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Künstler Aloe Blacc, Filmemacher Shaun McGillivray und Chris Thompson, CEO von Brand USA, präsentieren in Washington die neuen globalen Marketinginitiativen der USA. Bild: TN

«Wir nehmen den Fuss nicht vom Gaspedal»

Jean-Claude Raemy

Brand USA vermeidet politische Kommentare und setzt – richtigerweise – auf eine Vorwärtsstrategie.

Nachdem die Medien zum IPW-Auftakt keinerlei Statements zur Lage des Tourismus in den USA erhielten, durfte man am Montag gespannt sein auf eine offizielle Pressekonferenz von Brand USA. Würde sich CEO Chris Thompson zu Fragen hinsichtlich den Bemühungen von Donald Trump zur Abschaffung von Brand USA oder generell zu Rückgängen im US-Tourismus zu pointierten Aussagen hinreissen lassen?

Fehlanzeige. Und dies zu recht. Thompson wies darauf hin, dass jeder Regierungswechsel spezielle Herausforderungen mit sich bringe. Und er gestand zwar ein, dass die aktuelle Situation «besonders herausfordernd» sei. Doch statt darüber zu lamentieren, was derzeit im Weissen Haus alles schief läuft, stellte Thompson die neusten globalen Marketing-Initiativen von Brand USA vor, listete die von Oxford Economics festgehaltenen ökonomischen Eckpunkte von Brand USA auf – 4 Millionen zusätzliche USA-Besucher seit deren Gründung, 30 Milliarden Dollar zusätzliche Einnahmen aus dem Tourismus und 51‘000 zusätzliche Jobs - und liess unmissverständlich wissen, dass man am eingeschlagenen Kurs festhält: «Wir nehmen den Fuss nicht ab dem Gaspedal. Die USA heissen internationale Besucher weiterhin willkommen.»

Neue grosse Marketing-Initiativen

Das «Herzlich Willkommen in den USA» wird einerseits an zahlreichen Flughäfen sichtbar gemacht, an Bildschirmen und auf Anzeigetafeln. Doch Brand USA geht noch weiter. In Kürze wird die neue globale Marketingkampagne «One Big Welcome» lanciert. Dabei kommen im Rahmen diverser Kurzfilme Bewohner aus verschiedenen Teilen der USA zu sprechen, welche die Schönheiten und Besonderheiten ihres Landesteils präsentieren. «Authentisch und lokal» ist die Devise der neuen Kampagne.

Doch damit nicht genug: Nach dem durchschlagenden Erfolg des IMAX-Films «National Parks Adventure», welcher auch in der Schweiz im Verkehrshaus Luzern unter dem Titel «Wild America» gezeigt wurde und weltweit von 14 Millionen Personen gesehen wurde, wird nun ein zweiter IMAX-Film gedreht, welcher im Februar 2018 präsentiert wird. Der Arbeitstitel ist «America’s Treasures». Dort wird Musik das zentrale Storytelling-Element sein.

Hauptdarsteller des Films ist der Künstler Aloe Blacc, welcher am IPW-Auftaktabend auf der Hauptbühne vor dem US-Kapitol gesungen hatte. Er besucht im Verlauf des Films US-Städte wie New Orleans, Memphis, Nashville oder Chicago und erkundet dabei die Spuren der US-Musikszene, aus welcher Jazz, Blues, Hip-Hop und andere Stilrichtungen hervorgingen. Die Idee ist laut Thompson, dieses Mal mehr das «urbane Amerika» und die kulturellen Leistungen der USA in den Mittelpunkt zu rücken.

«Die USA haben sich nicht verändert»

Brand USA setzt also trotz dem Damoklesschwert der Auflösung weiterhin den eingeschlagenen Kurs fort, und lässt sich auf keine politischen Diskussionen ein. Das ist der «American Way of Doing Things». Das Lobbying in Washington zugunsten des Erhalts von Brand USA ist in vollem Gang. Eine öffentliche Schlammschlacht wird aber vermieden. Thompson sagt pflichtbewusst, dass Sicherheit oberste Priorität beim Reisen habe; gleichzeitig wird auf die «Willkommenskultur der USA» verwiesen – darin wird kein Widerspruch erkannt oder zumindest thematisiert.

Direkt auf die Auswirkungen von Donald Trump angesprochen, gibt sich Thompson ebenfalls diplomatisch: «Man muss zwischen Wahrnehmung und Realität differenzieren. Die Einreiseprozedur in die USA hat sich nicht verändert. Die Attraktionen, die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Amerikaner haben sich nicht verändert. Die USA werden lediglich als weniger willkommend wahrgenommen, aber das trifft nicht darauf zu, wie es wirklich ist.»

Sein Wort in Gottes Ohren. Denn natürlich hat Thompson Recht. Doch man hört von Hoteliers und DMCs, dass das Geschäft ziemlich deutlich zurückgeht; die Preise brechen ein, erste Jobs gehen verloren. Die «advanced bookings» sollen auch im Minus sein. Es gibt aber auch gegenteilige Analysen. Die ersten Monate 2017 waren in den deutschsprachigen Märkten stabil oder gar positiv. Die erfolgreichen Zahlen, welche Wirtschaftsminister Wilbur Ross am IPW-Lunch vom Montag präsentierte, datierten von 2015. Der «Trump Slump» ist noch nicht bewiesen, aber er scheint sich doch ziemlich konkret abzuzeichnen. In dieser Situation macht Brand USA das Richtige: Weitermachen, den US-Präsidenten gar nicht erst thematisieren, auf die positiven Seiten der USA hinweisen. Lamentieren… wäre zu einfach und auch nicht zielführend.

Das Promo-Video zum neuen IMAX-Film «America’s Treasures»: