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Norwegen profitiert verstärkt von Nordlichttourismus, einem Winterprodukt, welches bisher vor allem von Finnland vermarktet wurde. Bild: Jan-Helge69

Schweizer Touristen zieht es ans Licht

Norwegen verzeichnete 2017 gut zehn Prozent mehr Schweizer Besucher als noch im Vorjahr. Besonders Tromsö profitierte von vielen «Nordlichttouristen». Es gibt aber auch Anzeichen einer Abschwächung der Nachfrage.

Ein Prozent mehr kommerzielle Übernachtungen gesamt als im Vorjahr, ein Plus von zwei Prozent bei Übernachtungen ausländischer Gäste: Mit diesem Ergebnis konnte das Reiseland Norwegen sein bisher bestes Tourismus-Ergebnis aus dem Jahr 2016 im vergangenen Jahr 2017 noch einmal steigern.

Der Trend zu Norwegen-Reisen zeigte sich in der Schweiz nochmals deutlich: 225‘576 Übernachtungen aus der Schweiz wurden registriert, was einem Zuwachs von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Mit Abstand wichtigster Auslandsmarkt für die Tourismusbranche Norwegens bleibt aber Deutschland, welches mit 1,72 Millionen Übernachtungen nochmals um 2 Prozent zulegen konnte. Diese Zahlen hat Visit Norway kommuniziert.

Für Manuel Kliese, Geschäftsführer D-A-CH/Niederlande der norwegischen Wirtschaftsförderung «Innovation Norway» und in dieser Funktion für die strategische Ausrichtung im Tourismus zuständig, freut sich über die gute Entwicklung aus dem deutschsprachigen Raum, insbesondere auch aus der Schweiz, welche erst seit 2016 aktiv bearbeitet wird. Das sei aber auch eine Herausforderung. Künftig sollen laut Kliese bei der Analyse der Touristenströme nach Norwegen die qualitativen Aspekte eine markant wichtigere Bewertungsgrundlage sein: «Norwegen bekennt sich eindeutig zu den Global Goals der UNO und benötigt eine nachhaltigere Entwicklung im Land. An der Weiterentwicklung der entsprechenden Strategie arbeiten wir aktuell intensiv.» Diese Strategie sieht vor, stärker als bisher Reiseziele zu fördern, die auf nachhaltigen Natur- und Kulturlebnissen gründen.

«Aus norwegischer Sicht werden Faktoren wie zum Beispiel eine ausgeglichenere Saisonalität und das Aktivitäts- und Ausgabeverhalten eine höhere Gewichtung bekommen», sagt Tina Fraune (Country Manager Tourism Germany, Switzerland & Austria bei Visit Norway), «wir möchten neue Zielgruppen erschliessen, indem wir Facetten von Norwegen zeigen, die nicht unbedingt bekannt und automatisch zugeordnet werden können.» Dazu zählen beispielsweise Kulturerlebnisse und gutes Essen. Primär zum guten Ergebnis 2017 beigetragen haben aber «klassische Angebote» - neben einer überdurchschnittlichen Sommersaison vor allem auch der Nordlichttourismus.

Das Wachstum lässt nach

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine etwas anders lautende Analyse von Anders Vatne, vom norwegischen Hotelconsultingunternehmen Hotelia. Ihm zufolge verzeichnete Norwegen im abgelaufenen Jahr bei den Übernachtungen einen Rückgang um 0,7 Prozent, was nicht dramatisch ist, aber doch eine klare Abkühlung des starken Wachstums vergangener Jahre darstellt. Aus dem internationalen Markt gingen die Übernachtungen ihm zufolge um 2,4 Prozent zurück, nach drei Jahren mit jeweils über 10 Prozent jährlichem Wachstum. Vatne sieht als Grund dafür primär das Erstarken der Norwegischen Krone, also eine relative Verteuerung von Norwegen-Ferien im letzten Jahr.

Aus seiner Sicht war der Gewinner des letzten Jahres eindeutig Tromsö – die Stadt im hohen Norden habe massiv vom Nordlichttourismus profitiert und im Gegensatz etwa zu Oslo beim internationalen Fluganbindungen weiter zulegen können. Allerdings habe das Wachstum im Winter 18 Prozent betragen, im Sommer dagegen nur 0,2 Prozent. Auch die Lofoten seien gut gewachsen, verzeichneten aber noch teils sehr schwache Monate im Winter.

Welche Zahlen stimmen nun? Klar ist nur, dass das staatliche norwegische Statistikbüro SSB seine definitiven Tourismus-Zahlen für 2017 noch nicht publiziert hat. Was aber eigentlich keine Rolle spielt. Unter dem Strich wird deutlich, dass das massive Wachstum der letzten Jahre im norwegischenTourismus nicht auf gleichem Niveau weitergehen kann. Und Vatnes Fazit ist eigentlich gleich wie jenes von Visit Norway: Um weiter wachsen zu können, braucht Norwegen noch mehr Diversifizierung beim Produkt.

(JCR)