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So darf man: Der Bär hat soeben die Strasse überquert und wird aus dem Auto aufgenommen. Ansonsten beträgt der Sicherheitsabstand mindestens 100 Meter. Bild: TN

Selfie mit Bär: Keine gute Idee

Im Jubiläumsjahr werden Rekordmengen an Touristen in Kanadas Nationalparks erwartet. Parks Canada ruft zu Besonnenheit und Respekt auf.

Am vergangenen Samstag, 1. Juli, war es so weit: Kanada feierte den 150. Jahrestag seiner Gründung mit zahllosen Paraden und Feierlichkeiten; ranghohe politische Vertreter waren zu Besuch, Premierminister Justin Trudeau strahlte in Fernsehkameras aus aller Welt. Die Feierlichkeiten dauern natürlich schon länger an und im ganzen Land wurden seit Jahresbeginn spezielle Initiativen und Investments aus Anlass des Jubiläums lanciert. Aus touristischer Sicht besonders interessant: Das ganze Jahr über ist der Eintritt in die kanadischen National- und Provinzparks gratis.

Und Kanada ist aktuell im Trend, das belegen auch Aussagen der Veranstalter hierzulande. Parks Canada, der Betreiber der Nationalparks, erwartet deshalb ein Rekordjahr. Doch Parks Canada muss gerade deshalb auch mal wieder eine Warnung aussprechen. Zu viele Touristen wissen immer noch nicht, wie ein respektvoller Umgang mit der Natur aussieht. Konkret geht es um Touristen, welche bei Sichtung eines Bären oder auch anderer Wildtiere aus dem Auto aussteigen oder sonstwie versuchen, möglichst nahe an das Tier heranzukommen, um ein gutes Foto oder gar ein Selfie mit dem Tier zu schiessen. Was natürlich ein totales No-go ist.

Im Auto bleiben und Abstand wahren!

Parks Canada hat auf der eigenen Webseite einen ganzen Themenbereich, welcher sich mit Bärenbegegnungen und dem richtigen Verhalten dabei widmet. Dabei wird unmissverständlich festgehalten, dass es verboten ist, Wildtiere in den Parks zu füttern, zu streicheln oder sonstwie direkt mit diesen interagieren zu wollen. Tiere mit Kameras aktiv zu verfolgen wird als «harassment», also als «Belästigung» taxiert und kann mit bis zu 1000 CAD-Dollar (rund 740 Franken) bestraft werden.

Besonders prekär ist die Lage im Banff-Nationalpark, weil dieser im Sommer extrem viele Besucher anzieht – im letzten Jahr besuchten während den Sommermonaten im Schnitt 519‘000 Touristen pro Monat den Park. Doch die Sommerzeit von Juli bis September ist auch just die Zeit, in welcher Bären Fett für den Winter anfressen müssen. Die 40-60 Grizzlys und 40-60 Schwarzbären im Banff National Park sind aber zunehmend dem Stress durch Kontakt mit Touristen ausgesetzt. 

Parks Canada erklärt zwar, dass Fotos aus Distanz, mit respektvoller Nähe zum Bären oder auch zu anderen Wildtieren wie Elchen, Rehen oder Bergziegen kein Problem sind. Der Mindestabstand zu Letzeren sollte 30 Meter betragen, der Mindestabstand zu Bären, Wölfen und Pumas dagegen 100 Meter – es sei denn, man befindet sich im Auto. Überqueren Bären die Strasse, soll man langsam an die Seite fahren, die Pannenlichter einschalten um andere Fahren zu warnen, und die Fotos aus dem Auto schiessen, aber auf keinen Fall das Auto verlassen. Dies ist nämlich für den Bären stressig und für den Touristen riskant.

Reisebüros sollten ihre Kunden auf diesen Sachverhalt aufmerksam machen. Und wenn Sie selber nach Kanada reisen: Der Erhalt der Natur ist wichtiger als ihr Selfie.

(JCR)