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So möchten doch alle den Preikestolen (im Vordergrund) erleben. Eine gute Vorbereitung hilft. Bild: Alexey Topolyanskiy/Unsplash

So lohnt sich der Besuch des Preikestolen

Die wohl meistfotografierte norwegische Naturattraktion kann ein tückisches Reiseziel sein – wegen Google oder wegen schlechtem Wetter. Wir haben für Sie Tipps parat, damit der Besuch ein Hit wird.

Der «Preikestolen», zu Deutsch die «Predigerkanzel», ist eine Felsplattform in Südostnorwegen, die wegen ihrer fantastischen Ausblicke auf den Lysefjord ab dem rund 25 mal 25 Meter grossen Plateau weltberühmt ist. Das Plateau ist nicht gesichert; vom Rand aus geht es senkrecht 600 Meter hinunter zum Fjord.

Pro Jahr wird der Preikestolen von fast 200‘000 Menschen besucht. Eigentlich könnten es noch mehr sein, käme man leichter dort hin. Doch gerade Google Maps sorgt immer wieder für Verwirrung. Gibt man die Route ab der nächstgrösseren Stadt Stavanger zum Preikestolen ein, werden zwei Varianten eingegeben. Die kürzere davon führt am Südrand des Lysefjords nach Fossmork, die längere mitsamt Fährüberfahrt aber ebenfalls nach Fossmork und dann… gepünktelte Linie hinüber zum Preikestolen. Ab Fossmork lässt sich dieser aber nicht erreichen. Dass sich immer wieder Touristen nach Fossmork verirren, war jüngst sogar dem «Spiegel» einen Bericht wert. Ein Test heute Morgen ergibt, dass Google Maps den Fehler, der Anfang Mai in norwegischen Zeitungen dokumentiert wurde, bislang noch nicht korrigiert hat.

Nur zu Fuss kommt man hin

Was man wissen muss: Den Preikestolen erreicht man nur zu Fuss, mit einer ziemlich anspruchsvollen, wenn auch nur über 330 Meter Höhendifferenz auf 3,8 Kilometer Länge führenden Wanderung ab der Preikestolhytte, einem Gasthaus mit Souvenirladen und einer limitierten Anzahl Parkplätze. Erreicht wird diese über den kurvigen Preikestolvegen; ohne Fähre kommt man ab Stavanger nicht hin. Näher als bis zur Hytta geht es per Fahrzeug übrigens nicht. Immerhin verhindert dies, dass der Preikestolen von zusätzlichen Tausenden Bustouristen besucht wird.

Die Wanderung ab der Hytte bis zum Felsplateau dauert rund zwei Stunden, pro Richtung. Der Besuch will also gut vorbereitet sein, zumal es nach der Hytte keine Verpflegungsstationen mehr gibt. Man sollte also genügend Essen und Trinken sowie Kleidung mitnehmen. Denn das westnorwegische Wetter ist tückisch und kann schnell umschlagen: Zu blöd, wenn man am Ende der Wanderung auf dem Preikestolen steht und keine zehn Meter weit sieht. Das gibt kein tolles Selfie für den Instagram-Account.

Natürlich sind die berühmten Bilder in Broschüren und Magazinen alle bei Prachtswetter aufgenommen. Um ein ähnliches Bild zu schiessen, sollte man vor Ort unbedingt das Wetter checken. Die norwegischen Wetterdienste www.yr.no oder www.storm.no sind am besten. Einfach «Preikestolen» eingeben und jenen in Forsand/Rogaland wählen - es gibt nämlich noch einen auf Spitzbergen... Die Websites bieten das Wetter auch auf Englisch. Wenn also steht «Sunshine» (Norwegisch «Solskinn» oder einfach «Sol»), dann kann man gehen. Sollte «cloudy» («overskyet») stehen, lieber nicht gehen. Die Chance, dass die Felsformation mitten im Wolkennebel steht, ist dann relativ gross. Ausserdem besteht dann die Gefahr, dass man sich bei dichtem Nebel verläuft.

Eine beste Zeit für den Besuch gibt es, aus Wettersicht, nicht. Am meisten Besucher gibt es natürlich in der Sommersaison, wo auch die Tage lang sind. Wer aber zum Beispiel heute, Anfang Mai, vor Ort wäre, hätte 14 Grad und Sonne auf dem Preikestolen. Und die Tage sind jetzt schon deutlich länger als bei uns. Es kann sich also lohnen, Norwegen auch mal ausserhalb der Saison zu besuchen.

Achtung: Kinder mitzunehmen ist nicht unbedingt ratsam, weil das Felsplateau wie gesagt ungesichert ist. Ausser Bilder wie hier unten bereiten ihnen keine Bauchschmerzen.

(JCR)