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Der Countdown läuft – bald wird «The Wharf» das Washington-Erlebnis nachhaltig verändern. Bilder: TN

Washington D.C. erhält ein neues Viertel

Jean-Claude Raemy

«The Wharf» ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich eine lokale Aufwertung positiv auf ein Viertel oder gar eine ganze Stadt entwickeln kann. Travelnews.ch durfte hinter die Kulissen schauen.

Die Hauptstadt der USA verfügte nie über einen nennenswerten Hafen, obwohl dies durch die Lage am Potomac River, welcher grosse Teile des amerikanischen Ostens entwässert, theoretisch möglich gewesen wäre. Bislang wurde der mächtige Fluss vor allem eingedämmt, zugeschüttet, gezähmt – da man nur einige Kilometer vom Meer entfernt ist, ist der Potomac den Gezeiten ausgesetzt. Ausser einer kleinen Marina verfügte Washingtons Herz über keine nennenswerten Einrichtungen am Wasser.

Das ändert sich bald: Am 12. Oktober wird Phase 1 des Mega-Projekts «The Wharf» eröffnet. In einem städtischen Gebiet direkt am Potomac, nur drei Blocks von der National Mall entfernt, und wo bislang vergammelte Industriegebäude und schäbige Hotels zu finden waren, entstehen gleich mehrere neue «Venues», welche das Viertel aufwerten und zu einer neuen Attraktion vor allem für Einheimische, aber auch für Touristen werden könnten.

Fünf verschiedene Komplexe

Gleich hinter der L’Enfant Plaza, wo die Biketouren losgehen, befindet sich die Riesenbaustelle. Am IPW durfte erstmals eine Journalistengruppe die Baustelle betreten und auch in die Gebäude hinein, wobei das Fotografieren verboten war.

Die Baustelle ist an diesem Sonntag ruhig; man sieht aber, dass hier unter der Woche intensiv gearbeitet wird. Am Eröffnungsdatum des 12. Oktober gibt es nichts zu rütteln. Dann werden gleichzeitig fünf Komplexe eingeweiht:

  1. Ein Hotelkomplex mit zwei verschiedenen, auf Patio-Level verbundenen Hoteltürmen. Das eine wird ein Canopy by Hilton – das erste in den USA und das zweite weltweit (das erste wurde in Island eröffnet) – sowie ein Hyatt.
  2. Ein Wohngebäude mit Appartements und Condos, welche für zwischen 400‘000 und 2,5 Millionen Dollar verkauft wurden.
  3. Ein Intercontinental Hotel
  4. Die brandneue Konzerthalle «Anthem», über welcher Appartements namens «The Channel» verkauft wurden
  5. Ein Bürogebäude

Insgesamt entstehen in «The Wharf» 19 neue Restaurants und sechs Retail-Läden. Dazu wird der alte Jachtclub modernisiert und ein neuer Pier gebaut. Das bereits existierende Pier, wo die Schiffe von Entertainment Cruises andocken, wird integriert. Sympathisch: Die Hausboot-Siedlung in der Marina darf bleiben – und auf einen Schlag sind diese Hausbootplätze plötzlich extrem begehrt. Denn die Washingtoner haben gemerkt, was der Blick auf Wasser, in diesem Fall auf den Potomac, ausmacht. Sowohl die neu entstehenden Hotels bieten tolle Blicke auf den Fluss, als auch das Anthem, welches eine Terrasse mit Wasserblick haben wird.

Diese brandneue Arena wird 3200 Sitze oder 6000 Stehplätze bieten, wobei die Hauptbühne beweglich ist. Sieben Bars, spezielle Boxen und ein eigenes Catering runden das Angebot ab. Wer am 12. Oktober Headliner für die Einweihung sein wird, wurde nicht verraten. Sicher ist, dass das bereits mit zahlreichen Top-Konzertstätten gesegnete Washington jetzt noch eine weitere Arena erhält, welche die Konkurrenz verschärfen wird.

Modernisieren und Geld verdienen

Hinter dem Mega-Projekt steht die Immobilienagentur Madison Marquette. Diese hat sich darauf spezialisiert, heruntergekommene Bauten «mit Potenzial» zu kaufen und zu modernisieren. Die Firma ist an ähnliches Modernisierungsprojekten in Seattle und New Jersey beteiligt.

Übrigens: Die 2. Phase von The Wharf wird dann im Frühjahr 2018 lanciert, mit Eröffnung per 2021. Dabei entstehen weitere Wohn-, Büro- und Shoppingkomplexe, eine weitere Marina sowie neue Parks. Der Süden Washingtons wird damit entscheidend aufgewertet.