Destinationen

«Das neue Hotel wird Bern guttun»

Artur K. Vogel

Markus Lergier, der Tourismusdirektor der Stadt Bern, hat ehrgeizige Pläne.

Bern will sich verstärkt als Destination für Städtereisen und Kongresse positionieren. Ein preisgünstiges Designhotel im ehemaligen Hauptsitz der Schweizerischen Post wird ab 2019 zusätzliche Hotelbetten anbieten. Berns Tourismusdirektor Markus Lergier ist „absolut begeistert“.

Herr Lergier, einst war von einem Fünfsternhotel in der Schönburg, dem früheren Bürogebäude der Post, die Rede. Jetzt gibt es ein Budget-Designhotel der deutschen Gruppe Prizeotel auf Dreisterne-Niveau. Sind Sie enttäuscht?

Markus Lergier: Ich bin absolut begeistert. Das Konzept ist sehr innovativ, und das neue Hotel wird Bern guttun. Die Idee mit dem Fünfsternhotel entstand zu einer Zeit, als die Schönburg noch andere Besitzer hatte, und als ungewiss war, ob der Schweizerhof (traditionelles Fünfsterne-Haus am Berner Bahnhof, Red.) je wiedereröffnet würde.

Prizeotel bietet in seinen bisher drei Häusern in Deutschland Zimmer ohne Frühstück zu 59 Euro an. Das würde in Bern die Hoteltarife gewaltig durchschütteln. Haben Hoteliers Angst vor dem neuen Mitbewerber?

Marco Nussbaum, der Gründer von Prizeotel, hat mir versichert, dass er die Preisstruktur in Bern nicht kaputtmachen will. Das wäre angesichts der Kosten in der Schweiz, insbesondere des Lohnniveaus, wohl auch kaum möglich. Ich glaube nicht, dass er andere Hotels kanibalisieren wird. Vielmehr denke ich, dass Prizeotel uns neue Gäste bringen wird. Zumal die renommierte internationale Hotelgruppe Carlson Rezidor als 49-Prozent-Partner dahinter steht.

Sie haben immer gefordert, Bern müsse neben den bestehenden 3500 zusätzliche 500 oder 1000 Hotelbetten erhalten. Das Prizeotel bietet ab Ende 2019/Anfang 2020 rund 375. Wer soll denn diese Betten belegen?

Unsere Hotels sind zu 65 bis 70% ausgelastet, was gut ist. Mit dem umgebauten Kursaal, der neuen Halle von Bern Expo und so weiter können wir anderseits Top-Lokalitäten für Kongresse und Konferenzen zur Verfügung stellen. Findet ein solcher Kongress statt, stossen wir schnell an die Kapazitätsgrenze; andere Veranstalter haben dann keine Chance mehr.

«Die Wochenenden dürften touristisch noch besser ausgelastet sein»

Bern ist keine klassische Destination für Städtereisen. Wie sieht der Mix der Bern-Besucher aus?

Wir haben eine gute Gästestruktur. 60% ist Business, 35% Tourismus und 5% Politik. Wir wollen Bern sowohl als Tourismus- als auch als Konferenz-Destination stärken. Die Wochenenden dürften touristisch noch besser ausgelastet sein. Und wir versuchen zum Beispiel, Uni-Professoren dazu zu animieren, ihre Fachkongresse hier abzuhalten.

Sie drängen also darauf, dass in Bern noch weitere Hotels gebaut werden?

In der Wankdorf-City, wo Post und SBB ihre neuen Hauptsitze haben und weitere 150 Wohnungen geplant sind, entsteht ebenfalls ein neues Hotel, und eines sollte nicht weit davon, in Ostermundigen, 2020 in einem Hochhaus eröffnet werden. Die Altstadthotels Savoy und Kreuz werden gerade umgebaut; nächstes Jahr folgt das Bristol, und auch das Hotel Bern hat Pläne, während der Bären bereits saniert worden ist und in seinen oberen Geschossen Büroraum in Hotelzimmer umgewandelt wurde. Wir sind also auf dem richtigen Weg.