Destinationen

Die Hamburger Elbphilharmonie zieht Musikfans und Touristen gleichermassen an. Bilder: Daniel Tschudy

Elphi – erst belächelt, nun gefeiert

Daniel Tschudy

Das Erlebnis Elbphilharmonie macht Hamburg zur Weltstadt – über das Besuchsprozedere und die neuen Energien.

Vielleicht kann man gerade in Luzern nachvollziehen, was die Elbphilharmonie für die Hafenstadt Hamburg bedeutet. Denn das 1998 eröffnete futuristische KKL wurde ebenso bekämpft, belächelt und letztlich zelebriert wie jetzt die Elbphilharmonie. Der Leidensweg war ähnlich lang. In Hamburg begann die Planung 2003 und das Vorzeigeprojekt von Herzog & de Meuron verzögerte und verteuerte sich danach mehrmals. Am Schluss kostete es unglaubliche 789 Millionen Euro.

Seit November 2016 ist es jetzt offen und dient vorab einmal der lokalen Kundschaft. Politisch verpflichtet ist der Eintritt ins Gebäude frei; man musste es erstmals den Hamburgern, respektive den Steuerzahlern zeigen. Und diese kamen in Scharen; in zehn Monaten besuchten rund 4 Millionen Menschen die Plattform auf 37 Meter Höhe.

Dazu wurden 800‘000 Konzertkarten verkauft und die Hotelgäste des im gleichen Gebäude gelegenen Hotel Westin kommen auch noch dazu. Ein Riesenerfolg, anders kann man das gar nicht bewerten. Hamburg war mit seinem Hafen und seiner Geschichte immer Tor zur Welt und trotzdem nie richtig Weltstadt. Jetzt aber gibt es neue Energien, Hamburg Marketing tritt laut und selbstsicher auf und die Freie und Hansestadt Hamburg nähert sich langsam der 2-Millionen-Einwohnergrenze.

Nur müssen nun noch die grossen touristischen Märkte bearbeitet werden. Denn, so erstaunlich es klingt, neben dem natürlich führenden Binnenmarkt Deutschland ist die Schweiz der zweitwichtigste Markt. Gefolgt von Grossbritannien und Dänemark. Es wird also Deutsch gesprochen in den Gassen und Wasserstrassen Hamburgs und wer die Führung durch die Elbphilharmonie macht, bemerkt dies auch sofort. Denn die Schweiz produziert jährlich weit über 300‘000 Übernachtungen (2016 mit einem Plus von 11% zum Vorjahr).

Jeder Musikstil

Was das Programm betrifft, so ist der Begriff „Philharmonie“ irreführend, denn das Konzerthaus ist vor allem ein breit ausgerichtetes Musikhaus. Alle Stile sind willkommen und es treten allerlei bekannte und unbekannte Artisten auf.

Und wer in Jeans kommen will, darf das dann getrost. Wer dagegen gezielt die klassische Musik sucht, orientiert sich möglicherweise besser am Angebot der Hamburgischen Staatsoper am Gänsemarkt. Für die Elbphilharmonie bedeutet es nämlich, dass Gäste, die euphorisch Karten für den fantastischen Musiksaal mit seinen 2‘200 Plätzen erwerben konnten, unter Umständen musikalisch nicht auf ihre Rechnung kommen.

Und um Karten muss man kämpfen. Vor Ort kann man natürlich die Abendkasse versuchen, je nach Musikthema könnten einzelne Karten retourniert werden. Ein Versuch wert sind immer auch die Concierges in den Hotels; nicht weil sie eine engere Beziehung zur Elbphilharmonie unterhalten, sondern weil sie untereinander eng vernetzt sind. Dann lohnt sich dennoch immer auch ein Besuch auf der offiziellen Website; mit ein bisschen Glück gibt da vielleicht mal ein paar einzelne Karten. Und sonst bucht man Hamburg einfach pauschal; es gibt einige Spezialisten in der Schweiz: Railtour suisse SA in Zollikofen (info@railtour-frantour.ch) beispielsweise, oder dann auch Eurobus, Twerenbold Reisen oder Bichsel Musikreisen.

Weitere Infos: www.elbphilharmonie.de