplandschaft. Bild: Ticino Turismo

Gräppelensee, Unterwasser SG

Der Alpstein hat einige schöne Seen zu bieten. Viele davon sind aber häufig etwas überlaufen. Nicht so der Gräppelensee oberhalb von Unterwasser. Am besten unternimmt man gleich eine Rundwanderung von rund drei Stunden. Gestartet wird bei den Thurfällen, danach geht’s hinauf zum Gräppelensee. Dabei hat man immer wieder den Säntis im Blick. Im Bergsee allerdings spiegeln sich der Lütispitz und die herbstlichen Alpweiden. Hinunter geht’s via Gubel nach Alt St. Johann.

Herbstliche Ruhe im Toggenburg: Am Gräppelensee zeigen sich die bunten Alpweiden und die Gipfel des Alpsteins von ihrer beschaulichen Seite. Bild: Toggenburg Tourismus

Gantrischseeli, Rüeschegg BE

Gross ist es wahrlich nicht, das Gantrischseeli inmitten eines Tannenwäldchens. Aber der Karstsee im Naturpark Gantrisch wirkt an windstillen Morgen wie schwarzes Glas. Die umliegenden Bäume, Kalkfelsen und verfärbten Stauden spiegeln sich fast ohne Verzerrung. Von der Postautostation Gurnigel, Gantrischhütte aus lässt sich ein gemütlicher Rundweg von einer bis eineinhalb Stunden vorbei am Gantrischseeli unternehmen.

Das kleine Gantrischseeli bietet glasklare Spiegelungen der umliegenden Nadelwälder und Kalkfelsen – und eine Begegnung mit Kühen. Bild: Schweiz Tourismus, Ivo Scholz

Arnensee, Gsteig BE

Da kommt schon fast etwas Kanada-Feeling auf, wenn man vor dem Arnensee unweit von Gstaad steht. Wenn sich im Herbst die Wälder und Bergkämme im glatten Wasser spiegeln, fühlt man sich plötzlich weit weg. Dazu muss man nicht mal ins Flugzeug steigen. Wer Zeit hat, plant sich eine mehrstündige Wanderung ab dem Col du Pillon ein. Von dort geht es zuerst zum Lac Retaud und weiter hinauf zum Arnensee. Hat man sich am Anblick satt gesehen, geht es weiter bis nach Feutersoey zur Postautostation.

Stilles Gewässer, kräftige Farben: Der Arnensee belohnt Wanderinnen und Wanderer mit ruhigen Momenten mitten in den Berner Alpen. Bild: Gstaad Saanenland Tourismus

Lai Nair, Tarasp GR

Es müssen nicht immer die Oberengadiner Seen sein, auch wenn diese natürlich im Herbst immer einen Besuch wert sind. Im Unterengadin liegt etwas versteckt hinter dem mächtigen Schloss Tarasp der Lai Nair. Ruhig und dunkel, wie sein Name schon verrät, liegt er in einem Hochmoor. Meist ist man hier alleine unterwegs. Der Weg führt entweder von der Postautostation Tarasp Fontana zum Seelein. Oder wer eine längere Tour angehen will, wählt den Weg von Scuol via die Val Clemgia und dem Weiler Avrona zum Lai Nair.

Der «schwarze See» im Hochmoor: Hinter dem Schloss Tarasp liegt der ruhige Lai Nair versteckt – oft hat man diesen Ort ganz für sich allein. Bild: Silvia Schaub

Trübsee, Engelberg OW

Eingebettet zwischen Bergketten und Titlisgletscher bietet der Trüebsee oberhalb von Engelberg schon eine besondere Kulisse. Weil der Bergsee mit der Gondelbahn gut erreichbar ist, kann es in der Hochsaison etwas belebt sein. In der Nebensaison aber ist alles entspannter. Am besten plant man genügend Zeit ein und nimmt gleich die Vier-Seen-Wanderung unter die Füsse. Der Klassiker gilt als eine der schönsten Panoramawanderungen der Schweiz. Hat man erst mal den Jochpass geschafft, geht es vorbei an weiteren türkisblauen Seen wie dem Engstligensee, dem Tannensee und dem Melchsee bis nach Melchsee-Frutt.

Alpine Kulisse im Engelberger Tal: Der Trübsee bietet vor dem mächtigen Titlisgletscher ruhige und eindrückliche Herbstansichten. Bild: Engelberg Titlis Tourismus

Lac Lioson, Les Mosses VD

Man nennt ihn auch die Perle der Alpenseen, den Lac Lioson oberhalb des Col des Mosses. Tatsächlich ist es ein schöner Anblick, wenn sich im klaren, smaragdgrünen Wasser die Nadelbäume, Weiden und die umliegenden Gipfel spiegeln. Erreichbar ist der Bergsee in eineinhalb Stunden ab der Passhöhe. Bis Anfang Oktober ist auch das Restaurant geöffnet, falls man nicht mit einem Picknick im Gepäck unterwegs ist. Der Lac Lioson ist übrigens auch ein beliebtes Fischerparadies.

Die Perle der Waadtländer Alpen: Der smaragdgrüne Lac Lioson vor saftige Weiden. Bild: Visualps

Riffelsee, Zermatt VS

Wenn das Wasser still ist und sich das Matterhorn im Riffelsee spiegelt, ist das einfach magisch – besonders im klaren Herbstlicht. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass man diesen Anblick mit einigen anderen Touristen teilen wird. Ausser man steht zeitig auf, nimmt die erste Gornergrat-Bahn hinauf nach Rotenboden und läuft in einer Viertelstunde zum Riffelsee. Oder noch besser wandert man ein paar Minuten weiter zum kleinen namenlosen See und geniesst den Anblick ziemlich sicher alleine.

Das Matterhorn spiegelt sich im klaren, stillen Wasser des Riffelsees. Bild: Wikimedia Commons