Destinationen
Schauer-Tourismus in der Schweiz
Gemässs den Travel Predictions 2027 von Booking bekunden 63 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer Interesse an Horror-, Gothic- oder Thriller-Erlebnissen. Vor allem bei der Gen Z und den Millennials ist die Faszination für das Schaurige mit jeweils 83 Prozent besonders ausgeprägt, während sich bei den Babyboomern lediglich 32 Prozent dafür erwärmen können.
Im Fokus stehen dabei gotische Bauwerke, Krypten, Ruinen und historische Kultstätten, denen mystische oder übernatürliche Kräfte nachgesagt werden. Wer für diesen Nervenkitzel nicht weit reisen möchte, findet in der Schweiz eine Fülle von Orten, an denen sich hinter der Postkartenkulisse eine unerwartet dunkle Vergangenheit verbirgt. Fünf Schweizer Orte mit Gänsehaut-Faktor:
1. Hotel Val Sinestra: Übernachten mit dem Hausgeist
Im abgelegenen Unterengadin zieht das ehemalige Kurhaus Hotel Val Sinestra Mutige an. Es gilt als eines der bekanntesten Spukhotels des Landes. Seit Jahrzehnten berichten Gäste und Personal von unerklärlichen Phänomenen, vor allem in der einstigen Bäderetage. Der Sage nach geht hier der Geist «Hermann» um – ein belgischer Soldat aus dem Ersten Weltkrieg. Trotz gelegentlicher Unruhe gilt Hermann als friedlicher Hausgeist. Sogar Schweiz Tourismus führt die Unterkunft offiziell in ihrer Liste der schaurigsten Orte der Schweiz.
2. Schloss Neu-Bechburg: Der eingemauerte Raubritter
Oberhalb von Oensingen SO thront die Neu-Bechburg, über der eine düstere Legende liegt. Im 14. Jahrhundert soll der grausame Raubritter Kuoni in den Burgmauern lebendig eingemauert worden sein. Seither schleicht sein ruheloser Geist durch die Gemäuer, begleitet von seltsamen Geräuschen und mysteriösen technischen Störungen. Selbst ein Fernsehteam scheiterte 2002 an unerklärlichen Geräteausfällen, als es Kuonis vermutete Grabstätte dokumentieren wollte.
3. Platzspitz: Vom «Needle Park» zur grünen Oase
Zwischen Sihl und Limmat gelegen, präsentiert sich der Zürcher Platzspitz heute als idyllischer Stadtpark. Doch in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren erlangte das Areal als «Needle Park» traurige Weltberühmtheit. Bis zu 3000 Drogenkonsumierende hielten sich damals täglich im Park auf; Elend, Gewalt und tödliche Überdosierungen prägten das Bild. Nach der Schliessung 1992 verlagerte sich die Szene vorübergehend an den Letten, bevor sie 1995 endgültig aufgelöst wurde. Heute vermitteln geführte Rundgänge zur Zürcher Drogengeschichte die beklemmenden Hintergründe dieses historischen Wendepunkts.
4. Schloss Chillon: Kerker und Folter am Genfersee
Schloss Chillon im Kanton Waadt zählt zu den meistfotografierten Motiven der Schweiz, verbirgt jedoch eine Abgrund tiefe Geschichte. Vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert diente die Festung als Gefängnis und Richtstätte. In den feuchten, gotischen Kellergewölben direkt über dem Wasserspiegel des Genfersees wurden Insassen gefangen gehalten und gefoltert – ein Paradebeispiel für historische Magie mit Gänsehaut-Garantie.
5. Spreuerbrücke: Ein Spaziergang mit dem Tod
Im Schatten der berühmten Kapellbrücke in Luzern befindet sich die Spreuerbrücke, die ein faszinierendes wie makabres Kunstwerk beherbergt. Der 45-teilige Totentanz-Zyklus von Kaspar Meglinger aus dem 17. Jahrhundert zeigt den Tod an der Seite von Menschen jeglichen Standes – vom Bettler bis zum König. Die Bilderserie erinnert eindringlich an die Vergänglichkeit des Lebens und verleiht dem historischen Übergang eine düstere Faszination.
Zur Methodik der Studie: Die Travel Predictions 2027 beruhen auf einer von Booking beauftragten Online-Befragung unter 28'230 Personen aus 32 Ländern im Juli und August 2026 (darunter 503 Teilnehmende aus der Schweiz).